In Dänemark sind in der Nacht drei Personen festgenommen worden, die geplant haben sollen, den Karikaturisten Kurt Westergaard zu ermorden. Westergaard war einer der Zeichner hinter den Karikaturen, die die so genannte Mohammed-Krise ausgelöst haben.
Im Frühjahr 2006 waren bei Demonstrationen gegen die Veröffentlichungen der Karikaturen nordische Botschaften im Nahen Osten angegriffen worden und mehrere Menschen – nach Schätzungen bis zu über 100 – ums Leben gekommen. Seine Furcht sei in Zorn und Verbitterung umgeschlagen, weil er um sein Leben fürchten müsse, nur weil er seine Arbeit getan habe, sagte Westergaard in einer Stellungnahme. Er hatte bereits in den vergangenen Monaten unter Polizeischutz gestanden und mehrfach umziehen müssen.
Festgenommen wurden ein aus Marokko stammender Däne und zwei Tunesier. Die Tunesier sollen ausgewiesen werden, weil sie eine Bedrohung für das Land darstellten, der Däne werde nach einem Verhör aus Mangel an Beweisen vermutlich wieder freigelassen, teilte der Nachrichtendienst PET mit. Man habe „kein unnötiges Risiko eingehen wollen und sich deshalb entschlossen, in einer sehr frühen Phase einzugreifen um die Planungen und die Durchführung des Mordes abzubrechen“, hieß es bei PET.
Erst Wochen später protestierten die Muslime
Die Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte Westergaards Zeichnung mit elf anderen, die überwiegend den Propheten Mohammed darstellen sollten, am 30. September 2005 publiziert, um ein Zeichen für die Meinungsfreiheit zu setzen, wie es hieß. Zuvor hatte ein Verleger Probleme gehabt, einen Illustrator für ein Buch über Mohammed zu finden. Andere warfen dem Blatt bereits damals vor, man habe nur vorgehabt zu provozieren und die Muslime als rückständig dastehen zu lassen. In den Wochen nach der Veröffentlichung gab es zunächst keine großen Proteste, wenige Monate später aber kam es in muslimischen Ländern zu Boykottaufrufen gegen Dänemark, zu großen Demonstrationen und zum Teil gewaltsamen Protesten, bei denen Menschen ums Leben kamen.
Viele Muslime stoßen sich an Abbildungen des Propheten, manche meinen, diese seien generell verboten. Einige der Karikaturen brachten Mohammed mit im Namen des Islam ausgeführten Terrorakten in Verbindung. Das Bild von Westergaard zeigt einen bärtigen Mann mit einer Bombe als Turban. Seine Zeichnung ist vermutlich die, die international am häufigsten nachgedruckt wurde. In mehreren Ländern wurden Journalisten wegen des Abdrucks verurteilt.
„Westergaard hat eigentlich nicht Mohammed darstellen wollen, sondern einen Mann, der seine terroristischen Handlungen mit dem Islam begründet“, sagte Ervin Nielsen, Direktor des dänischen Medienmuseums, Morgenpost Online. Er hat geplant, noch in diesem Jahr die Zeichnungen in einer Ausstellung zur Meinungsfreiheit zu zeigen. So will er Aufklärung betreiben. Nielsen meint, Zeichner seien nun vorsichtiger geworden. Mancher werde „sicher zweimal nachdenken“, ehe er eine Karikatur zeichne. „Das muss aber nicht unbedingt Selbstzensur sein, denn manchmal geht es nur darum, Missverständnisse zu vermeiden. Schließlich spitzen manche Medien sehr stark zu und dann wird eine Karikatur womöglich falsch verstanden“, sagt Nielsen.
Zeichnungen werden oft ohne Hintergrund gezeigt
Bereits vor rund zwei Jahren hatte Westergaard unter Polizeischutz gestanden. In Europa und erst recht in den weiter entfernten Ländern des Nahen Ostens wurden die Zeichnungen häufig gezeigt, ohne über die Hintergründe zu informieren, die in Dänemark zur Veröffentlichung geführt hatten. Imamen und Führungen der Länder des Nahen Ostens war vorgeworfen worden, die Zeichnungen zu nutzen, um die Bevölkerung gegen den Westen aufzubringen.
Nach Ansicht des dänischen Imams Abdul Wahid Pedersen, der vor einigen Jahren zum Islam konvertiert ist, hätten die nun aufgedeckten Mordpläne nichts mit dem Islam zu tun. Es handle sich um einzelne Personen, die eine kriminelle Handlung haben begehen wollen, so Pedersen. „Das soll nicht mit dem Islam verknüpft werden. Genau so wenig wie eine Bevölkerungsgruppe denunziert werden soll, weil einige Personen mit der gleichen Religion kriminell sind“, sagte er.
„Es ist schockierend und unakzeptabel, dass ein Zeichner Morddrohungen bekommt, weil er sein Recht auf Meinungsfreiheit genutzt hat“, sagte Jørgen Eibøl, Vorsitzender des Verlages JP/Politikens Hus, in dem „Jyllands-Posten“ erscheint, der Internetausgabe der Zeitung. Für JP/Politikens Hus sei Meinungsfreiheit das wertvollste Gut. „Es ist die ganze Essenz unseres Unternehmens und wir werden diese mit allen Mitteln verteidigen.“



