Angesichts des Kriegs im Südkaukasus hat der russische Regierungschef Wladimir Putin die Nato erneut scharf vor einer Aufnahme Georgiens gewarnt. Die Regierung in Tiflis würde bei einer Nato-Mitgliedschaft andere Länder in ihre „blutigen Abenteuer“ hineinziehen, sagte Putin am Samstag laut der Agentur Interfax in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas.


„Jeder sieht jetzt, dass es Georgien bei seinem Beitrittswunsch nicht um einen Beitrag zur internationalen Sicherheit geht“, kritisierte der 55-Jährige.


Die russischen Militärschläge gegen Georgien nannte Putin „begründet und juristisch legitim“. Georgien habe mit der Militäroffensive in der abtrünnigen Region Südossetien einen „Völkermord“ am ossetischen Volk begangen, sagte Putin. Die Regierung in Tiflis habe damit der territorialen Einheit Georgiens „den Todesstoß“ versetzt. „Es ist schwer vorstellbar, dass man Südossetien jetzt noch zum Verbleiben im gemeinsamen Staat bewegt“, sagte Putin.


Russland befinde sich nicht im Krieg mit dem georgischen Volk, betonte der Ministerpräsident. Viele Georgier und Russen verbinden familiäre und freundschaftliche Beziehungen. Er habe große Achtung vor der georgischen Nation, die er stets als Brudervolk empfunden habe. Das Problem sei aber eine „verbrecherische Politik“ der derzeitigen Führung in Tiflis, kritisierte Putin. Georgien wird von dem prowestlichen Staatschef Michail Saakaschwili geführt.

Putin war am Samstag überraschend von den Olympischen Spielen in Peking nach Nordossetien an die Grenze zur Konfliktregion gereist. In der russischen Teilrepublik Nordossetien befinden sich mehr als 30 000 Flüchtlinge aus Südossetien, das völkerrechtlich zu Georgien gehört.

Russland werde Südossetien als Soforthilfe zehn Milliarden Rubel (etwa 275 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, sagte Putin in Wladikawkas bei einer Beratung mit Vertretern des Militärs und der Kommunalverwaltung.

dpa/Reuters