Der Bischof der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, will seine Leugnung des Holocaust vorerst nicht widerrufen. Er wolle zunächst die historischen Beweise prüfen, sagte Williamson dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“: „Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen.“ Er erklärte zugleich, er wolle „unter keinen Umständen die Kirche und die Bruderschaft“ weiter beschädigen.
Papst Benedikt XVI. hatte die Exkommunikation des Traditionalistenbischofs aufgehoben, obwohl dieser kurz zuvor in einem Fernseh-Interview den Holocaust geleugnet hatte. In der vergangenen Woche hatte der Vatikan Williamson zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert.
Im „Spiegel“-Interview bekräftigte Williamson seine Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Konzilstexte seien zweideutig: „Das führt zu diesem theologischen Chaos, das wir heute haben.“
Zudem äußerte sich der Traditionalistenbischof kritisch zu den universellen Menschenrechten: „Wo die Menschenrechte als eine objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer zu einer antichristlichen Politik.“
Der Regensburger Bischof Manfred Müller forderte scharfe Sanktionen der katholischen Kirche gegen Williamson. Er müsse "freiwillig oder zwangsweise aus dem Klerikerstand“ ausscheiden, heißt es in einer Erklärung Müllers, die in den Gottesdiensten der ostbayerischen Diözese verlesen werden soll.
Auch für die drei anderen Bischöfe der umstrittenen Bruderschaft forderte Müller Konsequenzen. Die „illegal geweihten Bischöfe“ sollten auf die Ausübung ihrer bischöflichen Weihevollmachten verzichten. „Meiner Überzeugung nach können sie allenfalls als einfache Priester eingesetzt werden“, heißt es auf der Internetseite des Bistums.
Müller, der Williamson bereits ein Hausverbot in seinen Kirchen und kirchlichen Gebäuden erteilt hatte, nannte Williamsons Aussagen über den Holocaust eine „unglaublich herzlose und zynische Rede über das entsetzlichste Menschheitsverbrechen“.
Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, machte unterdessen Kommunikationspannen im Vatikan für die Williamson-Affäre verantwortlich. Was geschehen sei, sei für ihn eigentlich unvorstellbar, sagte Fürst dem SWR. An der Kommunikationsstruktur scheine vieles nicht zu stimmen. Es müsse einiges geändert werden, „damit solche Dinge nicht wieder passieren“.
„Hier handelt es sich nicht nur um ein Kommunikationsproblem“, sagte hingegen der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, der "Passauer Neuen Presse". „Es gibt auch ein Organisationsproblem. Entscheidungen dürfen nicht an den Zuständigen im Vatikan vorbei getroffen werden. Es muss besser informiert und gemeinsam entschieden werden. Aber im Vatikan wird sich bei der Kommunikation nur sehr langsam und sehr wenig ändern.“
Nach Angaben des Vatikanexperten hat die katholische Kirche schon jetzt einen heftigen Schaden durch den Streit genommen. „Die Austrittswelle hat bereits eingesetzt“, sagte von Gemmingen. Austreten könne man allerdings nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „In anderen Ländern ist dies gar nicht möglich, weil die Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann“, sagte von Gemmingen.
Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und den deutschen Katholiken ist nach von Gemmingens Einschätzung „ein wenig lädiert“. Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne diese Situation möglicherweise verbessern. „Es schmerzt, wenn man sieht, dass viele Menschen Rom und den Papst nicht mehr verstehen“, sagte der Vatikanexperte.
Ein Vertreter des Weltkirchenrates erklärte, die Debatte um Williamson habe dem Dialog zwischen den Religionen nicht ernsthaft geschadet. Der Vatikan habe klargestellt, dass ihm das Verhältnis zu den Juden sehr wichtig sei, sagte Shanta Premawardhana, Direktor für interreligiösen Dialog beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), in Genf. Er räumte jedoch ein, dass es in den Beziehungen zwischen den Glaubensgemeinschaften bereits bessere Zeiten gegen habe.
EPD/AFP/dpa/ks





