Nach Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) haben auch die früheren Ressortchefs Rudolf Scharping (SPD) und Volker Rühe (CDU) der Einschätzung von Amtsinhaber Franz Josef Jung (CDU) widersprochen, die Bundeswehr befinde sich in Afghanistan nicht im Krieg. Rühe sagte der „Bild“-Zeitung: „Es ist irreführend, wenn die Regierung so tut, als handele es sich beim Afghanistan-Einsatz um eine Art bewaffneter Entwicklungshilfe. Es ist ein Krieg der Nato, des Westens, der Zivilisation gegen die Welt-Krake Terrorismus.“
Rühe verwies auf einen Untersuchungsbericht des kanadischen Parlamentes, in dem „zutreffend“ festgestellt werde: „Wir sind im Krieg. Unsere Soldaten sind Kämpfer.“
Scharping sagte, für die Angreifer handle es sich in jedem Fall um Krieg. „Die Taliban sagen es ja auch, wenn sie vom 'Dschihad', dem heiligen Krieg, sprechen“, sagte Scharping dem Blatt. Dieser Krieg richte sich gegen die zivile Gesellschaft insgesamt. „Das Kriegsziel ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten, die Menschen zu verunsichern und möglichst große wirtschaftliche Schäden anzurichten“, sagte der frühere Minister.
Der Tod zweier deutscher Soldaten bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan hat die Debatte über den Charakter des Einsatzes neu entfacht. Verteidigungsminister Franz Josef Jung vermied jedoch das Wort Krieg. Bei der Schilderung der Umstände räumte er ein, dass die Bundeswehr solchen Anschlägen oft wehrlos gegenüberstehe. Ein Selbstmordattentäter hatte auch fünf afghanische Kinder mit in den Tod gerissen. Zwei weitere Soldaten und ein Kind wurden verletzt.
Jung meinte, es sei „jetzt nicht die Stunde“, die Frage „Krieg oder nicht Krieg“ zu diskutieren. Er verwies darauf, dass die Auseinandersetzung mit den dortigen Terroristen „nicht allein militärisch zu gewinnen“ sei. Zeitgleich müsse der zivile Aufbau vorangetrieben werden.
Die Leichname der getöteten Bundeswehr-Soldaten sind nach Deutschland überführt worden. Ein Luftwaffen-Airbus mit ihren Särgen an Bord landete am Mittwochabend in Zweibrücken, wo die beiden Fallschirmjäger stationiert waren. Am Freitag soll in Zweibrücken eine Trauerfeier stattfinden, an der Verteidigungsminister Jung teilnehmen wird.
AP/ddp/lk



