Kommentar

Wie Integration an Problemschulen gelingen kann

Migranten haben es schwer. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern erst recht an der Schule. Dort äußert sich ihr Frust in Gewalt und Bildungsverdrossenheit. Wie die Arbeit mit Schülern aus Einwandererfamilien gelingen kann, erklärt der Schulleiter der Albert-Schweitzer-Oberschule im Berliner Problembezirk Neukölln.

Foto: ZB / dpa

"Der ganze Lebenslauf entscheidet sich in den ersten zehn Jahren", sagt der Soziologe Hartmut Häußermann. Doch welche Möglichkeiten bleiben dann Schulen, Bildung zu vermitteln und junge Menschen auf Studium und Beruf vorzubereiten?


Welche Chance haben Jugendliche, wenn sie keine gebildeten Eltern haben, die ihnen in den ersten zehn Lebensjahren Zuwendung und Unterstützung geboten haben?


Integration durch Bildung ist möglich. Die Chance besteht, wenn Schulen die Problembezirke, zu denen sie gehören, zu Zentren der Integration machen. Dafür müssen sie so ausgestattet sein, dass sie ihre Konzepte wirkungsvoll umsetzen können.

So kann es gelingen:

Die Schulen in den sozialen Brennpunkten entwickeln ein pädagogisches Profil zur kulturellen Bildung aller Schüler und schließen Patenschaften mit außerschulischen Partnern.


Das können Universitäten, Fachhochschulen, Museen oder Theater sein. Wissenschaftliche und kulturelle Bildung sind Voraussetzung für Integration. Nur so entwickeln sich die Bereitschaft und die Fähigkeit in der Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen.


Der Schultag ist der Arbeitstag der Schüler, das heißt, alle mit der schulischen Arbeit verbundenen Tätigkeiten werden in der Schule oder an außerschulischen Lernorten erledigt. Die Schulen sind Ganztagseinrichtungen.


Individuelle Förderung der Schüler durch die Fachlehrkräfte ist gewährleistet und verpflichtend. Die Schwerpunkte liegen auf Leseverstehen und Textverständnis. Sprachaktivierender Unterricht in allen Fächern fördert die Sprech- und Sprachkompetenz.


Die Schulen haben Honorarkräfte für die Freizeitgestaltung. Sozialpädagogen und interkulturelle Moderatoren mit Migrationshintergrund beraten Schüler, Eltern und Lehrer.


In der Schule wird ein gesundes Mittagessen angeboten, wenn möglich auch ein hochwertiges Frühstück. Damit ist der Lernerfolg weitgehend unabhängig von der häuslichen Unterstützung durch die Eltern – es entsteht Chancengleichheit.


Eine Grundvoraussetzung für die Schule als Integrationszentrum ist die Infrastruktur der Schule. Bauliche und räumliche Veränderungen schaffen das entsprechende Ambiente und fördern die Lernmotivation der Schüler.


Die Schulen brauchen ausreichend personelle Ressourcen. Ohne das kann Integration durch Bildung nicht gelingen. Es bleibt eine Phrase.