Nach den schweren Zusammenstößen in Griechenland hat sich die Lage in der Hauptstadt Athen und in anderen Städten am Montagmorgen beruhigt. Wie das griechische Fernsehen berichtete, haben sich fast alle Angehörigen autonomer Gruppen aus den Straßen zurückgezogen und auch das Polytechnikum in Athen verlassen, wo sie sich während der Nacht verbarrikadiert hatten. Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel waren am Samstagabend Unruhen ausgebrochen. Bei Straßenkämpfen wurden seitdem 40 Menschen verletzt.
Straßenzüge in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki boten Bilder wie in einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Hauptstadt waren am Montag dabei, ausgebrannte Autowracks aus den Straßen zu entfernen. Die Krawalle hinterließen zudem zerstörte Bankfilialen, Geschäftshäuser und Regierungsgebäude. Auch Privatwohnungen waren demoliert worden. Brennende Barrikaden und massiver Tränengaseinsatz der Sicherheitskräfte legten weite Teile der Innenstadt Athens unter eine dichte Rauchdecke. Hunderte Einwohner litten unter Atembeschwerden
In Berlin besetzten Demonstranten am Morgen aus Wut über den Tod des 15-Jährigen das griechische Konsulat. Etwa 15 Personen seien in den Empfangsbereich des Gebäudes am Wittenbergplatz eingedrungen, sagte der Sprecher der griechischen Botschaft, Pntelis Pantelouris, der Nachrichtenagentur dpa. Eine der Besetzerinnen sagte der Nachrichtenagentur, mit der Aktion werde gegen den griechischen Staat protestiert, der verantwortlich für den Tod des Jugendlichen sei. Laut Polizei laufen Gespräche mit den Besetzern in dem Konsulat.
Der Schüler war am Samstagabend in der griechischen Hauptstadt erschossen worden. Der 37 Jahre alte Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor, seinem Kollegen im Streifenwagen Beihilfe zum Totschlag. Die Beamten wurden in Untersuchungshaft genommen.
Nach Darstellung von Augenzeugen soll es nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Streifenwagens gekommen sein. Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. „Es war kaltblütiger Mord“, meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.
Innenminister Prokopis Pavlopoulos wies vorschnelle Schuldzuweisungen zurück und erklärte: „Wir warten auf die gerichtsmedizinischen Ergebnisse.“ Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ein Rücktrittsangebot des Innenministers lehnte er ab.
Mehrere tausend Autonome und andere Linksgerichtete sowie Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen demonstrierten am Sonntag gegen den tragischen Zwischenfall. „Mörder, Mörder“ skandierten die Demonstranten, als sie sich der Polizeidirektion von Athen an der Alexandras Chaussee näherten, wie das Fernsehen berichtete. Griechische Autonome greifen seit Jahren immer wieder Polizisten an und verüben Brandanschläge auf Banken und Autos im Zentrum Athens.
Zu Zusammenstößen nach dem tödlichen Schuss kam es auch in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki. Auch in Komotini und Ioannina im Norden des Landes gab es Ausschreitungen, ebenso auf der Mittelmeerinsel Kreta und in der Hafenstadt Patras.
.
AP/dpa/ks/cn





