Die US-Regierung denkt über einen rascheren Truppenabzug aus dem Irak nach, um zusätzliche Einheiten für den Kampf in Afghanistan frei zu machen. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, berichtete die „New York Times“ vom Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise.


Aber eine bis drei der derzeit 15 Kampfbrigaden im Irak könnten zwischen September und dem Amtsende der Regierung von Präsident George W. Bush im Januar abgezogen oder für einen Abzug vorbereitet werden. Grund sei neben der Verbesserung der Sicherheitslage im Irak auch die Verschärfung der Situation in Afghanistan. Im Kampf gegen die Taliban haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen Monaten höhere Verluste erlitten als im Irak.


Das Präsidialamt wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Bushs Sprecher Gordon Johndroe sagte der Zeitung lediglich, zwar hoffe der Präsident, mehr Soldaten nach Hause holen zu können, er wolle aber zunächst den Lagebericht des US-Oberkommandierenden im Irak, David Petraeus, im September abwarten.


In der US-Regierung herrsche Übereinstimmung darüber, dass im Irak weniger und in Afghanistan mehr Soldaten gebraucht würden, schrieb die Zeitung weiter. Bush habe aber Vorbehalte gegen einen rascheren Abzug aus dem Golfstaat, weil er die Erfolge bei der Stabilisierung des Irak nicht gefährden wolle. Auch General Petraeus werde wohl eher zu einem vorsichtigeren Abzug raten. Derzeit sind 146.000 US-Soldaten im Irak, 2007 waren es zeitweise noch 170.000 gewesen.


Die Irak-Politik ist auch ein wichtiges Thema im US-Präsidentschaftswahlkampf. Der republikanische Bewerber John McCain unterstützt die Strategie seines Parteifreundes Bush. Sein demokratischer Rivale Barack Obama fordert dagegen einen Zeitrahmen für einen Truppenabzug.

Großbritannien reduziert Zahl der Soldaten im Irak

Großbritannien plante die Zahl seiner Soldaten im Irak im kommenden Jahr deutlich zu reduzieren. Generalstabschef Jock Stirrup erklärte am Sonntag, die Streitkräfte hätten nicht die Möglichkeiten, ihre Soldaten sowohl in Afghanistan als auch im Irak auf derzeitigem Niveau zu halten. Ursprünglich war geplant, die Zahl der britischen Soldaten im Irak in diesem Jahr von 4.000 auf 2.500 zu senken. Angesichts der zunehmenden Gewalt war dieser Schritt verschoben worden.


Die britischen Soldaten sind in der irakischen Stadt Basra stationiert, wo sie sich hauptsächlich auf die Ausbildung von Soldaten, Polizisten und Grenzbeamten konzentrieren. Die Zeitung „Sunday Times“ berichtete unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums, die Regierung werde die Mehrheit der britischen Soldaten bis Mitte 2009 aus dem Irak abziehen.

REUTERS/AFP/AP/FSL