Afghanistan sei ein "Opfer des Terrorismus", der auf der pakistanischen Seite der gemeinsamen Grenze seinen Ursprung habe, sagte der afghanische Präsident Hamid Karsai am Sonntag in Kabul.
Tausende Taliban-Kämpfer würden von dort nach Afghanistan "entsandt", daher habe sein Land ein Recht auf "Selbstverteidigung". Das Grenzgebiet im Nordwesten Pakistans gilt als Rückzugsraum für in Afghanistan aktive Taliban-Kämpfer und al-Qaida-Terroristen.
Die Regierung in Kabul wirft Pakistan vor, nicht entschieden genug gegen die Extremisten vorzugehen. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.
Nach der aufsehenerregenden Flucht hunderter Kämpfer der radikalislamischen Taliban aus einem Gefängnis in der südafghanischen Stadt Kandahar setzten Sicherheitskräfte ihre Fahndung fort.
"Die Operation dauert an", sagte der Polizeichef der Provinz Kandahar, Sayed Agha Saqib. Zur Unterstützung der örtlichen Sicherheitskräfte seien weitere Einheiten der afghanischen Armee in die Region verlegt worden.
Bei der Suche nach den befreiten Gefängnisinsassen sind mittlerweile mehr als 15 Aufständische getötet worden. Fünf Rebellen wurden bei dem Einsatz von einheimischen und ausländischen Soldaten in Gewahrsam genommen, wie die US-Armee weiter mitteilte.
Unklar blieb zunächst, ob es sich bei den Opfern und Festgenommenen tatsächlich um einige der flüchtigen Häftlinge handelte, die am Freitagabend befreit worden waren.
Die Extremisten hatten das Gebäude im Schutze der Dunkelheit eingenommen. Ein Sprecher des afghanischen Militärs sagte in Kandahar, von den insgesamt 1059 Insassen seien 892 geflohen, darunter 389 Taliban-Kämpfer. Kandahar gilt als Hochburg der radikal-islamischen Gruppe.
Taliban drohen mit weiteren Angriffen auf Stützpunkte der Alliierten
Die Taliban in Afghanistan feierten ihre Befreiungsaktion als großen Erfolg. "Wir haben sehr lange geplant, sehr genau beobachtet, und wir haben gewonnen", sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jusif Ahmadi zu „Spiegel Online“ per Telefon von einem unbekannten Ort in Afghanistan. "Unsere Brüder sind nun in Sicherheit". Die Kommandeure hätten 389 ehemals inhaftierte Taliban-Kämpfer wieder in ihre Reihen aufgenommen, die anderen würden bald wieder zu den Truppen der Islamisten stoßen.
Der Sprecher schilderte auch den Ablauf der Aktion. Demnach beteiligten sich rund 80 Kämpfer an der Attacke und sprengten zunächst das Haupttor des Gefängnisses mit einem Bomben-Laster. Danach seien Dutzende von Kämpfern mit Motorrädern in den Innenhof des Gefängnisses gefahren, hätten die Wachen erschossen und die Gefangenen befreit.
In westlichen Militärkreisen wurde der Angriff auf das Gefängnis in der südafghanischen Provinzhauptstadt Kandahar als "Alptraum" eingestuft. Westliche Geheimdienste vermuten wie bereits bei früheren Taliban-Aktionen auch jetzt, dass die Operation nur mit Hilfe von Informanten oder gar Kollaborateuren innerhalb der afghanischen Sicherheitskräfte möglich war. "So etwas macht man nicht alleine", sagte ein deutscher Geheimdienstbeamter.
Taliban-Sprecher Ahmadi drohte unterdessen mit weiteren Attacken. "Die befreiten Kämpfer werden sich umgehend wieder einreihen und die nächsten Angriffe gegen die Isaf und alle planen, die mit der afghanischen Regierung zusammenarbeiten", sagte er weiter.
Ebenso kündigte er an, dass die Taliban in den kommenden Wochen versuchen würden, weitere Gefängnisse zu stürmen, "um alle Brüder und Schwestern endlich zu befreien". "Unsere Leute sind in Sicherheit, in Gebieten, in die sich auch die Nato nicht traut", sagte er.
AFP/DPA/REUTERS/FSL





