Wie sicher ist das Friedensabkommen zwischen Georgien und Russland? Die russischen Streitkräfte haben am Mittwoch nach Angaben der Regierung in Tiflis erneut die im georgischen Kernland liegende Stadt Gori bombardiert. Moskau habe damit die am Vortag vereinbarte Waffenstillstandsvereinbarung gebrochen, sagte der Leiter des georgischen Sicherheitsrats, Alexander Lomaia. Russische Soldaten seien anschließend plündernd durch die Stadt gezogen. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge soll eine Kolonne russischer Panzer und Panzerfahrzeuge von der georgischen Stadt Gori aus Richtung Tiflis rollen. Gori ist nur knapp 100 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt.
Kämpfer aus der abtrünnigen Region Abchasien haben zudem auf georgischem Gebiet ihre Flagge errichtet und Anspruch auf den Landstrich erhoben. „Das ist abchasisches Land“, erklärte die Gruppe, die auf eine Brücke über dem Fluss Enguri marschiert war. Die Grenze sei seit 1000 Jahren entlang des Flusses verlaufen, sagte einer der Kämpfer, Ruslan Kischmaria. Die Kämpfer hatten zuvor ein von Georgiern bewohntes Gebiet durchquert.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtet von plündernden und brandschatzenden Kämpfern aus Abchasien, die ungehindert auf georgisches Gebiet vorgedrungen seien. Georgische Dörfer sollen in Brand gesteckt worden sein.
Georgien soll außerdem seinen letzten Stützpunkt in der abtrünnigen Region verloren haben. Die georgischen Truppen haben Abchasien nach Angaben eines Kabinettsministers in Tiflis mittlerweile vollständig verlassen. Sie seien von russischen Soldaten aus dem nördlichen Teil der Kodori-Schlucht vertrieben worden. Moskau wies dies zurück und erklärte, dafür seien Separatisten verantwortlich.
Die vorangegangenen Kämpfe im Kaukasus haben Augenzeugen zufolge Hunderte Menschen das Leben gekostet. Das georgische Gesundheitsministerium sprach am Mittwoch von 175 getöteten Georgiern. Viele seien bei russischen Angriffen auf Gori am Dienstag getötet worden, kurz bevor der russische Präsident Medwedjew ein Ende der Gefechte erklärt hatte. Moskau macht Georgien für den Tod von mehr als 2000 Menschen in der abtrünnigen Region Südossetien verantwortlich, die meisten davon Zivilpersonen. Eine unabhängige Bestätigung für die Zahlen gab es zunächst nicht. Am Dienstag kamen erste Hilfslieferungen des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) in der Region an.
Als Folge des Kriegs will Georgien aus der von Russland dominierten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) austreten. Außerdem erhob Tiflis Klage gegen Russland vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.
Auf einer Kundgebung in Tiflis stellten sich am Dienstagabend die Präsidenten mehrerer früherer Sowjetrepubliken hinter Georgien. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko sagte: „Es lohnt sich, für die Freiheit zu kämpfen.“ Auch seine Kollegen aus Litauen, Lettland und Estland nahmen an der Veranstaltung teil. Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski sagte, Russland wolle eine Rückkehr zu „alten Zeiten“.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angekündigt, in den kommenden Woche in die georgische Hauptstadt Tiflis zu reisen. Das kündigte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin an. An diesem Freitag trifft Merkel in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Auch dabei geht es um den Konflikt im Kaukasus.
dpa/afp/ap/lk



















