Die umstrittene französische Justizministerin Rachida Dati wird wahrscheinlich in Kürze ihr Amt aufgeben, um für die Europawahl im Juni für die Regierungspartei UMP zu kandidieren. Dies berichtete die französische Zeitung "Le Figaro". Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hätte damit doch noch sein Ziel erreicht, eine Ministerin loszuwerden, die in den vergangenen Monaten zunehmend zu einer Belastung für seine Regierung geworden war. Vor kurzem hatte Dati das Angebot, Spitzenkandidatin der UMP bei den Europawahlen für die Region Ile de France zu werden, noch abgelehnt. Nun akzeptiert sie den zweiten Listenplatz. Angeführt wird die UMP bei der Europawahl inzwischen vom bisherigen Landwirtschaftsminister Michel Barnier.
Dati hat sich mit ihrem Wunsch, der Regierung weiterhin anzugehören, offensichtlich nicht durchsetzen können. Nach der Geburt ihrer Tochter Zorah per Kaiserschnitt am 2. Januar, war die 43-jährige nach nur fünf Tagen „Mutterschaftsurlaub“ bereits am 8. wieder an ihren Schreibtisch zurückgekehrt und hatte dadurch in Frankreich eine heftige Diskussion ausgelöst, ob sie die Errungenschaften der Frauenbewegung – wie das Recht auf 16 Wochen Mutterschutz - unterminiere. Das Magazin „Marianne“ überschrieb in der vergangenen Woche eine Geschichte über die Ministerin sogar mit dem Titel „Warum die Frauen Rachida Dati verabscheuen“.
Ihre eilige Rückkehr ins Amt war auch als Ausdruck ihres politischen Überlebenswillens gewertet worden, nachdem es in den vergangenen Wochen immer wieder Spekulationen um ihre mögliche Ablösung gegeben hatte. Die Ministerin hat durch die Ankündigung weit reichender, aber unausgereifter Reformvorhaben einen ruppigen Führungsstil, ungeschickte Kommunikation und eine gleichzeitige Vorliebe für glamouröse Auftritte die Zahl ihrer Gegner in kurzer Zeit multipliziert und einen Großteil der Justizbeamten gegen sich aufgebracht.
Dass Präsident Sarkozy am Tag ihrer Rückkehr ins Amt selbst seine Pläne für eine Reform der Funktion der Untersuchungsrichter im Justizpalast vorstellte, während seine Ministerin mit gequälter Mine in der ersten Reihe der Zuhörer saß, war ein deutliches Indiz, dass Datis Stern im Begriff ist zu sinken. Dennoch wies die Ministerin noch vergangene Woche Spekulationen zurück, sie könne ihr Amt aufgeben um für die UMP bei der Europawahl anzutreten. Davon sei nie die Rede gewesen, der Präsident habe ihr gerade noch versichert, dass sie ihr Amt 2009 weiter ausüben könne, sagte Dati. Inzwischen hat der Präsident offenbar ein weiteres verdeutlichendes Gespräch mit seiner ehemaligen Vorzeigeministerin geführt. In den ersten anderthalb Jahren von Sarkozys Präsidentschaft galt Dati stets auch als integrationspolitische Symbolfigur. Als eines von elf Kindern eines Marokkaners und einer Algerierin schien sie der lebende Beweis zu sein, dass man es in Frankreich auch als Frau mit Migrationshintergrund nach oben schaffen konnte. Rachida Dati ist Frankreichs erste Ministerin magrebhinischer Abstammung. Sarkozy förderte sie lange, scheint aber in jüngerer Zeit selbst Zweifel an ihrer Kompetenz entwickelt zu haben. So wurde jedenfalls gewertet, dass er ihr mit François Guéant, den Sohn des Generalsekretärs des Élysee-Palastes, Claude Guéant, als Berater zur Seite stellte, nachdem ihr Kabinettschef und mehrere Spitzenbeamte die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten.
Dati war auch privat mit Sarkozy, vor allem aber mit seiner früherern Ehefrau Cécilia befreundet. Ihr politischer Abstieg beginnt scheinbar zufälligerweise in etwa zu dem Zeitpunkt, da der Präsident seine heutige Gemahlin Carla Bruni kennenlernte. Von dieser wird kolportiert, dass sie sich die morgendlichen SMS der Ministerin an den Präsidenten verbeten hat und Rachida Dati bei einer Besichtigung des Präsidentenbettes im Élysee-Palast mit der Bemerkung zusetzte, „Darin hättest Du auch gern gelegen, nicht wahr?“
Weiterhin spekuliert wird unterdessen, wer der Vater ihres Kindes ist. Dati hatte im September vergangenen Jahres lediglich verlauten lassen, sie habe „ein kompliziertes Privatleben“ und werden den Namen des Vaters nicht nennen. Gehandelt wurden an der Gerüchtebörse zwischenzeitlich der ehemalige spanische Premierminister José Maria Aznar und der ehemalige Trainer der französischen Rugby-Nationalmannschaft und heutige Staatssekretär für Sport, Bernard Laporte. Beide dementierten. Das jüngste Gerücht betraf den jüngeren Bruder des Präsidenten, den Pharma-Unternhemer Francois Sarkozy. Dieser war beim Verlassen der Klinik de la Muette im 16. Pariser Arrondissement fotografiert worden, kurz nachdem Rachida Dati dort ihre Tochter zur Welt gebracht hatte. Mit ihm und den Eltern Sarkozys soll Dati auch Silvester verbracht haben. Das Foto des Präsidentenbruders vor der Klinik zeigte das Klatsch-Magazin „voici“ kurze Zeit auf seiner Internetseite. Wenig später ließ Francois Sarkozy die Veröffentlichung des Bildes untersagen und das Bild verschwand wieder.










