Putschisten im westafrikanischen Staat Guinea haben eine Präsidentenwahl innerhalb von zwei Jahren angekündigt. Noch am Dienstag hatte der Sprecher der Putschisten, Hauptmann Moussa Camara, von einer Wahl innerhalb von 60 Tagen gesprochen. Bis Ende 2010 werde es eine „glaubwürdige und transparente“ Wahl geben, sagte er. Camara warf der bedrängten Regierung vor, ausländische Söldner ins Land bringen zu wollen. Aus welchem Land diese Söldner kommen sollen, sagte er nicht.
Camara hatte nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conté am Dienstag im Namen einer Gruppe von Offizieren erklärt, die Verfassung, Gerichte und das Parlament seien abgesetzt worden. Ferner gab Camara die Bildung einer 32-köpfigen Übergangsregierung bekannt. 26 ihrer Mitglieder seien Militärs, die anderen sechs Zivilpersonen. Die Putschisten entsandten Panzer nach Conakry und übernahmen die Kontrolle über die staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender. Am Mittwoch wurde dort Militärmusik ausgestrahlt.
Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare erklärte dagegen, die Regierung bemühe sich, die Ordnung wieder herzustellen. Der Vorwurf, die Regierung wolle Söldner ins Land bringen, sei falsch, sagte Souare der Nachrichtenagentur AP telefonisch. „Wir haben noch nicht einmal unsere eigenen Streitkräfte gebeten, einzugreifen.“ Wer tatsächlich die Kontrolle über das Land hatte, war damit unklar.
Die Afrikanische Union bezeichnete die Machtübernahme am Dienstag als eklatanten Verstoß gegen die Verfassung Guineas. Nach dem Tod Contés hätte der Präsident der Nationalversammlung übergangsweise die Staatsführung übernehmen müssen, erklärte die AU am Dienstag.
Trotz reicher Bodenschätze gehört Guinea zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Conté, der 24 Jahre an der Macht war, beutete das Land zusammen mit seinen Günstlingen systematisch aus; Misswirtschaft und Korruption sind verbreitet. Der Großteil der rund zehn Millionen Einwohner profitiert nicht vom immensen Reichtum an Bodenschätzen. Guinea ist beispielsweise das größte Förderland von Bauxit, einem wichtigen Bestandteil der Aluminium-Herstellung. Das Land steht für die Hälfte der weltweiten Bauxit-Förderung.
AP/ab


