Irak

US-Militärwaffen tragen geheime Bibelverse

| Lesedauer: 4 Minuten
Florian Flade

Foto: Florian Flade

Die Verse sind in die Zielfernrohre eingraviert. Im Irak setzt das US-Militär sie auch beim Training für Sicherheitspersonal ein. Aus Sorge, dass der Gebrauch dieser Waffen in islamischen Ländern zu Protesten führen und gar den Eindruck eines Kreuzzuges vermitteln könnte, sollen die Verse nun entfernt werden.

Schusswaffen mit Bibelversen sorgen für Wirbel im US-Militär. Wie jetzt bekannt wurde, sind Tausende von Schusswaffen mit Zielfernrohren ausgestattet worden, in die Kürzel eingraviert wurden, die für Bibelzitate stehen. Zu sehen sind die geheimen Botschaften nur bei genauer Betrachtung, denn sie befinden sich in sehr kleiner Schrift als Fortsetzung der Serienummer auf den hochmodernen Zielvorrichtungen.

Dort steht etwa „JN8:12“, eine Abkürzung für „Johannes, Kapitel 8, Vers 12“, der da lautet: „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Ein anderes Zielfernrohrmodell trägt die Inschrift „2COR4:6“ stellvertretend für den 2. Korinther-Brief, Kapitel 4, Vers 6: „Denn Gott, der da ließ das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.“

Produziert wurden die optischen Vorrichtungen vom US-Unternehmen Trijicon aus Wixam, Michigan. Im August 2005 hatte die Firma den Zuschlag für einen mehrjährigen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über die Lieferung von 800.000 „Advanced Combat Optical Gunsight (ACOG)“ erhalten.

Zum Einsatz kommen die Trijicon-Zielfernrohre mehrheitlich in muslimischen Ländern. Im Irak setzt das US-Militär sie auch beim Training für einheimische Polizei- und Armeeeinheiten ein. In Afghanistan verwendet die Afghan National Army laut al-Dschasira die Zielfernrohre mit Bibelvers-Gravur im aktiven Einsatz. Das heißt, dass Muslime mit Waffen hantieren, die christliche Symbole tragen.

Nachdem die biblische Botschaft der Waffen bekannt wurde, wächst die Sorge, dass der Gebrauch dieser Waffen in islamischen Ländern zu Protesten führen und den Eindruck vermitteln könnten, die westlichen Streitkräfte führten einen Kreuzzug gegen die Muslime.

Captain Geraldine Carey, eine Sprecherin des U.S. Marine Corps, sagte, man sei „beunruhigt darüber, wie dies aufgefasst werden könnte.“ Deshalb habe man sich mit dem Lieferanten der Zielfernrohre getroffen, um die zukünftige Produktion zu besprechen. Nach dem Treffen erklärte sich die Firma Trijicon bereit, die Bibelverse zu entfernen.

Auf Nachfrage von ABC News, sagte ein Sprecher von Trijicon, der Unternehmensgründer, Glyn Bindon, habe vor 30 Jahren die Tradition eingeführt, Trijicon-Produkte mit Bibelversen zu versehen. Der gebürtiger Südafrikaner, der 2003 mit Alter von 66 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, galt als strenggläubiger Christ.

Die hochmodernen Trijicon-Zielfernrohre im Wert von 660 Millionen US Dollar wurden hauptsächlich an den U.S. Marines Corp geliefert, der damit vor allem Sturmgewehre ausstatte. Laut Hersteller eignen sich die optischen Zielhilfen für „sehr helle, niedrige und keinerlei Lichtverhältnisse“ und gehören zu den am häufigsten eingesetzten Produkten ihrer Art.

Neuseelands Militär, dessen Waffen ebenfalls mit den Trijicon-Optiken ausgestatt sind, kündigte an, die Bibelvers-Abkürzungen entfernen zu lassen. Zudem sei der Hersteller aufgefordert worden, die Gravierung bei zukünftigen Lieferungen zu unterlassen. „Die Inschriften bringen uns in eine schwierige Lage“, sagte der neuseeländische Militärsprecher Major Kristian Dunne. „Wir sind nicht erfreut dass uns der Hersteller nicht darüber informiert hat.“

Auch die australischen Streitkräfte in Afghanistan verwenden die umstrittenen Trijicon-Produkte. Das Militär wird dort demnächst entscheiden, ob sie weiter eingesetzt werden sollen.

Schon öfter stand der religiöse Eifer innerhalb des US-Militärs in muslimischen Krisengebieten in der Kritik. Als US-Marines im Herbst 2004 eine Offensive in der irakischen Rebellenhochburg Falludscha starten, priesen die Befehlshaber das Vorgehen als „Schlacht gegen das Böse“. In Falludscha, so erklärte ein Kommandeur damals, „lebe der Teufel“.

Im vergangen Jahr wurde bekannt, dass amerikanische Militär-Prediger Bibeln in den lokalen Landessprachen an Soldaten verteilten mit dem Auftrag, die Heilige Schrift an Afghanen weiterzugeben.

George W.Bush selbst geriet immer wieder in den Verruf, seine evangelikale Überzeugung mit der Außenpolitik zu vermischen. Seine Aussage vom „Kreuzzug“ gegen den islamistischen Terrorismus löste weltweit große Kritik aus.