Anfang Juli meldet Russland die vollständige Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka. Der ukrainische Generalstab widerspricht. Auch das US-amerikanische Institute for the Study of War sieht keine Belege dafür, dass Russland die Stadt vollständig kontrolliert.
Fast drei Monate später verfolgt FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen in Kramatorsk einen ukrainischen Versorgungsflug nach Kostjantyniwka. Der Drohnenkommandeur Hordyi berichtet, dass dort weiterhin ukrainische Soldaten kämpfen. Vudi, stellvertretender Kompaniechef eines Drohnenbataillons, erklärt, warum eine nur sieben Kilometer lange Mission inzwischen bis zu zehn Stunden dauern kann.
Weiter nördlich läuft die ukrainische Operation „Vivaldi“. Major Dmytro Rohoziuk, Kommandeur der 60. separaten mechanisierten Inhulets-Brigade, widerspricht einer weiteren russischen Siegesmeldung: Auch Swjatohirsk sei nicht eingenommen. Der Militärexperte Dr. Gustav Gressel ordnet ein, wie Drohnen, elektronische Kampfführung und mechanisierte Verbände bei der Operation zusammenspielen.
Nataliia Bahrii berichtet unterdessen von Menschen, die trotz der Gefahr in zerstörte Orte zurückkehren. Ihre Geschichten zeigen: Militärisch zurückgewonnen bedeutet noch lange nicht sicher. Die Folge fragt, wann eine Stadt tatsächlich als erobert gilt – und welche Folgen falsche Lagebilder für den weiteren Krieg haben können.
In dieser Folge zu hören
Jan Jessen – Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter der FUNKE Mediengruppe
Dr. Gustav Gressel – Militärexperte an der Landesverteidigungsakademie in Wien
Major Dmytro Rohoziuk – Kommandeur der 60. separaten mechanisierten Inhulets-Brigade des 3. Armeekorps
Akhmet – Rufzeichen eines Battle Captains und Gefechtsführungsoffiziers der 60. Inhulets-Brigade
Hordyi – Rufzeichen des Kommandeurs eines Drohnentrupps der 28. separaten mechanisierten Brigade
Vudi – Rufzeichen eines stellvertretenden Kompaniechefs des 39. separaten Drohnenbataillons
Nataliia Bahrii – Leiterin der Abteilung für zivil-militärische Zusammenarbeit der 60. Inhulets-Brigade
Kapitel
01 | Russland meldet Kostjantyniwka als erobert
Jan Jessen verfolgt in Kramatorsk einen Versorgungsflug in die umkämpfte Stadt. Hordyi widerspricht der russischen Siegesmeldung.
02 | Sieben Kilometer in zehn Stunden
Vudi erklärt, wie Drohnen und verminte Straßen selbst kurze Versorgungswege zu Tagesmissionen machen.
03 | Russlands Angriff auf den Festungsgürtel
Der Plan, Kostjantyniwka direkt anzugreifen und die ukrainischen Verteidigungszentren von Norden und Süden zu umfassen.
04 | Die Operation „Vivaldi“
Gustav Gressel und Major Dmytro Rohoziuk erklären den ukrainischen Gegenangriff und die Lage in Swjatohirsk.
05 | Drohnen, Panzer und die 20. Gardearmee
Warum lokale Drohnenüberlegenheit mechanisierte Angriffe ermöglicht – und wie Akhmet den Zustand des russischen Gegners beschreibt.
06 | Warum Menschen nicht gehen
Nataliia Bahrii berichtet von Rückkehrern, Evakuierungen und einer Familie, für die die Hilfe zu spät kommt.
07 | Befreit bedeutet nicht sicher
Warum zurückgewonnene Orte weiter beschossen werden und welche Folgen falsche russische Lagebilder haben können.
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Titelbild
Das Titelbild entstand am 25. September 2026 in Kramatorsk. Im Hintergrund ist die durch einen Bombenangriff beschädigte historische ukrainisch-orthodoxe Kirche der Geburt des heiligen Johannes des Täufers zu sehen.
Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services
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