SPD-Chef Kurt Beck fühlt sich missverstanden. Presse-Interpretationen, er habe in der Fraktionssitzung seinen Rücktritt angeboten, seien falsch.
"Die Agenturen irren. In dem Fall bin ich einfach nicht richtig wiedergegeben worden.", sagte der SPD-Chef im ZDF.
Beck hatte sich am Dienstag mit einem rhetorischen Rücktrittsangebot der Unterstützung seiner Fraktion versichert.
"Wenn ich Teil des Problems sein sollte – ich klebe an keinem Stuhl", zitierten ihn Teilnehmer der Sitzung im Reichstagsgebäude.
In der Rede, die mit anhaltendem Beifall bedacht worden sei, habe er aber zugleich seinen Kampfeswillen bekräftigt.
"Klar ist, ich werde für diese Partei kämpfen. Ich lasse mich nicht von außen wegpusten", sagte Beck.
Einige Agenturen hatten die Fraktionssitzungs-Teilnehmer so zitiert, dass Beck in dem ensprechendem Satz nicht von "keinem Stuhl", sondern von "meinem Stuhl" gesprochen habe.
Struck stellt sich hinter Beck
Ein Rücktritt steht nach Ansicht von Fraktionschef Peter Struck "überhaupt nicht zur Debatte.“ Der Parteichef habe „großen, demonstrativen Beifall" für seine politische Rede erhalten.
Jeder in der Fraktion sei überzeugt, dass Beck der richtige Parteivorsitzende sei und dass er den richtigen Weg gehe, sagte Struck.
Er selbst habe dies mit den Worten zusammengefasst: "Kurt, du kannst dich auf die SPD-Fraktion verlassen!"
Teilnehmer sagten, es sei "definitiv keine Rücktrittsdrohung gewesen".
Am Abend wurde Struck noch deutlicher. "Einen solchen Schwachsinn kann ich überhaupt nicht mehr ertragen", sagte er auf einem Sommerfest seiner Fraktion.
Fraktionsvize übt Medien-Schelte
SPD-Fraktionsvize Elke Ferner hält sämtlich Rücktrittsgerüchte für aufgebauscht. "Es ist wie immer, es werden bestimmte Wortfetzen aus der Fraktion rausgetragen und aus dem Gesamtzusammenhang herausgerissen", sagte sie im Saarländischen Rundfunk.
Die diskutierte Passage von Becks Rede sei an diejenigen gerichtet gewesen, "die bisher in Hintergrundgesprächen oder hinter vorgehaltener Hand Kritik geübt haben, aber öffentlich nicht dazu stehen wollten", sagte Ferner.
Beck sei es darum gegangen, "noch einmal klar und deutlich zu sagen: Wer etwas zu beanstanden habe, der möge das dann hier und jetzt in der Fraktion tun." Da sich dazu niemand gemeldet habe, sei das Thema wohl "durch", sagte Ferner.
Die SPD-Politikerin rügte in dem Zusammenhang auch die Medien. Diese hätten, "egal was Kurt Beck an Positionen entwickelt hat, ständig auf ihm rumgehackt". Sie glaube, dass die veröffentlichte Meinung „nicht unbedingt“ mit der in der Fraktion oder in der Partei übereinstimme. Auf die Frage, ob sie Becks Position geschwächt sehe, antwortete Ferner: "Ich sehe Kurt Beck nicht als beschädigt an."
Auch Ferners Amtskollege Joachim Poß geht nicht von einer Ablösung von Parteichef Beck aus. Im TV-Sender Phoenix sagte Poß: "Der Verlauf von Parteivorstandssitzung und Fraktionssitzung hat in der SPD allen Kritikern deutlich gemacht, dass wir mit Kurt Beck weiter vorangehen".
Poß räumte laut Phoenix allerdings ein, es sei nicht zu leugnen, dass Beck in den vergangenen Monaten teilweise gravierende Fehler gemacht habe. Allerdings sei er gemobbt worden und die Kritik überzogen gewesen.
ap/neli




