Andrea Ypsilanti tritt nicht mehr als Spitzenkandidatin der hessischen SPD an. Diese Aufgabe wird der stellvertretende südhessische SPD-Bezirkschef Thorsten Schäfer-Gümbel übernehmen. Der 39 Jahre alte Landtagsabgeordnete ist ein enger Vertrauter der Landes- und Fraktionsvorsitzenden Ypsilanti. Der ursprünglich als neuer Spitzenkandidat genannte nordhessische SPD-Vorsitzende Manfred Schaub hatte es abgelehnt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Ypsilanti sagte, sie selbst werde Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende bleiben.

Schäfer-Gümbel sagte: „Neue Herausforderungen reizen mich immer.“ Zugleich sei es für ihn aber auch „ein Tag großer Demut“. Ypsilanti habe die SPD in Hessen wieder aufgebaut. Deshalb sei es „ungerecht“, wie sie „in dieser Woche gescheitert wurde“, sagte der Abgeordnete. Jetzt müsse man aber den Blick nach vorne richten. „Auch die Vier sind Vergangenheit“, betonte er mit Blick auf die vier SPD-Abweichler, die Ypsilanti ihre Zustimmung verweigert hatten. Die hessische SPD ziehe in den Wahlkampf nach dem Motto „Jetzt erst recht“.

Unmittelbar vor der Sitzung waren noch mehrere Namen als Spitzenkandidaten im Gespräch. Darunter Schaub und der junge, allerdings weithin unbekannte Landtagsabgeordnete Schäfer-Gümbel. Letzterer wird eher zum linken Flügel der Partei gerechnet.

Die Entscheidung wird dem Parteirat nicht leicht gefallen sein. Denn keinem der möglichen Alternativkandidaten zu Ypsilanti wurden bei der Landtagswahl Siegeschancen eingeräumt. Wer immer antritt, so die einhellige Meinung, der wisse bereits heute, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit gegen den amtierenden Ministerpräsidenten und CDU-Vorsitzenden Roland Koch verlieren wird.

Doch die Überlegungen in der Hessen-SPD gehen weit über den Wahltermin im Januar 2009 hinaus. Es geht schlicht um die Frage, ob der hessische Landesverband dauerhaft zum Totalausfall für die Bundes-SPD werden wird oder nicht. Gelingt es, nach allem was geschehen ist, die Reihen wieder zu schließen? Kann ein Neuanfang gelingen? Und mit wem?

Die Partei hat sich für einen Neuanfang entschieden. Dafür steht die Nominierung von Thorsten Schäfer-Gümbel. Mit ihm leitet die Partei einen Generationswechsel ein. Politisch aber dürfte er den rot-roten Kurs Ypsilantis weiter verfolgen. Und offenbar könnte er das nun sogar mit offizieller Zustimmung der Parteizentrale in Berlin tun.

Denn Parteichef Franz Müntefering machte nun gegenüber dem „Spiegel“ deutlich, dass er eine Koalition mit der Linkspartei in Hessen nach den Neuwahlen durchaus für möglich hält. „Davon gehe ich aus, dass die Hessen-SPD den Wählern sagt: Leute, für das, was jetzt vor uns steht, schließen wir eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien nicht aus, mit der Linken auch nicht. Es wäre auch komisch, wenn man etwas anderes behaupten würde. Aber es ist auch nicht unser Ziel: Wenn wir den Regierungswechsel anders hinkriegen können, sind wir froh“, so Müntefering.

Anders als in den vergangenen Monaten macht Müntefering den Genossen in Hessen wieder Mut. Die Landes-SPD habe im Januar durchaus „eine Chance“. „Die muss sie aber auch nutzen“, sagte er.

Offensichtlich hat Müntefering Ypsilanti geraten, den Landesvorsitz vorerst zu behalten. Ob sie auch Fraktionsvorsitzende bleibt, ist noch nicht geklärt.

Auch SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck riet inzwischen seinen hessischen Parteifreunden, eine Koalition mit der Linkspartei nicht auszuschließen. „Auf Landesebene kann man bei Fünf-Parteien-Parlamenten gar nichts mehr ausschließen“, sagte Struck der „Bild am Sonntag“. „Überhaupt niemand in Hessen“ werde diesmal eine Koalition ausschließen - „vielleicht Roland Koch eine mit der Linken“.

ddp/dpa/AP/omi