Seit 18 Jahren steht Robert Mugabe in dem Verdacht, die Wahlen in Simbabwe zu fälschen. Nun gibt es den Beweis dafür. „Es gibt keine freien Wahlen in Simbabwe“. Mit diesen Worten beginnt ein zehnminütiger Film, der auf der Homepage der britischen Zeitung „Guardian“ zu sehen ist. Ein Wärter des Gefängnisses in Harare hat mit versteckter Kamera gefilmt, wie er und seine Mitarbeiter dazu gezwungen wurden, bei der Präsidentschaftswahl für Robert Mugabe zu stimmen.
In dem Film ist zu sehen, wie das Ergebnis der Stimmabgabe einzelner Wähler nebst Passnummer von einem Unterstützer Mugabes notiert wird.
Kurz vor der Stichwahl hatte Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai wegen der Gewalt gegen die Anhänger seiner Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) die Kandidatur zurückgezogen. Sein Name war aber auf den Stimmzetteln geblieben.
Der Autor des Films, der 36-jährige Gefängnis-Mitarbeiter Shepherd Yuda, gibt unter Aufsicht Mugabe seine Stimme. „Das war der schrecklichste Moment meines Lebens“, sagt er später. Yuda ist mittlerweile mit seiner schwangeren Frau und seinen Kindern aus Simbabwe geflohen, sein Aufenthaltsort wird geheim gehalten.
Der „Guardian“ habe ihm eine Kamera geschickt. Auslöser für seine Entscheidung, den Film zu drehen, sei der Mord an seinem Onkel gewesen, für den er die Regierungspartei verantwortlich macht. Yudas Onkel galt als Unterstützer der oppositionellen MDC.
Einer der Gefängnis-Mitarbeiter, im Film unkenntlich gemacht, erzählt, dass er Tsvangirai gewählt habe. Daraufhin hätten Mitglieder der regierenden Zanu PF-Partei sein Haus aufgesucht, seine Frau verhaftet und mitgenommen. Bisher sei sie nicht wieder aufgetaucht.
„Ich habe noch nie in meinem Leben solche Gewalt gesehen wie vor dieser Wahl“, sagt Yuda. „Wie kann eine Regierung für sich beanspruchen, demokratisch gewählt zu sein, wenn sie Menschen tötet und foltert?“ Laut Opposition wurden vor der Wahl 103 Menschen getötet, 10.000 verletzt und 5000 Menschen verschleppt.
Im Film sind mehrere Oppositionelle zu sehen, die im Gefängnis von Harare mit Mördern und Vergewaltigern die Zellen teilen. Unter anderen Jenny Williams, die Chefin von Simbabwes größter Frauenorganisation, die verhaftet wurde, weil sie einen Protestmarsch gegen Mugabe organisierte. Anhänger reichen ihr Orangen durch den Gefängniszaun. Des Weiteren wird Tendai Biti, Generalsekretär der oppositionellen MDC gezeigt, der Eisenketten an den Füssen trägt. Er lächelt in die Kamera. Biti ist wegen Landesverrats angeklagt, darauf steht in Simbabwe die Todesstrafe. Von hinten wird eine Frau gefilmt, die sich ihren Finger mit Filzstift anmalt, um eine Teilnahme an der Wahl vorzutäuschen. Sie wird zitiert mit den Worten: „Jeder weiß, wenn Mugabe verliert, werden alle, die ihn nicht gewählt haben, ermordet.“
Am Ende des Films sagt Yuda, es sei nun in den Händen der Internationalen Gemeinschaft, was geschehe. „Sie haben gesehen, was hier passiert.“
Simbabwes Präsident Mugabe, 84, war nach der von vielen Staaten und Organisationen als illegitim eingestuften Wahl am 29. Juni für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt worden. In der kommenden Woche soll der Weltsicherheitsrat über einen Resolutionsentwurf der USA entscheiden, der neben einem Waffenembargo gegen Simbabwe unter anderem auch das Einfrieren von Mugabes persönlichem Vermögen und ein striktes Reiseverbot vorsieht.



