Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin soll laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP Vergeltung für die georgische Offensive in Südossetien angekündigt haben. Georgien hatte zuvor eine Militäraktion zur Rückeroberung der abtrünnigen Region gestartet. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili erklärte, russische Kampfflugzeuge hätten bereits georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden.
Dabei hätten russische Kampfflugzeuge Bomben über die Krisenregion Südossetien abgeworfen. Drei Flugzeuge sollen Einsätze im Süden der von Georgien abtrünnigen Provinz geflogen haben, erklärte ein Sprecher des georgischen Innenministeriums. Beschossen worden seien eine Polizeistation in der Nähe der Stadt Kareli sowie die georgische Stadt Gori, in der sich georgische Streitkräfte vor den Kämpfen mit Separatisten getroffen hätten. „In Kareli sind etliche Zivilisten verletzt worden“, sagte der Sprecher. Präsident Michail Saakaschwili sprach von einer „großangelegten militärischen Aktion gegen Georgien“. Er hat eine vollständige Mobilmachung verkündet. Georgien stehe einer Militärintervention von großem Ausmaß gegenüber, sagte Saakaschwili in einer Fernsehansprache.
Nach russischen Angaben sind mehrere russische Friedenssoldaten durch den Beschuss georgischer Artillerie getötet worden. Der russische Parlamentspräsident Boris Grislow kündigte unterdessen an, die Führung in Moskau werde ihre Landsleute in Südossetien nicht im Stich lassen. Russland werde dazu alle notwendigen Schritte unternehmen und die Sicherheit seiner südlichen Grenze gewährleisten, erklärte Grislow einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA zufolge. Die USA forderten derweil ein Ende der Kämpfe und eine Lösung des Konflikts auf dem Verhandlungswege.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich nicht auf eine von Russlang vorgeschlagene Erklärung zur Lage in Südossetien verständigen können. Darin sollten Georgien und die abtrünnige Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält, aufgefordert werden, ihre Kampfhandlungen sofort zu beenden. Der Sicherheitsrat sei noch nicht in der Lage, zu der Situation Stellung zu nehmen, erklärte der belgische UN-Botschafter Jan Grauls, der in diesem Monat den Sicherheitsrat leitet.
Die Europäische Union (EU) hat sich sehr besorgt über die Kämpfe um Süd-Ossetien geäußert. Sie habe alle Konfliktparteien aufgefordert, die Gewaltanwendung umgehend zu stoppen, sagte ein EU-Vertreter, der nicht namentlich genant werden wollte. Die Union sei wegen der Eskalation der Lage in engem Kontakt mit Russland, Georgien den USA und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
In der Nacht zum Freitag haben sich georgische Truppen rund um die Hauptstadt Zchinwali positioniert. „Der Angriff kommt von allen Seiten“, hieß es in einer kurzen Erklärung auf der Website der Regierung der Separatisten. Zuvor hatte bereits die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Sprecher der Friedenstruppe in der abtrünnigen Region, Wladimir Iwanow, von schwerem Beschuss Zchinwalis berichtet. Von georgischer Seite war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Zuvor haben beide Seiten nach Angaben der Agentur Interfax Ziele mit Kampfflugzeugen bombardiert. Es habe „massenhaft Opfer unter Zivilisten“ gegeben, teilte das Gesundheitsministerium in der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien laut Interfax mit. Am Freitag hatte demnach zuerst Südossetien zwei Kampfjets vom Typ Suchoi SU-25 zur Bombardierung georgischer Stellungen eingesetzt. Unmittelbar danach hätten fünf georgische Kampfjets gleichen Typs Angriffe auf Südossetien geflogen.
In der kleinen Bergregion im Südkaukasus sei ein neuer Krieg ausgebrochen, berichtete der russische Staatsfernsehsender „Rossija“. Nach unbestätigten Berichten starben allein auf südossetischer Seite in der Hauptstadt Zchinwali mindestens 15 Menschen, die meisten von ihnen meisten Zivilisten. Die ebenfalls von Georgien abtrünnige Region Abchasien sicherte Südossetien Militärhilfe zu. Russland rief Georgien zur Vernunft auf.
Fernsehbilder zeigten schwere Raketeneinschläge in der Region. Laut georgischen Medien wurden in Tiflis Hunderte Reservisten zusammengezogen. Beide Seiten hatten in den vergangenen Tagen tausende Menschen in Sicherheit gebracht, unter ihnen vor allem Kinder. Trotzdem seien viele Einwohner weiter in Gefahr.
Angesichts der zunehmenden Kriegsgefahr in Südossetien hatte der georgische Präsident Michail Saakaschwili seine Truppen am Donnerstag aufgefordert, das Feuer einzustellen. In einer Fernsehansprache rief er die Führung der abtrünnigen Region auf, Verhandlungen mit seiner Regierung aufzunehmen. Er schlug vor, dass Russland Garant einer weitgehenden Autonomie Südossetiens wird, das Gebiet aber bei Georgien verbleiben sollte.
Russland, das enge Verbindungen zu den südossetischen Separatisten hat, beantragte unterdessen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Der Antrag stehe „im Zusammenhang mit Georgiens aggressiven Aktionen gegen Südossetien“, sagte die Pressesprecherin der russischen UN-Mission, Maria Sacharowa, laut der Nachrichtenagentur ITAR-Tass am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York.
Südossetien hat sich 1992 von Georgien abgespalten und ist seither de facto unabhängig. International gilt die Region jedoch als Teil Georgiens. Zweimal – 1992 und 2006 – stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt.
reuters/dpa/ap/lk

















































