Nach dem Tod des Präsidenten von Guinea, Lansana Conté, hat das Militär einen Putsch verübt. Die Regierung sowie andere Institutionen der Republik seien aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt, verkündete ein Armeekommandeur am Dienstag im staatlichen Rundfunk.

Conté hatte sich als Oberst 1984 kurz nach dem Tod des ersten Präsidenten des unabhängigen Guinea, Ahmed Sékou Touré, an die Staatsspitze geputscht.

Parlamentspräsident Aboubacar Somparé hatte in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt, Conté sei im Alter von 74 einer schweren Krankheit erlegen. Bereits seit Jahren litt der Staatschef an Diabetes und Leukämie und musste häufig zur Behandlung ins Ausland. Laut Verfassung sollte der Parlamentspräsident zunächst die Amtsgeschäfte übernehmen und binnen 60 Tagen Präsidentschaftswahlen organisieren.

"Die Institutionen der Republik sind aufgelöst“, sagte der Sprecher der Offiziere, die sich als Nationaler Rat für Demokratie bezeichneten. „Von diesem Moment an übernimmt der Rat die Verantwortung für das Schicksal des Volkes von Guinea.“ Der Sprecher kündigte eine baldige Präsidentenwahl an, nannte aber keine Einzelheiten.

Sechs Stunden zuvor war Sompare gemeinsam mit dem Armeechef aufgetreten. So sollte offenbar der Eindruck entstehen, die Streitkräfte unterstützten eine Machtübergabe entsprechend der Verfassung. Der Parlamentspräsident forderte den Obersten Gerichtshof auf, die Verfassung zu befolgen und ihn zum Präsidenten zu ernennen.

Trotz reicher Bodenschätze gehört Guinea zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Conte und seine Vertrauten beuteten das Land systematisch aus; Misswirtschaft und Korruption sind verbreitet. Der Großteil der rund neun Millionen Einwohner profitiert nicht vom immensen Reichtum an Bodenschätzen. Guinea ist beispielsweise das größte Förderland von Bauxit, einem wichtigen Bestandteil der Aluminium-Herstellung. Das westafrikanische Land steht für die Hälfte der weltweiten Bauxit-Förderung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren indes gehört zu den niedrigsten der Welt. Dem Entwicklungs- und Armutsindex HDI der Vereinten Nationen zufolge belegt Guinea 2008 bei insgesamt 179 Staaten den 167. Platz.

AFP/ks