Der Ölkonzern BP hat seine Erdöl-Pipeline abgeschaltet, die von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku zum Terminal Supsa an der georgischen Schwarzmeerküste führt. Die Leitung zweigt in Tiflis von der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) ab und endet am georgischen Schwarzmeerhafen Poti.


Der Hafen ist nach georgischen Angaben weitgehend zerstört. Es seien auch Bomben auf die Pipeline gefallen, hieß es, was BP aber nicht bestätigte. Die Leitung sei aber "sicherheitshalber“ geschlossen worden. Die BTC-Pipeline war bereits vergangene Woche nach einer Explosion an einem Abschnitt in der Osttürkei, vermutlich ein Anschlag kurdischer Separatisten, geschlossen worden.


Der Chef des georgischen Nationalen Sicherheitsrates, Alexander Lomaja, berichtete zudem, es habe zwei russische Angriffe auf die BTC-Pipeline gegeben. Die Zwischenfälle hätten sich südlich der georgischen Industriestadt Rustawi ereignetet, rund 20 Kilometer südlich von Tiflis.


Der türkische Präsident Abdullah Gül sagte in Istanbul, die Pipeline sei aber nicht beschädigt worden. Das lässt die Vermutung zu, dass die Russen die Leitung nicht direkt angegriffen haben, sonst gäbe es sie schon nicht mehr.

Der Vorgang macht indes deutlich, wie gefährdet die Energieversorgung des Westens im Krisenfall ist. Das Interesse an einer stabilen Situation in der Region und an einer berechenbaren, von Russland unabhängigen georgischen Führung ist daher groß.


Die BTC-Pipeline ist die einzige Ölleitung aus der rohstoffreichen Region am Kaspischen Meer, die nicht über russisches Staatsgebiet in den Westen führt. Parallel zur BTC verläuft die Gas-Pipeline Baku-Tiflis-Erzurum. Sie bringt seit Ende 2007 Gas vom Schah-Deniz-Feld im Kaspischen Meer nach Ostanatolien. BP betreibt die Leitung zusammen mit Statoil-Hydro aus Norwegen.


Die 1800 Kilometer lange Leitung beginnt in einer hochmodernen Verteilerstation bei Baku. Von dort aus fließt das Öl quer durch Georgien und wird in Ceyhan in Tankschiffe abgefüllt. Täglich strömen rund eine Million Barrel auf dieser Route, an der Georgien durch die Transitgebühren gut mitverdient.

Besonders nach den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit, in der Moskau mehrfach seine Rohstoffe als Waffe einsetzte, suchen die Europäer dringend nach Alternativen, die nicht im explosiven Nahen Osten angesiedelt sind. Die relativ stabile Region am Kaspischen Meer mit ihren großen, noch gar nicht ganz erkundeten Vorräten böte sich an.


Gegenwärtig bezieht die Europäische Union 28 Prozent ihres Erdöl- und 29 ihres Erdgasbedarfs aus Russland. Ein Moskau-treues Regime in Georgien käme deshalb den russischen Interessen entgegen – Russland hätte dann den Zugriff auf die bisher außerhalb seines Machtbereichs liegende Pipeline.