Zur Härte ist sie durchaus fähig, zur Not lässt sie dann alle diplomatische Zurückhaltung fallen: Angela Merkel, Bundeskanzlerin Deutschlands, hat in ungewöhnlich scharfen Worten Benedikt XVI., das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, zu einer Klarstellung in der Causa Williamson aufgefordert.

Eine ähnliche Entschiedenheit lässt die CDU-Vorsitzende indes in den inneren Querelen der Union vermissen.Das ist ihr oft als Schläue ausgelegt worden. Statt sich zu früh festzulegen, beobachtet – heißt es – die Strategin den Lauf der Bälle, die im Spiel sind.


Erst im letzten Moment greife sie ein und halte sich so unnötige Streitereien vom Hals. Doch das hat auch eine Negativseite. Der Unwille der Kanzlerin, ihrer Partei ein klares Profil zu geben, hat dazu geführt, dass nicht mehr so recht klar ist, wofür die CDU, wofür die Union steht. Das kann – wie jetzt beim Umweltgesetzbuch geschehen – zur Blockade führen. Es beschädigt nicht nur die große Koalition, sondern auch die Union.

Das ist für diese viel gefährlicher, als es auf den ersten Blick aussieht. Acht Monate vor der Bundestagswahl liegt die Union in Umfragen zwar immer noch deutlich vor der SPD, aber nur ganz wenig über dem – enttäuschenden – Ergebnis der Bundestagswahl 2005.

Ihre Erfolge sind im Augenblick die Erfolge der Oppositionspartei FDP. Und je näher die Wahl rückt, desto stärker drängt sich eine Frage auf, die vielleicht nicht so wichtig war, solange Angela Merkel von den außenpolitischen Früchten leben konnte, die sie in aller Welt einsammelte: die Frage, was eigentlich der unverwechselbare Kern dessen ist, wofür die CDU steht. Weil das nicht klar ist, kann der Neupotentat Horst Seehofer der Kanzlerin nach Lust und Laune auf der Nase herumtanzen.

Es rumort in der CDU. Und es sieht ganz so aus, als käme die Kanzlerin nicht umhin, sich dieser inneren Unruhe anzunehmen, hinter der eine nicht unbeträchtliche Orientierungslosigkeit steht. Man kann eine Volkspartei wie die CDU nicht nebenher wie eine Zweitfirma führen.