Geschmack ist eine rein subjektive Angelegenheit. Diese Erkenntnis gewinnen Jugendliche spätestens dann, wenn sie ein paar Monate außerhalb des eigenen Elternhauses als Austauschschüler verbringen. Wer in dieser Zeit nach Australien reist, wird von seinen Gasteltern nicht selten vor eine Mutprobe der besonderen Art gestellt: Vegemite. Der würzige Hefebrotaufstrich gehört für die Menschen in Down Under zur Brotzeit wie hierzulande Nutella oder Zwiebelmett. Er ist so sehr Bestandteil der Kultur, dass manche sogar versuchen, ihn zu einem Menschenrecht zu stilisieren.

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Diesen Versuch machte nun auch Andre McKechnie. Der verurteilte Mörder behauptete, sein Menschenrecht als Australier werde verletzt, weil es in seinem Gefängnis im australischen Bundesstaat Victoria kein Vegemite gibt. Er verklagte daraufhin das Justizministerium. „Da ich Vegemite nicht konsumieren kann, fühle ich mich um die Ausübung meiner australischen Kultur beraubt, traurig und von meiner Familie und meiner Gemeinschaft abgeschnitten“, sagte er kürzlich vor dem Obersten Gerichtshof von Victoria, wie Associated Press berichtet.

Gefängnisse in Victoria: Vegemite-Verbot laut Gericht rechtmäßig

Das Gericht wies die Klage von McKechnie jedoch ab. Sein Recht auf „eine angemessene Ernährung zur Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens des Gefangenen“ sei nicht verletzt worden. Richterin Claire Harris räumte ein, dass Vegemite durchaus als Teil der australischen Kultur gelten und die Menschenrechtscharta sich grundsätzlich auch auf bestimmte Lebensmittel erstrecken könne. Das Verbot in den Gefängnissen von Victoria sei jedoch eine verhältnismäßige Maßnahme der Behörden gewesen.

Andre McKechnie wurde 1996 wegen des Mordes an dem Immobilienunternehmer Otto Kuhne zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die ersten zehn Jahre davon saß er im Bundesstaat Queensland ein, anschließend kam er nach Victoria.

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Doch warum gibt es trotz der hohen kulturellen Bedeutung der dunkelbraunen Streichcreme kein Vegemite in den meisten australischen Gefängnissen? Das 1923 in Melbourne als Alternative zum britischen Marmite entwickelte Produkt wurde im Jahr 2006 aus den Haftanstalten Victorias verbannt. Es wurde befürchtet, dass der intensive Geruch die Arbeit von Drogenspürhunden beeinträchtigen könne. Zudem hat es aufgrund seines hohen Hefeanteils das Potenzial, zur Alkoholherstellung genutzt zu werden.

Vegemite: In mehreren australischen Bundesstaaten im Gefängnis verboten

Doch nicht nur Victoria ging damals diesen Schritt: In den Bundesstaaten Südaustralien, Tasmanien und Queensland ist der Kultaufstrich in Strafvollzugsanstalten ebenfalls tabu. Die einzige Ausnahme ist New South Wales. Und wem die Aufregung um die kulinarisch fragwürdige Würzpaste aus deutscher Sicht sehr unverständlich erscheint, der stelle sich folgende Frage: Was wäre in den hiesigen Gefängnissen los, wäre Nutella plötzlich verboten?