Unter dem Druck zehntausender Demonstranten hat das thailändische Parlament eine geplante Sitzung auf unbestimmte Zeit verschoben. Der stellvertretende Parlamentspräsident Samart Kaewmeechai teilte mit, die Sitzung sei verschoben worden, weil die Abgeordneten nicht in das Gebäude kommen könnten.
Mehrere tausend Polizisten und Soldaten waren in Bereitschaft. Sie griffen aber zunächst nicht ein. Andere Gruppen von Demonstranten zogen zur Polizeizentrale, vor das Finanzministerium und zur Parteizentrale der Regierungspartei Chart Thai.
Die zum Teil mit Stöcken bewaffneten Anhänger der Volksallianz für Demokratie (PDA) waren bei Sonnenaufgang zum Parlament gezogen und hatten es eingekreist. Sie fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Somchai Wongsawat.
Sondhi Limthongkul, einer der Führer des Oppositionsbündnisses PAD, bezeichnete die Proteste als „Entscheidungsschlacht“. Bis zum Vormittag hatten sich rund 20.000 Demonstranten am Parlamentsgebäude eingefunden.
Die PAD hat angekündigt, mit den Protesten die Regierung bis Mittwoch zu Fall bringen zu wollen. Sie wirft dem Regierungschef vor, nur eine Marionette seines Schwagers, des vor zwei Jahren vom Militär gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra zu sein. Mit der Belagerung des Abgeordnetenhauses will die PAD nach eigenen Angaben auch eine mögliche Änderung der Verfassung verhindern, mit der eine Rückkehr Thaksins an die Macht ermöglicht werden könnte Thaksin war im Oktober wegen Korruption in Abwesenheit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er lebt im Exil in London.
Seit dem 26. August halten PAD-Anhänger bereits den Regierungssitz in Bangkok besetzt. Das Kabinett ist seither gezwungen, provisorische Büros im alten Flughafen der Stadt für die Regierungsgeschäfte zu nutzen. In den vergangenen Tagen waren zwei Anschläge auf die Demonstranten am Regierungsgebäude verübt worden. Unbekannte schossen Granaten auf die PAD-Anhänger. Ein Mensch wurde getötet, Dutzende verletzt.
Am Sonntag hatten mehr als 50.000 Menschen in Bangkok an verschiedenen Kundgebungen für und gegen die Regierung teilgenommen.



