Zugleich machte Obama seinem ersten längeren TV-Interview seit seinem Wahlsieg vor zwei Wochen deutlich, dass er als Präsident auf die Unterstützung und den Rat von Ex-First-Lady Hillary Clinton nicht verzichten wolle. Zu den Spekulationen, dass Clinton seine Außenministerin werden könnte, wollte er sich allerdings nicht äußern. Sein erstes Zeil sei es, das Team für die nationale Sicherheit auszuwählen. Die Zeit der Machtübergabe sei stets eine Phase, in der die Gefahr terroristischer Anschläge steige.

Wie die „New York Times“ am Montag berichtete, hielten es viele Demokraten im Clinton- und im Obama-Lager für „wahrscheinlich“, dass die Senatorin aus New York ein Angebot zur Übernahme des Außenamts erhalte. Obama-Berater hätten bereits begonnen, finanzielle und politische Aktivitäten von Ex-Präsident Bill Clinton zu untersuchen. Es werde geprüft, ob die Kontakte Clintons etwa zu Regierungen, aber auch zu Pharmakonzernen „eine Ernennung seiner Ehefrau gefährden könnten“. Im demokratischen Vorwahlkampf war es zu schweren Spannungen vor allem zwischen Bill Clinton und Obama gekommen.

Am Montag stand zudem ein Treffen zwischen Obama und dem unterlegenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, Senator John McCain, an. Dabei dürfte es vor allem um eine künftige Zusammenarbeit Obamas auch mit Republikanern im Kongress gehen, hieß es. Obama hatte immer wieder erklärt, er wolle als Präsident die parteipolitischen Grabenkämpfe Washingtons überwinden und Zusammenarbeit mit allen Parteien suchen.

Die Spannung um die Besetzung des Spitzenjobs im State Departement hält bereits seit Freitag an, nachdem bekannt wurde, dass Obama mit Clinton ein Gespräch führte. Allerdings sind auch der Gouverneur des Bundesstaates New Mexico, Bill Richardson, sowie der frühere Präsidentschaftskandidat John Kerry im Gespräch. Bereits vor Monaten hatte es Spekulationen gegeben, dass Hillary Clinton Vizepräsidentin werden könnte; Obama hatte sich dann aber für Joe Biden entschieden. Die Frage, ob es auch republikanische Minister geben werde, bejahte Obama in dem Interview lediglich. Er sagte aber nicht, wie viele Ressorts er an Republikaner vergeben wolle.

In dem Interview mit dem TV-Sender CBS machte Obama zugleich klar, dass er angesichts der massiven Wirtschaftsprobleme in den USA das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushaltes hintanstelle. Stattdessen komme es jetzt darauf an, die lahmende Konjunktur ankurbeln.

„Es ist einhellige Meinung, dass wir alles tun müssen, was möglich ist, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, dass wir jetzt Geld ausgeben müssen, um die Wirtschaft zu stimulieren.“ Angesichts dessen sollte man sich nicht wegen des Haushaltsdefizits im nächsten Jahr oder im Jahr 2010 sorgen, meinte Obama, der am 20. Januar offiziell ins Weiße Haus einziehen wird.

Obama kündigte auch ein „klares Programm“ für bedrängte Hausbesitzer an, um die Welle von Zwangsvollstreckungen einzudämmen. Erneut setzte sich Obama auch für Hilfen für die notleidende Autoindustrie ein.

Zum Thema Kampf gegen den Terrorismus meinte Obama, „oberstes Ziel“ sei es, das Terrornetzwerk al-Qaida zu vernichten. Dazu zähle auch, dessen Führer Osama bin Laden „gefangen zu nehmen oder zu töten“.

Bin Laden sei „nicht nur ein Symbol, er ist auch der operative Führer einer Organisation, die Angriffe auf US-Ziele plant.“ Zugleich bekräftigte Obama seine Absicht, das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu schließen.