Wenn Barack Obama am 20. Januar das Amt des Präsidenten der USA übernimmt, will er sofort handlungsbereit sein. Die Wahl seines Finanzministers hat dies deutlich unterstrichen. Denn Timothy Geithner, Chef der New Yorker Zweigstelle der Zentralbank Federal Reserve, hat sich intensiv um die Rettung der größten Geldhäuser des Landes gekümmert. Und genau diese Kompetenz ist in Washington gefragt.

Erst am Wochenende spielte der 47-jährige ehemalige Unterstaatssekretär im Finanzministerium eine tragende Rolle, als das Stützungspaket für die Citigroup geschnürt wurde. Davor hatte Geithner bereits im Frühjahr den Notverkauf von Bear Stearns organisiert, im September dann die Milliardenhilfe für den Versicherer AIG koordiniert. Umstritten ist hingegen seine Rolle bei der Pleite des Investmenthauses Lehman Brothers. Experten lasten ihm an, sich beim amtierenden Finanzminister Henry Paulson nicht für eine Rettung stark gemacht zu haben. Durch den Zusammenbruch der Bank hatte sich die Finanzkrise erst richtig verschärft.

Gigantische Vorschusslorbeeren

Die Vorschusslorbeeren für den kommenden Finanzminister sind trotzdem gigantisch. In nur einer Stunde nachdem Gerüchte über die Nominierung Geithners am Freitag die Runde gemacht hatten, schnellte der Dow-Jones-Aktienindex um 6,5 Prozent nach oben. Die Wall Street hatte damit ihr Urteil gefällt: Ihm trauen die Profi-Anleger zu, das Finanzsystem mit Entschlossenheit zu retten und die Wirtschaft aus der Krise zu führen. Und dass obwohl er im Gegenteil zu Paulson kein ehemaliger Banker ist.

Geithner stammt aus dem Bundesstaat New York, studierte Orientalistik am Dartmouth College und Volkswirtschaft an der Johns Hopkins University. Zudem gehörten Japanisch und Chinesisch zu seinen Fächern. Gelebt hat Geithner in Ostafrika, Indien, Thailand, China und Japan – Erfahrungen, die ihm angesichts des globalen Charakters der Krise von Nutzen sein dürfte.

Geithner wird an eine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Für das Finanzministerium arbeitete der Familienvater bereits von 1988 bis 2001 in verschiedenen Positionen. Karriere machte er dort vor allem unter den beiden Finanzministern Bill Clintons. Zunächst war das Robert Reich, später dann Larry Summers, der jetzt den Wirtschaftsrat Obamas leiten soll. Geithner sei im Ministerium der Einzige gewesen, so Summers, der den Mut gehabt habe, in sein Büro zu kommen und ihm die Meinung zu sagen.

Später wurde Geithner mit dem Posten des Unterstaatssekretärs für internationale Angelegenheiten belohnt. Auch andere wichtige Größen hat er beeindruckt. Seinen ersten Job nach der Universität hatte der Politikwissenschaftler und Experte für internationale Wirtschaft in der Beratungsfirma des ehemaligen Außenministers Henry Kissinger angetreten. An die Spitze der New York Fed rückte er dann dank des ehemaligen Wirtschaftsministers und Private Equity-Managers Peter Peterson, der 2003 das Nominierungsgremium leitete. Zwei Jahre hatte Geithner da gerade für den Internationalen Währungsfonds (IWF) gearbeitet.

Kritiker befürchten, dass Geithner die Unabhängigkeit der Zentralbank untergraben könnte. Schon die enge Zusammenarbeit zwischen Fed-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Paulson hat in der Vergangenheit Ökonomen Bauchschmerzen bereitet. Jetzt wechselt der Vize-Chef des Offenmarktausschusses, der die Zinspolitik festlegt, an die Spitze des Finanzministeriums. Geithner wird den Skeptikern rasch klar machen müssen, dass er die Unabhängigkeit der Zentralbank wahren wird.