Ein 28-jähriger Mann hatte am Dienstagabend die Türschlösser der Galerie an der Turmstraße 75 verklebt. Gegen 2 Uhr 20 sahen Beamte einer Zivilstreife, dass der Mann sich an der Eingangstür zu schaffen machte, und überprüften ihn. Der Täter deutscher Staatsbürgerschaft wurde zunächst festgenommen, nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens jedoch wieder entlassen. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Bearbeitung übernommen.


Die dänische Satire-Ausstellung der Gruppe "Surrend" war nach Gewaltdrohungen von Muslimen erst am Dienstag wieder eröffnet worden. Zur Wiedereröffnung der Galerie Nord waren unter anderem Innensenator Erhard Körting und der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, gekommen.


Kolat hatte die Freiheit der Kunst verteidigt und die Muslime aufgerufen, mehr Gelassenheit zu zeigen. Der Präsident der türkischen Gemeinde zu Berlin, Bekir Yilmaz, hatte indes gefordert, zwei der gezeigten Bilder zu entfernen: "Ich finde es geschmacklos über Religionen herzuziehen."

Nächtliche Schmierereien an den Schaufenstern waren entfernt worden, ohne Schäden zu hinterlassen. Die Schlösser mussten nach dem neuerlichen Anschlag ausgewechselt werden.

Die Satire- und Karikaturen-Schau dänischer Künstler war vergangene Woche nach Protesten und Drohungen von Muslimen geschlossen worden. Sie nahmen vor allem Anstoß an einem Plakat, das die Kaaba in Mekka darstellt. Das islamische Heiligtum ist darauf mit dem Schriftzug "Dummer Stein" versehen.

Die Polizei will nach den Vorfällen präsent sein, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Das Bezirksamt Mitte finanziert darüber hinaus zwei private Wachleute für die Öffnungszeiten, zudem sollen Mitarbeiter die Ausstellung begleiten. Der Kunstverein beteiligt sich weiterhin nicht an den Sicherheitsmaßnahmen.

saf/hed/dpa