Im Vorfeld umfangreicher Straßenbauarbeiten an der Route 11 in Westjütland (Dänemark) haben Archäologen die Überreste einer imposanten Wehranlage aus der Eisenzeit identifizieren können. Zahlreiche Artefakte aus der Umgebung sowie die beeindruckende Bausubstanz der Anlage selbst liefern Hinweise auf mögliche kriegerische Konflikte in der Region. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage könnte die Befestigung einst eine wichtige militärische Funktion erfüllt haben.
Archäologie: 2500 Jahre alte Wehranlage in Dänemark entdeckt
Die Besonderheit der außergewöhnlichen Wehranlage liegt in ihrer Konstruktion. Sie besteht aus einer langen Reihe dicht nebeneinanderliegender Gruben. Archäologen vermuten, dass diese einst mit zugespitzten Holzpfählen bestückt waren, um herannahende Feinde aufzuhalten oder ihre Bewegungen zu kontrollieren. Für diese Annahme spricht auch die strategisch günstige Lage der Befestigung an der historischen Drivvej. Die alte Straße war über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Verkehrsverbindung in Westjütland.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung der dänischen Straßenbaubehörde Vejdirektoratet und des regionalen Museums Museum Vest, über die „Heritage Daily“ berichtet, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Anlage dazu diente, Angreifer aus dem Norden abzuwehren. „Der Fund hat uns völlig überrascht. Er zeugt von bisher unbekannten Konflikten in Westjütland in der frühesten Phase der Eisenzeit“, erklärt Michael Alrø Jensen, Kurator am Museum Vest. Er geht davon aus, dass die Menschen einen Einfall einer Armee aus dem Norden über die Drivvej befürchteten und deshalb versuchten, den Durchgang zu kontrollieren und zu blockieren.
Wer die Wehranlage errichtete und welche Gruppen vor rund 2500 Jahren am Vormarsch gehindert werden sollten, können die Archäologen bislang nicht gesichert belegen.
Geschichte: Ausgrabungen zeigen beeindruckende Artefakte aus mehreren Epochen
Die umfangreichen Ausgrabungsarbeiten haben zahlreiche kostbare Artefakte zutage gefördert. Unter anderem entdeckten die Archäologen in einem Grabhügel eine rund 4500 Jahre alte Streitaxt, die auf die Bestattung eines hochrangigen Kriegers hindeuten könnte. Darüber hinaus fanden sie Spuren von Wohnhäusern, Bauernhöfen, Gräbern und Urnen, die mehrere tausend Jahre menschlicher Besiedlung umfassen. Die geborgenen Funde reichen von der Steinzeit über die Bronzezeit und Eisenzeit bis in die Wikingerzeit.

Für die Erforschung der regionalen Geschichte sind die laufenden Ausgrabungen von großer Bedeutung. Die Arbeiten sollen fortgesetzt werden, um anhand der archäologischen Strukturen und Funde weitere Erkenntnisse über die Besiedlung Westjütlands zu sammeln. So können die Forscher besser nachvollziehen, wie sich Gemeinschaften in der Region entwickelten, wo sie sich niederließen und welche Wege sie nutzten. Besonders der Wandel von einzelnen Bauernhöfen zu einer Gemeinschaft in prähistorischer Siedlungen können besser erforscht und dokumentiert werden.
Lesen Sie auch
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
„Was uns am meisten begeistert, ist, dass wir auf einer relativ kleinen Fläche Spuren aus so vielen verschiedenen Epochen gefunden haben. Wir verfügen plötzlich über eine Vielzahl neuer Fundstücke, die uns einen viel besseren Einblick darin geben, wie die Menschen in dieser Gegend über mehrere Jahrtausende hinweg gelebt und sich bewegt haben“, betont Michael Alrø Jensen die Bedeutung der Ausgrabungen.








