Tarek Al-Wazir war angetreten, zum Auftakt des Superwahljahres ein „gutes Ergebnis“ für die Grünen einzufahren. Es ist ein „grandioser Wahlsieg“ geworden, wie Grünen-Chef Cem Özdmir feststellte. Die Grünen haben ihren Stimmenanteil fast verdoppelt. Sie kamen auf fast 14 Prozent und sind damit in Hessen so stark wie nie zuvor. Es ist das beste Ergebnis, dass die Grünen in einem Flächenland jemals erreicht haben. Al-Wazir sieht in dem sehr guten Abschneiden seiner Partei eine Belohnungder Wähler dafür, „dass wir die Inhalte in den Mittelpunkt gestellt haben“.
Vor einem Jahr noch hatten die Grünen bei 7,5 Prozent gelegen. Das hatte nur für einen mageren vierten Platz hinter CDU, SPD und FDP gereicht. Dass Tarek Al-Wazir dann angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse im bisherigen Wiesbadener Landtag bereit gewesen wäre, sich in einer rot-grünen Koalition von der Linkspartei tolerieren zu lassen, schien im Wahlkampf fast vergessen zu sein. Der Wortbruch der SPD wiegt auf Dauer offenbar schwerer als der kurze Flirt der Grünen mit der ungeliebten Linken. Im Vorfeld der Neuwahlen hatte es Al-Wazir verstanden, sich wieder nach allen Seiten offen zu geben. Nur eines hatte er unmissverständlich klargestellt: „Wir Grünen werden Roland Koch nicht zum Ministerpräsidenten wählen.“ In diese Verlegenheit kommen die Grünen ja nun auch nicht.
Al-Wazir, Sohn eines jemenitischen Diplomaten und einer deutschen Lehrerin, wurde 1971 in Offenbach am Main geboren. Er studierte Politikwissenschaften und ist seit 20 Jahren bei den Grünen aktiv. Als Joschka Fischer noch grüner Umweltminister in Hessen war, führte Al-Wazir den Landesverband der Grünen Jugend an. Später gehörte er der Stadtverordnetenversammlung von Offenbach an. Im April 1995 zog er in den Hessischen Landtag ein. Im Mai 2000 wurde er Fraktionsvorsitzender. Längst hat sich Al-Wazir über die Landesgrenzen hinaus profiliert. 2008 war er als Nachfolger von reinhard Bütikoferfür den Bundesvorsitz seienr Partei m Gespräch.
Gut gelaunt hatte Al-Wazir am Sonntagmorgen seine Stimme abgegeben. Opposition sei nötig, aber Regieren sei schöner, hatte Al-Wazir erst kürzlich erklärt. Trotz des guten Wahlergebnisses wird er nun wieder auf der Oppositionsbank Platz nehmen müssen. „Wir haben aber ein Signal gesetzt, dass es mit den Grünen aufwärts geht“, sagt Al-Wazir am Wahlabend. Die Grünen wollten dazu beitragen, dass es im hessischen Landtag wieder entspannter zugehen. „Die Menschen wollen nicht nur Fragen hören, sondern auch Antworten.“
Al-Wazir hatte sich im Wahlkampf bemüht, die Grünen als eigenständige Partei zu profilieren. Er hatte für eine neue politische Kultur in Hessen geworben und auf die Themen Energiewende, Bildungspolitik und soziale Gerechtigkeit gesetzt. Das sind die Themen, mit denen auch das grüne Spitzenkandidatenduo Renate Künast und Jürgen Trittin in den Bundestagswahlkampf ziehen will. Das gute Abschneiden der Grünen in Hessen sei ein sehr guter Auftakt für das Wahljahr 2009, sagte Trittin. „Grün hat als einzige Kraft jenseits von Schwarz-gelb an Vertrauen hinzugewonnen.“
Die konjunkturelle Krise könnte den Grünen dabei noch zusätzlichen Aufwind geben. In ihrer „Frankfurter Erklärung“ haben die Grünen ihre Strategie für den Aufschwung formuliert: mehr Investitionen in Klimaschutz, mehr Lehrer, mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger. Ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund schließen die Grünen aus, eine Koalition mit der CDU ist denkbar, eine rot-gelb-grüne Ampel der Wunsch.
„Die Landtagswahl in Hessen war schon eine kleine Bundestagswahl“, sagt Robert Habeck, Grünen-Chef in Schleswig-Holstein. Das Spitzenergebnis in Hessen werde die Grünen für den Bundestagswahlkampf motivieren, es werfe aber auch viel Fragen auf.
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