Proteste

Solidaritätsrandale für Griechenland nimmt zu

Griechenland weiter im Ausnahmezustand: Der von den Gewerkschaften ausgerufene Generalstreik hat das Land weitgehend lahm gelegt, es droht ein Stillstand der Wirtschaft. Auch in der fünften Nacht nach dem Tod des Schülers Alexis Grigoropoulos flogen Steine – nicht nur in Griechenland.

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Nach tagelangen Ausschreitungen wegen des Tods eines Jugendlichen durch eine Polizeikugel hat sich die politische Krise in Griechenland durch einen landesweiten Generalstreik verschärft. In Athen und Thessaloniki gingen am Mittwoch tausende Menschen auf die Straßen, in beiden Städten gab es neue Unruhen. Aus Justizkreisen hieß es, der am Samstag getötete 15-Jährige sei offenbar von einem Querschläger tödlich getroffen.

In mehreren europäischen Städten haben Menschen aus Solidarität mit den Protesten in Griechenland demonstriert. In Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen wurden mindestens 32 Demonstranten bei gewaltsamen Ausschreitungen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Sie stellte sich auf weitere Auseinandersetzungen und Festnahmen in der Nacht ein. Den Ordnungskräften zufolge hatten sich rund 150 Vertreter der Kopenhagener Untergrund-Szene zusammengetan und Flaschen sowie Farbbeutel geworfen.

In Spanien kam es in Madrid und Barcelona zu Unruhen. In Madrid gingen rund 200 junge Menschen auf die Straßen und griffen eine Polizeistelle in der Innenstadt an. Mehrere Polizisten wurden verletzt, fünf Demonstranten festgenommen. In Barcelona gingen 400 zumeist Jugendliche auf die Straßen und protestierten gegen den Tod des 15-Jährigen Griechen, der die Proteste in Griechenland ausgelöst hatte. Sie setzten Mülleimer in Brand und beschädigten Bankautomaten. Auch in Italien wurden in Rom und Bologna Polizisten bei Zusammenstößen mit Demonstranten verletzt.

Im Anschluss an Gewerkschaftsproteste in Athen und Thessaloniki gab es erneut Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Auf dem Syntagma-Platz in Athen setzte die Polizei Tränengas gegen Randalierer ein, die zuvor Steine auf Polizisten geworfen hatten. Mindestens vier Menschen wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt. In der nordgriechischen Metropole Thessaloniki gab es im Universitätsviertel Ausschreitungen.

Die Gewerkschaften wiesen einen Aufruf von Ministerpräsident Kostas Karamanlis zurück, angesichts der angespannten Situation auf ihre Proteste gegen den Sparkurs der Regierung zu verzichten. Durch den 24-stündigen Generalstreik gegen die Sparpolitik der konservativen Regierung drohte ein Stillstand des Auto-, Flug- und Schiffsverkehrs in Griechenland. Die Gewerkschaften meldeten eine „massive Teilnahme“ an den Arbeitsniederlegungen.

Auslöser für die seit Tagen wütenden Unruhen ist der Tod eines 15-Jährigen am Samstagabend durch den Schuss eines Polizisten. Griechenland erlebt seitdem die heftigsten Unruhen seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1974. Regierungssprecher Evangelos Antonaros dementierte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ Berichte, wonach die Regierung in Athen den Notstand ausrufen wolle.

Nach Angaben aus Justizkreisen wurde der Jugendliche möglicherweise von einem Querschläger tödlich getroffen. Die Autopsie der Leiche habe ergeben, dass die tödliche Kugel „ein bisschen verformt“ sei. Das weise darauf hin, dass sie „auf einen harten Untergrund prallte“, bevor sie in die Brust des Opfers schlug.

Zwei Polizisten sitzen wegen des Vorfalls in Untersuchungshaft und wurden am Mittwoch einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der Anwalt der Beamten wurde beim Verlassen des Gerichts von einer Gruppe Randalierer mit zwei Molotow-Cocktails beworfen, blieb jedoch unverletzt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte in London eine unabhängige Untersuchung des Falls. Die Polizei habe widersprüchliche Angaben zum Tod des Jugendlichen gemacht.

Regierungschef Karamanlis kündigte Entschädigungen für die bei den Unruhen beschädigten oder geplünderten Geschäfte an. Offiziellen Angaben zufolge entstanden bei den tagelangen Unruhen Schäden in Höhe von rund 50 Millionen Euro.