Er ist rund zwei Meter lang, aus Kalkstein und trägt eine lateinische Inschrift: Zwei Söhne haben ihrem Vater Valerius Amandinus einen Sarkophag gewidmet. Seit 2017 steht er in den Queen’s Diamond Jubilee Galleries hoch über dem Kirchenschiff von Westminster Abbey in London – einer der weltweit berühmtesten Kirchen. Archäologen datieren ihn ins 4. Jahrhundert.

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Nun kommt heraus: Der Tote darin ist mehr als 600 Jahre jünger. Das zeigt eine Studie des Archäologen Warwick Rodwell, die im „Journal of the British Archaeological Association“ erschienen ist. Eine Radiokarbonanalyse datiert die Knochen auf die Zeit zwischen 987 und 1052. Es handelt sich um einen Mann, etwa 35 bis 49 Jahre alt und rund 1,75 Meter groß. Er litt an Arthrose, hatte sich einst zwei Rippen gebrochen – und auffallend gesunde Zähne ohne Karies.
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Skelett in Westminster Abbey: Überraschender Fund nach Jahrzehnten
Dass es das Skelett überhaupt noch gibt, ist eine Überraschung. Arbeiter hatten den Sarg 1869 an der Nordseite der Abtei ausgegraben. Wenige Jahre später erklärte der Architekt George Gilbert Scott, die Gebeine seien verloren. Erst 2016, als der Sarkophag zur Restaurierung kam, hoben Experten den Deckel – und fanden das Skelett. Der Steinmetz der Abtei hatte die Knochen offenbar zurückgelegt, ohne dass Scott davon erfuhr. Die Anordnung verriet allerdings keine anatomischen Kenntnisse: Unterschenkelknochen lagen dort, wo die Arme hingehören.

Auch die Fundgeschichte muss umgeschrieben werden. Eine Bleistiftskizze im Archiv der Abtei belegt: Schon am Ostermontag 1820 stießen Arbeiter – vermutlich Totengräber der benachbarten Kirche – auf den Sarg. Sie zertrümmerten den Deckel, durchwühlten den Inhalt und beschädigten den Schädel. Ob sie dabei Grabbeigaben stahlen, lässt sich nicht mehr klären.
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Römischer Sarkophag wurde wiederverwendet
Bei der Reinigung entdeckten die Forscher zudem einen weißen Kalkrückstand mit scharfen, geraden Kanten auf dem Boden des Sargs. Rodwell deutet ihn als Abdruck eines Holzsargs: Der Tote war in Kalk gebettet und in einer Holzkiste in den Steinsarg gelegt worden.
Rodwell rekonstruiert die Geschichte so: Im späten 10. oder frühen 11. Jahrhundert wurde der römische Sarkophag wiederverwendet. Man versenkte ihn im Ostteil der angelsächsischen Klosterkirche im Boden und arbeitete den Deckel zur Bodenplatte mit großem Kreuz um. Als König Heinrich III. ab 1245 die Abtei neu bauen ließ, musste das Grab weichen. Um 1258 wurde es im Hof der neuen Sakristei erneut bestattet – tief unter der Erde.
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Rätsel um Abt-Grab: Identität des Toten bleibt unklar
Wer der Tote war, steht nicht fest. Für Rodwell kommt nur ein hochrangiger Geistlicher infrage, sehr wahrscheinlich ein Abt. Zwei Kandidaten passen zeitlich: Ælfwig, Abt von 993 bis etwa 1020, und sein Nachfolger Wulfnoth, der 1049 starb. Rodwell favorisiert Ælfwig. Er war bereits Mönch in Westminster, als er Abt wurde, und verließ das Kloster offenbar nie.
Woher der Sarg ursprünglich stammt, bleibt offen. Der Stein kommt aus Oxfordshire. Spuren einer römischen Siedlung unter der Abtei haben Ausgrabungen bislang nicht gefunden.
aino







