Einen Monat nach Beginn der Großoffensive gegen die Taliban im Swat-Tal ist das Rote Kreuz tief besorgt über die humanitäre Lage in dem umkämpften Gebiet. Die Menschen seien seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten und es gebe weder fließend Wasser noch Strom, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

Daniel O'Malley vom IKRK besuchte die Region am Wochenende und sagte, die Lage sei alarmierend. Es gebe keinen Treibstoff mehr für Generatoren und die Telefonverbindungen seien zusammengebrochen. Außerdem seien die meisten medizinischen Einrichtungen im Swat-Tal nicht mehr funktionsfähig.

Nach Angaben der Streitkräfte dauert es mindestens zwei Wochen, bis die Stromversorgung wiederhergestellt ist. Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari stellte am Montag Soforthilfe in Höhe von 500 Millionen Rupien (4,3 Millionen Euro) für die inzwischen etwa drei Millionen Flüchtlinge bereit.

Die Streitkräfte hatten am Wochenende die Rückeroberung der größten Stadt im Swat-Tal, Mingora, verkündet und Verteidigungsminister Syed Athar Ali hatte die Offensive für weitgehend abgeschlossen erklärt. Die Region werde „in den nächsten zwei bis drei Tagen“ gesichert sein, sagte er.

In Mingora, wo einst 375.000 Menschen lebten, hoben die Streitkräfte am Sonntag vorübergehend die Ausgangssperre aus, damit sich die rund 20.000 verbliebenen Einwohner auf die Suche nach Lebensmitteln machen konnten. „Wir brauchen Essen. Wir brauchen Hilfe. Wir wollen Frieden“, sagte Afzal Khan. Ein weiterer Einwohner, Ali Rehman, erklärte, er habe sein Haus seit 25 Tagen nicht verlassen. „Ich wusste nie, wer kämpft und wer getötet wurde.“

Bei den Kämpfen in der Region wurden nach Militärangaben bisher mehr als 1200 Extremisten getötet. Sie weiteten sich am Wochenende offenbar auf eine weitere Region aus: In Süd-Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan kamen nach Militärangaben mindestens 25 Aufständische und sieben Soldaten ums Leben.

Beobachtern zufolge könnte die breite Unterstützung der Bevölkerung für die Offensive schwinden, wenn das Flüchtlingsproblem nicht schnell gelöst wird. Fast 200.000 Menschen leben in Lagern im Grenzgebiet. Zudem haben die Taliban zur Vergeltung mit Terrorangriffen gedroht. Bei Bombenanschlägen in Lahore und Peshawar wurden in der vergangenen Woche mindestens 44 Menschen getötet.

AP/cn