Der Populist Oskar Lafontaine hat ja keinesfalls mit allem recht, was er sagt, um die Wähler für seine Linkspartei zu gewinnen. Im Gegenteil. Aber in einer Prognose liegt der Chef der am schnellsten wachsenden deutschen Partei sicherlich richtig: Die Menschen im kleinen Saarland stehen im kommenden Jahr vor einer Richtungswahl, wenn sie vermutlich wenige Wochen vor der Bundestagswahl ihren neuen Landtag bestimmen. An der Saar wird vorentschieden, ob Deutschland tatsächlich nach links driftet.
Lafontaine tritt dort als Ministerpräsidentenkandidat an. Er strebt zurück auf jenen Sessel, den er als SPD-Politiker schon einmal 13 Jahre lang besetzt hielt. Natürlich ist Lafontaines Bekenntnis zur Landespolitik ein verlogener Schwur, will er doch nur als Regierungschef zu den Seinen zurückkehren und ansonsten auf der großen Bühne in Berlin bleiben. Aber die SPD gerät durch den unverhohlenen Machtanspruch ihres im Streit geschiedenen Ex-Vorsitzenden noch weiter unter Druck. Ihr ungeklärtes Verhältnis zu den Rivalen im linken Spektrum tritt noch offener zutage, wenn es um Regierungsoptionen geht und nicht nur um ein paar Prozentpunkte, die an der linken Seite abbröckeln.
Selbst wenn man gar nicht daran denkt, dass Lafontaine seinen politischen Ziehsohn, den Saar-SPD-Chef Heiko Maas, überflügeln könnte: Wenn SPD und Linke wenige Wochen vor der Bundestagswahl im Saarland tatsächlich auf Augenhöhe miteinander reden müssten, wäre das ein starkes Signal in die Bundespolitik. Maas könnte Gespräche mit der Linken nicht vermeiden. Viele in der SPD und viele Wähler würden nicht verstehen, warum ihre Partei sich lieber als deutlich kleinerer Juniorpartner in eine Koalition mit der CDU flüchten würde, als ein rot-rotes Bündnis unter ihrer Führung auszuloten.
Wer sollte dann aber glauben, dass nach der Bundestagswahl nicht eine ähnliche Wendung eintritt, selbst wenn die Spitzengenossen das noch so hartnäckig bestreiten?
Der Machtanspruch einer Partei, die bis vor Kurzem in Deutschlands Westen noch als Splittergruppe galt, bezeugt nicht nur das ausgeprägte Selbstbewusstsein des Oskar Lafontaine. Er verweist auch all jene Stimmen ins Reich der Fabel, die die Linke in Deutschland als Fundamentalopposition beschreiben. Großökonom Lafontaine will zeigen, wie es aus seiner Sicht gehen müsste in Deutschland. Die Gewerkschaftsfunktionäre aus seinem Gefolge möchten den Sozialstaat retten. Und im Osten streben die Pragmatiker der Ex-PDS an die Hebel der Macht.
In Berlin regieren die Linken seit fast sieben Jahren. Nach ihren Umfragewerten ist die Hauptstadt-Linke weit entfernt davon, für ihren Kurs zwischen regieren und Opposition abgestraft zu werden, wie es die Sozialdemokraten gerne hätten. Solange die anderen Parteien, allen voran die SPD, nicht die Menschen durch eine deutlich bessere Politik zurückgewinnen, werden sie unter den Linken leiden.


















