In Paris ist der französische Nationalfeiertag mit der traditionellen Militärparade begangen worden. Erstmals wurde der Marsch über die Prachtstraße Champs-Elysées in Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon durch Blauhelme der Vereinten Nationen eröffnet. Auf der Ehrentribüne befanden sich neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in diesem Jahr mehrere dutzend Staats- und Regierungschefs, die am Vortag am Gründungsgipfel für die Mittelmeerunion teilgenommen hatten. Auf Kritik stieß in Frankreich die Teilnahme von Syriens Präsident Bascher el Assad wegen dessen Rolle im Libanon-Konflikt. Unter Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac war er – seit dem Mord an dem libanesischen Ex-Regierungschef Rafik Hariri im Februar 2005 – zur unerwünschten Person erklärt worden.

Mit der Militärparade gedenkt Frankreich jedes Jahr der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789, die als Beginn der Französischen Revolution gilt. Bei seiner Ankunft auf der Ehrentribüne auf dem Concorde-Platz umarmte Sarkozy Merkel. Dort befanden sich unter anderem auch Israels Regierungschef Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.


Gegen 10.50 Uhr flogen neun Kampfjets über die Champs Élysées und zeichneten die blau-weiß-rote Trikolore in den wolkenlosen Himmel.


Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy nahm den Feiertag zum Anlass, um die vor wenigen Tagen befreite Ingrid Betancourt zur Ritterin der Ehrenlegion zu schlagen. Betancourt war nach sechs Jahren Gefangenschaft der kolumbianischen Farc-Rebellen am 2. Juli bei einer Geheimdienstaktion befreit worden. Danach war sie nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie aufgewachsen war. In Paris erinnerte sie daran, dass die Rebellen immer noch zahlreiche Menschen in ihren Händen halten. „Sie werden nach meiner Freilassung wahrscheinlich schlechter behandelt“, sagte sie.


Festnahmen und angezündete Autos

Am Rande der Veranstaltung nahm die Polizei den Generalsekretär der Organisation Reporter ohne Grenzen, Robert Ménard, fest, der gegen Assads Anwesenheit demonstrierte. Ménard wurde von der Polizei abgeführt, als er mit rund zehn weiteren Aktivisten auf den Champs-Elysées „Freiheit in Syrien“ rief, wie ein AFP-Journalist berichtete. Gegen Assads Teilnahme hatten im Vorfeld auch französische Kriegsveteranen protestiert. Sie werfen Syrien vor, für einen Anschlag auf eine internationale Schutztruppe im Libanon im Jahr 1983 mitverantwortlich zu sein. Dabei waren 58 französische Soldaten ums Leben gekommen.

Vor den Feiern zum Nationalfeiertag sind in Frankreich rund 300 Autos in Brand gesetzt worden. 120 Menschen seien in der Nacht zum Montag vorübergehend festgenommen worden, teilte das Innenministerium in Paris mit. Demnach wurden insgesamt 297 Fahrzeuge zerstört, davon 211 in der Hauptstadtregion. Ein Polizeikommissar sei durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden. In Gonesse nördlich von Paris zündeten Unbekannte laut Polizei auch eine Sporthalle an, die zur Hälfte zerstört wurde.

Die Brandstiftungen in der Nacht vor dem Nationalfeiertag gibt es jedes Jahr wieder. Im vergangenen Jahr zählte das Innenministerium vom 13. auf den 14. Juli 266 Autos, die in Brand gesetzt wurden. Im Herbst 2005 hatte es in Frankreichs von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Vorstädten landesweite Jugend-Krawalle gegeben. Damals gingen mehr als 10.000 Fahrzeuge zwischen Ende Oktober und Mitte November in Flammen auf; 300 Gebäude wurden zerstört. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand, um die Gewalt in den Griff zu bekommen.

afp/ap/ab