Wegen einer 125-Tage-Revision dürfte sich die Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis A bis ins Jahr 2010 verlängern. Von Mai bis September 2009 solle der älteste deutsche Atommeiler gewartet werden, sagte RWE-Power-Sprecher Lothar Lambertz und bestätigte damit einen Bericht des „Mannheimer Morgens“. Aufgrund der im Atomgesetz zugestandenen Strommenge dürfte Block A in diesem Fall wohl bis ins Jahr 2010 weiter produzieren.
Der RWE-Sprecher widersprach Vermutungen, die lange Revision werde geplant, um ein Abschalten des Blocks noch unter Schwarz-Rot zu verhindern: „In jedem Kraftwerk gibt es umfängliche Revisionen, um es auf dem Stand der Technik zu halten – so auch in diesem Fall“, sagte er. Die Revision sei auch von der Länge her notwendig. „Es gibt Dinge zu tun, die recht zeitaufwendig sind“, betonte Lambertz. Wie bei einem Flugzeug müsse man bei einem Reaktor bis zur letzten Minute vor der Stilllegung für die größtmögliche Sicherheit sorgen. Das Bundesumweltministerium wollte den RWE-Plan nicht kommentieren.
Biblis A ist das älteste noch zur Stromerzeugung berechtigte deutsche Kernkraftwerk. Der Atomkonsens sah ursprünglich vor, den Reaktor bereits 2007 stillzulegen. Wegen eines mehr als einjährigen Stillstands wird die 1.200-Megawatt-Anlage aber mindestens noch bis Herbst 2009 laufen. Dann steht die nächste Bundestagswahl an. Mit dem durch die Revision gewonnenen Aufschub wäre Biblis A noch in Betrieb, wenn eine neue Regierung gebildet würde.
Die Restlaufzeit der deutschen Kernkraftwerke ist im Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft festgelegt. Nach dem von Rot-Grün ausgehandelten Gesetz über den Atomausstieg soll das letzte Atomkraftwerk ungefähr 2021 vom Netz gehen.
Berechnet wird die Restlaufzeit nicht nach Jahren, sondern nach Reststrommengen: Damit ist die Menge Strom gemeint, die eine Anlage noch produzieren darf, bevor die Betriebsberechtigung erlischt. Hintergrund ist, dass die Meiler nicht kontinuierlich die gleiche Menge Strom produzieren, sondern wegen Wartung oder Störfällen zeitweise stillstehen.
Die Betreiber können nach dem Gesetz versuchen, die Abschaltung eines Kraftwerks hinauszuzögern, indem sie Strommengen von einem Meiler auf einen anderen übertragen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat aber mehrfach betont, dass dies nur für die Übertragung von alten auf neuen Meilern gelte und nicht umgekehrt. Dem RWE-Konzern hat er eine Übertragung von Reststrommengen auf Biblis daher bereits zweimal verboten.
AP/wal




