Frankreich

Zickenkrieg zwischen Rachida Dati und Carla Bruni

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat entschieden, seinen einstigen Schützling Rachida Dati in die belgische Provinz zu schicken. Der grandiose Aufstieg der Justizministerin erfährt damit eine Wendung. Frankreich tuschelt über die Entscheidung, bei der Carla Bruni eine entscheidende Rolle zugedacht wird.

Foto: picture-alliance/ dpa / WOSTOK_PRESS/MAXPPP

Was genau macht eigentlich Europa?“, wurde die prominente Kandidatin für das Europäische Parlament gefragt, und ihre Antwort lautete ungefähr, Europa befasse sich eben „mit dem, wozu es beauftragt wird, und ... also, es befasst sich eben mit dem, wozu es beauftragt wird, und zwar eben mit den Personen, die man eben beauftragt, sich damit zu befassen, also, äh, uns, sozusagen.“

Spätestens nach dieser Erläuterung über Sinn und Zweck des Europäischen Parlaments stellt man sich in Frankreich die Frage, ob die noch amtierende Justizministerin Rachida Dati in Brüssel besonders gut aufgehoben sein wird. Doch Präsident Nicolas Sarkozy hat sich nun einmal entschieden, seinen einstigen Schützling aus dem Pariser Rampenlicht in die belgische Provinz abzuschieben, und sie Ende Januar kurzerhand auf den – dummerweise ziemlich sicheren – zweiten Listenplatz seiner Partei UMP in der Region Ile de France gesetzt. Wie begeistert die 42-Jährige von dieser Entscheidung war, ließ sich drei Tage danach beim Parteitag der UMP an ihrem sauertöpfigen Gesicht ablesen.

Mittlerweile behauptet sie in Interviews zwar, sie empfinde ihre Europa-Mission keinesfalls als Verbannung oder Bestrafung, ihre Kandidatur zeige vielmehr ihren „Willen, den Franzosen zu dienen“, aber es gibt keinen Zweifel daran, dass Brüssel für die hochfliegenden Ambitionen Rachida Datis einen Karriereknick bedeutet.

Der Zeitpunkt, als Dati begann, in der Gunst ihres Förderers Sarkozy zu fallen, lässt sich relativ genau festlegen: nämlich als Carla Bruni im Élysée-Palast auftauchte. Offensichtlich ist zumindest, dass Dati, die den Präsidenten zuvor auf beinahe allen Auslandsreisen begleitete, inzwischen meist zu Hause bleiben muss.

Zwei jüngst erschienene „Enthüllungsbücher“, die sich beide bestens verkaufen – „Belle Amie“ von Michaël Darmon und Yves Derai sowie „Du rimmel et des larmes“ („Wimperntusche und Tränen“) von Jacqueline Remy –, bemühen sich, das Geheimnis zu lüften, ohne dass es ihnen gänzlich gelingt und sie so zur weiteren Verklärung des Faszinosums Dati beitragen. Noch scheint rätselhaft, wie das plappernde Paris ihren Abgang nach Brüssel verkraften soll.

Zwei Jahre lang hatte die Tochter eines marokkanischen Maurers und einer Algerierin seit ihrem Amtsantritt als Justizministerin die französische Presse in Atem gehalten, durch glamouröse Auftritte in Dior-Kleidern und umstrittene Justizreformen ebenso wie durch ihren vermeintlichen Zickenkrieg mit Carla Bruni und das nach wie vor ungelöste Rätsel, wer denn der Vater ihre Tochter Zohra ist, die sie Anfang Januar zur Welt brachte.

Wie keine andere Person war Rachida Dati Glamour pur und zugleich die Symbolfigur für Sarkozys Politik der „Öffnung“ und des „Bruchs“ mit alten Gewohnheiten. Sie vertrat nicht die alten Eliten, sondern das neue dynamische Frankreich mit Migrationshintergrund. Umso größer war der Effekt, als Sarkozy die Frau, die während des Wahlkampfs seine Sprecherin war, nicht, wie allgemein erwartet worden war, mit einem hübschen symbolischen Posten als Integrationsbeauftragte abspeiste, sondern ihr das prestigeträchtige Justizministerium anvertraute.

Der Posten des „Garde des Sceaux“, des „Siegelbewahrers“ der französischen Republik, ist in aller Regel Starjuristen vorbehalten. Oft ist der Posten zudem ein Sprungbrett für höhere Weihen. Auch François Mitterrand war einst „Garde des Sceaux“.

Doch mit der Leitung dieses Ministeriums und seiner als ziemlich arrogant bekannten Spitzenbeamten sowie dem Auftrag, eine weitreichende Justizreform durchzusetzen, schien die Ministerin, deren eigene juristische Karriere wenig profiliert war, überfordert zu sein.

