In Israel wird davon ausgegangen, dass die beiden am 12. Juli 2006 verschleppten Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev wahrscheinlich tot sind. Das israelische Kabinett stimmte mit 22 zu drei Stimmen für den Häftlingsaustausch, obwohl ein Bericht der Hisbollah über das Schicksal des seit mehr als zwei Jahrzehnten vermissten israelischen Navigators Ron Arad als mangelhaft eingestuft worden war.
Ausdrücklich dankte Israel der deutschen Regierung und dem von den Vereinten Nationen beauftragten deutschen Vermittler Gerhard Conrad „für die großen Anstrengungen, die sie in die Vereinbarung zur Rückkehr der entführten Soldaten investiert haben“. Deutschland hatte bereits den größeren Häftlingsaustausch zwischen Israel und der Hisbollah vom Januar 2004 ausgehandelt.
Die israelische Regierung kritisierte in einer Erklärung die pro-iranische Hisbollah wegen fehlender Informationen über den vermissten Arad. Dieser Bericht erfülle nicht die Bedingungen der Vereinbarung und werde deshalb „absolut zurückgewiesen“, hieß es. Man erwarte, „dass der deutsche Vermittler seine Aktivitäten fortsetzt, um glaubwürdige Informationen über das Schicksal des vermissten Navigators (Ron Arad) zu bekommen“.
Im Rahmen des Austausches will Israel fünf libanesische Häftlinge, darunter den Top-Terroristen Samir Kuntar, sowie die Leichen von knapp 200 Hisbollah-Kämpfern übergeben. Außerdem ist die Freilassung mehrerer palästinensischer Häftlinge in Israel geplant. Kuntar, der am längsten in israelischer Haft befindliche Araber, hatte 1979 ein palästinensisches Terrorkommando angeführt und ist für den Tod zweier israelischer Polizisten sowie eines Vaters und dessen zweier kleiner Töchter verantwortlich.
Im Gegenzug soll die Hisbollah die beiden israelischen Soldaten Goldwasser und Regev übergeben. Beide wurden vor zwei Jahren von Hisbollah-Kämpfern aus dem israelischen Grenzgebiet verschleppt. Ihre Entführung hatte den Libanonkrieg ausgelöst.
Der Austausch wird nach israelischen Medienberichten in mehreren Schritten erfolgen. Zuerst werden Goldwasser und Regev übergeben. Sollten beide – wie erwartet – nicht mehr am Leben sein, sollen die sterblichen Überreste sofort identifiziert werden. Erst danach will Israel Kuntar sowie die vier anderen Häftlinge übergeben. Zuletzt wird das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in neun Lastwagen die Särge der 199 Toten ausliefern.
Die Angehörigen von Goldwasser und Regev sollen dann auf einer etwas südlich gelegenen Armeebasis in Naharija ihre Söhne in Empfang nehmen. Die Billigung des Tausches sei „ein Sieg des israelischen Volkes, nicht der Familien“, sagte Miki Goldwasser, Mutter einer der entführten Soldaten. „Dies ist ein Sieg über Hisbollah und (den Hisbollah-Führer Scheich Hassan) Nasrallah.“ Zvi Regev sagte, er hoffe immer noch, sein Sohn könnte am Leben sein. „Ich hoffe wirklich, dass dieser Alptraum morgen vorbei sein wird“, sagte er dem israelischen Rundfunk. „Wir müssen stark sein und es akzeptieren, ob es gut oder schlecht ist.“
Der israelische Staatspräsident Schimon Peres, der noch vor dem Austausch eine Begnadigung Kuntars unterzeichnen wollte, nannte die Aktion eine „moralische und religiöse Pflicht“ Israels. „Es ist keine glückliche Wahl“, sagte Peres vor der Abstimmung. „Auf der einen Seite haben wir den fürchterlichsten Mörder. Auf der anderen haben wir unsere Verpflichtung gegenüber unseren Jungs, die wir losschicken, um für ihr Land zu kämpfen.“
dpa/ab




