Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell. "Sarah Palin spricht erstmals offen über ihre Pläne für 2012 im Falle einer Wahlniederlage nächste Woche", verkündete CNN-Moderator Wolf Blitzer im "Situation Room".
Das Internet füllte sich mit Schlagzeilen a la "Palin im Jahr 2012??" (Forbes), und auch international machte die Meldung die Runde. So schrieb etwa der deutsche Dienst der Nachrichtenagentur Reuters, Palin habe "signalisiert", eine Teilnahme an der US-Wahl 2012 "ins Auge zu fassen".
ABCNews.com
, die Webseite des Nachrichtensenders, auf dessen Interview mit Palin die Meldung beruht, verbreitete Auszüge aus dem Gespräch zunächst unter der Überschrift "Sarah Palin verspricht, im Jahr 2012 noch dabei zu sein: 'Ich mache das hier nicht ohne Grund'." Bald darauf lautete die Überschrift nur noch "Sarah Palin: 'Ich mache das hier nicht ohne Grund'."
Palins Berater Tucker Eskew erklärte nach Informationen der "New York Times", ABC News habe sich für die Aufbereitung der Meldung entschuldigt. Die erste Überschrift, so Eskew, sei "unfassbar irreführend" gewesen. Palin habe sich missverstanden gefühlt.
Was also hat Palin genau gesagt? Und warum die ganze Aufregung?
Von Moderatorin Elizabeth Vargas wurde die Gouverneurin von Alaska während der Aufzeichnung am Mittwoch gefragt: "Wenn es am Dienstag nicht so läuft, wie sie es sich wünschen... 2012?" Schwammiger kann man die Frage, ob Palin 2012 für das Präsidentenamt kandidieren will, kaum stellen. Ihre Antwort: "Ich... ich denke einfach, dass es am Dienstag, dem 4. November, so laufen wird, wie wir es uns wünschen", sagt Palin lachend. Dann wird sie ernst: "Ich glaube fest dass sich die Weisheit der... der Menschen an diesem Tag zeigen wird. Wenn sie in die Wahlkabine gehen, werden sie den enormen Unterschied zwischen den beiden Teams sehen."
Vargas hakte nach: "Es ist doch so, dass Sie von der Doppelmoral, vom Sexismus im Wahlkampf nicht so beschädigt sind, dass Sie sagen 'Mir reicht's. Ich gehe zurück nach Alaska'". "Auf keinen Fall", fiel ihr Palin ins Wort. "Ich finde, wenn ich jetzt aufgeben und die weiße Fahne schwenken würde, wenn ich jetzt angesichts der politischen Angriffe gegen uns aufgeben würde, das wäre... das würde... Ich mache das hier doch nicht ohne Grund, nein, wir werden voranschreiten, wir werden weitermachen. Und deshalb ist es das alles wert, und ich beschwere mich nicht."
Warum also die ganze Aufregung – schließlich hat Palin nicht gesagt, "2012 will ich ins Weiße Haus", oder Ähnliches. Doch gemeint hat sie das nach Ansicht vieler Beobachter – und der Zeitungsmacher – durchaus.
Nur kann sie das jetzt noch nicht offen sagen, denn schließlich geht es derzeit um die Wahl am 4. November, und es geht darum John McCain zum Präsidenten zu machen. Jegliche Aussage Palins über ihre Ambitionen könnte als Affront gegen McCain aufgefasst werden und als Signal, dass sie selbst nicht mehr an einen Wahlsieg am Dienstag glaubt und sich daher mental schon auf die nächste Runde vorbereitet. Ein solcher Eindruck wiederum könnte potenzielle Wähler verschrecken. Das erklärt, warum Tucker Eskew so harsche Worte für ABC News fand.
Was Palin wirklich auf der nationalen politischen Bühne der USA in den nächsten vier Jahren machen wird, falls die Wahl am Dienstag nicht zu ihren Gunsten ausgeht, bleibt abzuwarten. Doch dass Palin, die bei ihren Auftritten in der Regel deutlich mehr Zuschauer hat als McCain, einfach von der nationalen Bildfläche wieder verschwindet, ist unwahrscheinlich. Dafür genießt sie die Aufmerksamkeit und die Unterstützung ihrer Anhänger viel zu sehr.
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