Innerhalb von zwei Jahren hat sie drei Kabinettsdirektoren, zahlreiche Redenschreiber und Referenten verschlissen und beinahe den gesamten Apparat gegen sich aufgebracht. Dazu entzog ihr Sarkozy peu à peu seinen Rückhalt, und es gibt nicht wenige, die vermuten, dies sei auf sanften Druck Carla Brunis geschehen. Dass diese Rachida Dati mit leichtem Argwohn betrachten musste, als sie die neue Première Dame der Republik wurde, ist nicht erstaunlich.

Dati war eine enge Freundin von Sarkozys vorheriger Ehefrau Cécilia. Als die Ehe der beiden kriselte, hat Dati immer wieder zwischen beiden als Vermittlerin fungiert. Nach der Hochzeit von Sarkozy mit Carla Bruni berichtete das Magazin „Nouvel Observateur“, der Staatschef habe noch kurz vor der Trauung seiner Ex eine SMS mit den Worten „Wenn Du zurückkommst, sage ich alles ab“ geschickt.

Als Sarkozy mit einer Klage drohte, musste der Journalist einräumen, er habe die SMS nicht gesehen, eine dritte Person, die dem Präsidenten nahestehe, habe ihm davon berichtet. Es gibt nicht wenige, die glauben, diese Person sei Dati gewesen.

Wahrscheinlich denkt das auch Carla Bruni. Das zumindest würde erklären, weshalb sie die Justizministerin ihres Gatten nicht sogleich ins Herz schloss. Zu Beginn ihrer Beziehung mit Sarkozy machte sie dessen bis dahin engster Vertrauten deutlich, Nicolas benötige künftig keine frühmorgendlichen SMS mehr von ihr, „sein Tagesablauf“ habe sich geändert. Gern kolportiert wird auch die spitze Bemerkung, die Bruni gegenüber Dati abschoss, als eine lockere Runde eines Abends die Schlafzimmer des Élysée-Palastes besichtigte. „Nicht wahr, Rachida, in dem Bett hättest du auch gern gelegen“, soll Bruni da gesagt haben.

Trotzdem soll Dati ihren ganzen Charme eingesetzt haben bei dem Versuch, Carla Bruni für sich zu gewinnen, jedoch vergeblich. Bruni mache sich über die allzu offensichtlichen Einschleimversuche sogar lustig, berichteten Vertraute der Sängerin. Dati dagegen hat immer wieder bestritten, dass ihr Verhältnis zu Bruni getrübt sei, sie telefonierte häufiger mit ihr und sie würden sich sogar „alles Mögliche erzählen“, erzählte Dati stolz wie ein Schulmädchen, das damit abgibt, die Coolste in der Klasse als Freundin zu haben. Besonders überzeugend wirkte dies jedoch nicht.

Das jüngste Highlight in den Verwerfungen war dann die angeblich abgelehnte Patenschaft. Dati, die Silvester, zwei Tage vor der Geburt ihrer Tochter, immerhin zur Silvesterfeier bei den Sarkozys eingeladen war, soll den Präsidenten bei dieser Gelegenheit gefragt haben, ob er die Patenschaft für ihr Kind übernehmen würde, berichtet Jacqueline Remy in ihrem Buch.

Sarkozy soll abgelehnt haben, angeblich weil Carla Bruni dagegen war. Rachida Dati selbst hat zu dieser Frage bislang immer nur gesagt, das gehe niemanden etwas an. Sie versucht ihr Privatleben zu schützen, was aber schwierig ist für eine Person, die Boulevard-Medien selbst nicht abgeneigt ist, wenn es ihrer politischen Karriere dient. Auch die Frage, wer denn nun der Vater ihres Kindes sei, ist nach wie vor offen.

Als heißeste Kandidaten gelten Darmon und Derai zufolge nach wie vor der ehemalige spanische Ministerpräsident José María Aznar oder der Generalstaatsanwalt von Katar, Ali al-Marri. Aznar hat das Gerücht sogar offiziell bestritten, was sogleich neuen Verdacht erweckte und Theorien provozierte, der konservative Politiker streite nur ab, weil er noch auf ein politisches Comeback hoffe und seine konservative Wählerschaft nicht verprellen wolle.

Ali al-Marri hat sich bislang zu dem Thema nicht geäußert, aber da wiederum glauben Beobachter im teuren Schmuck, den die Ministerin gern trägt, ein Indiz für den Scheich erkennen zu können. Dati hat auf die Frage nur einmal mit der Floskel geantwortet, ihr Privatleben sei „kompliziert“. Die Neugierde hat sie damit am allerwenigsten stillen können.

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