Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Bernhard Gertz, hat von der Koalition gefordert, das Afghanistan-Kontingent rasch und deutlich aufzustocken. "Die Obergrenze muss um mindestens 20 Prozent angehoben werden, also von 3500 auf 4200 Soldaten", sagte Gertz der "Passauer Neuen Presse".


Die derzeitige Beschränkung stelle angesichts der Sicherheitslage eine Gefährdung der Soldaten dar: "Wir haben bereits 330 Soldaten aus Afghanistan zurückgeholt, weil die Obergrenze sonst erheblich überschritten worden wäre. Ich habe die Sorge, dass das sicherheitsrelevante Folgen hat."


Das Verteidigungsministerium räumte Handlungsbedarf ein: „Mit 3500 Soldaten sind wir auf Kante genäht. Und Kanten dürfen nicht zu Lasten der Sicherheit gehen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) der Zeitung. Eine Festlegung gebe es jedoch noch nicht: „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ich gehe davon aus, dass wir uns noch im Juni positionieren.“


Gertz forderte: „Es wäre das Mindeste, jetzt schnell Klarheit über das neue Mandat zu schaffen. Im Grunde muss die Obergrenze unverzüglich erhöht werden und nicht erst im Oktober.“ Der Interessenvertreter der deutschen Soldaten forderte zudem eine bessere Ausrüstung für die Truppe in Afghanistan: „Wir benötigen dringend mehr geschützte Hubschrauber in Mazar-i-Sharif. Statt bisher sechs CH 53 müssten es zwölf sein. Nur so ist garantiert, dass die Rettungskette funktioniert.“ Außerdem seien bessere und mehr geschützte Fahrzeuge erforderlich, weil die vorhandenen zu oft ausfielen.

Koalitionspolitiker für schnelle Entscheidung zu Afghanistaneinsatz

Politiker aus Union und SPD forderten die Bundeswehr-Spitze und die Bundesregierung aufgefordert, schnell Klarheit über eine mögliche Aufstockung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zu schaffen.


„In der kommenden Woche sollte sich der Generalinspekteur äußern und dann so schnell wie möglich die zuständigen Minister“, erklärte der Obmann der Unionsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“.


Es gebe Hinweise, dass die Bundesregierung erst kurz vor Beginn der Sommerpause Anfang Juli eine Aussage über eine Aufstockung des Mandats von bisher 3500 Soldaten treffen wolle. Das nannte Guttenberg „zu spät“.


Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, forderte eine zeitnahe Aussage der Bundesregierung: „Das muss jetzt baldmöglichst geschehen. Es wäre hilfreich, wenn wir in den Fraktionen noch beraten können“, sagte er.

Nato verstärkt nach Gefängnisstürmung durch Taliban ihre Truppen

Nach der Befreiung hunderter Häftlinge durch die Taliban kündigte die Nato und die afghanische Armee eine Aufstockung ihrer Truppen im Süden des Landes an. Die im besonders umkämpften Südafghanistan eingesetzten Truppen würden verstärkt, um „jeder möglichen Gefahr zu begegnen“, sagte ein Nato-Sprecher auf einer Pressekonferenz in Kabul.


Von den rund tausend Gefangenen, die die Taliban am Freitagabend aus einem Gefängnis in Kandahar befreit hatten, gehören demnach etwa 400 den radikalislamischen Taliban an.


Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums sagte, „eine gewisse Anzahl von Einheiten der afghanischen Armee“ sei nach Kandahar entsandt worden, um die flüchtigen Taliban-Häftlinge zu verfolgen.


Die US-geführten Koalitionstruppen teilten mit, bei Kämpfen im Süden Afghanistans seien am Wochenende 35 Aufständische getötet worden.


Die Kämpfe in den Provinzen Helmand und Sabul seien durch Angriffe von Rebellen auf gemeinsame Patrouillen von Koalitionstruppen und der afghanischen Armee ausgelöst worden, hieß es in einer Erklärung. In den Reihen der Koalitionstruppen und der afghanischen Armee gab es demnach keine Opfer.

DPA/AFP/FSL