Der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat seinen eigenen Plan gegen die Finanzkrise vorgestellt, mit dem er nach eigenen Angaben vor allem die Mittelschicht vor dem wirtschaftlichen Absturz bewahren will. Er schlug vor, Zwangsversteigerungen von Privathäusern für 90 Tage auszusetzen und Unternehmen für jeden neuen Job, den sie schaffen, Steuern zu erlassen. Sein auf zwei Jahre angelegter, rund 175 Milliarden Dollar schwerer Plan solle helfen, „Arbeitsplätze zu schaffen, Familien zu entlasten, Hausbesitzer vor dem Verlust ihres Heims schützen und das Finanzsystem wiederherzustellen“, versprach Obama bei einem Auftritt in Toledo (Ohio).


„Wir müssen den Menschen Zeit zum Luftholen geben, damit sie wieder auf die Beine kommen“, sagte der 47-jährige Senator aus Illinois. Zehntausende US-Bürger haben bereits ihr Haus durch Zwangsversteigerung verloren, weil sie ihren Immobilienkredit nicht mehr bedienen konnten. Außerdem fürchten die Menschen um ihre Alterssicherung. Als Folge der Finanzkrise haben die Pensionskassen bereits mehrere Billionen Dollar verloren. Mit den immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Finanzkrise hat Obama die Führung in den Umfragen übernommen.


In der Umfrage von Reuters/C-Span und Zogby lag Obama bei 49 Prozent, McCain kam auf 43 Prozent. Am Vortag hatte der Vorsprung vier Prozentpunkte betragen.


„Drei Wochen vor der Wahl läuft McCain die Zeit davon, um den Trend noch umzudrehen“, sagte Umfrageleiter John Zogby. Obama kann sich vor allem bei den parteiungebundenen Wählern und bei den Frauen auf eine deutliche Mehrheit stützen.


McCain räumte ein, dass er in den landesweiten Umfragen „ein paar Prozentpunkte“ hinter dem Kandidaten der Demokraten liege. „Aber wir sind mitten drin im Spiel“, versicherte der 72-jährige Senator.


Die Finanzkrise habe ihm ihn den vergangenen zwei Wochen etwas geschadet. Jetzt wollten die Wähler aber vor allem Erfahrung und eine Vision. „Wir werden das Amerika geben“, sagte McCain. Nach der Fernsehdebatte werde er 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche für den Sieg am 4. November kämpfen.


Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden warf McCain unterdessen vor, sich in der Finanzkrise sprunghaft und unberechenbar zu verhalten. In der von Arbeitern geprägten Kleinstadt Scranton in Pennsylvania sagte Biden mit Blick auf die Vietnamkriegserfahrung des politischen Gegners: „Wir brauchen mehr als einen tapferen Soldaten, wir brauchen einen klugen Führer."


Die demokratische Senatorin Hillary Clinton lobte derweil den Umgang Obamas mit der weltweiten Finanzkrise. Die Art, wie er auf Fragen zu der Krise reagiert habe, habe seine Chancen auf einen Wahlsieg im November deutlich gestärkt, sagte Clinton im Fernsehsender NBC. Sie sei noch immer etwas enttäuscht darüber, dass sie im Rennen um die Kandidatur ihrer Partei unterlegen sei, räumte sie ein. Aber nun arbeite sie hart daran, dass Obama und Biden gewählt würden. Und sie glaube, dass Obama dicht vor dem Sieg stehe.


McCain nahm seine Anhänger gegen Kritik an aggressiven Auswüchsen des Wahlkampfs in Schutz. Die „überwältigende Mehrheit der Leute, die zu meinen Veranstaltungen kommen, sind anständige und patriotische Amerikaner“, sagte er CNN. Ihnen andere als patriotische Motive zu unterstellen, sei eine „Beleidigung“. Der republikanische Senator spielte damit auf Wahlversammlungen an, auf denen einige seiner Anhänger seinen Rivalen Barack Obama übel beschimpft hatten – bis hin zu Ausrufen wie „Verräter“ und „Terrorist“. Die Attacken bezeichnete McCain als „Ausnahmen“. Ähnliche Beschimpfungen seien auch bei Auftritten Obamas zu hören gewesen, sagte er weiter, ohne jedoch Beispiele zu nennen.


Trotz des zweistelligen Vorsprungs hat McCain seinen Rivalen in den Meinungsumfragen davor gewarnt, ihn bereits als Verlierer abzuschreiben. „Politische Experten haben mich schon so häufig abgeschrieben, dass ich das gar nicht mehr zählen kann“, sagte er. Jedes Mal sei ihm das Comeback gelungen. Am Mittwoch hat McCain die Chance, beim letzten Fernsehduell der beiden Punkte zu sammeln.

AFP/AP/Reuters/dpa/lk