Wie sind die beiden Monde des Mars entstanden? Die japanische Raumfahrtmission „MMX“ soll dieses Rätsel lösen – auch mit deutscher Hilfe. Eine H3-Rakete hob am Dienstag erfolgreich von Japans Weltraumbahnhof Tanegashima auf der gleichnamigen Insel im Südwesten des Landes ab. Mit an Bord: der deutsch-französische Rover „Idefix“, der 2029 auf dem Marsmond Phobos landen soll.

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Dort soll der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtbehörde CNES entworfene Rover Proben sammeln, die 2031 dann mit einem Rückkehrmodul zur Erde gebracht werden.
Es ist die bisher größte japanische Raumfahrtmission in das Sonnensystem. „Wir wünschen diesem historischen Unterfangen Erfolg und eine gelungene Rückführung von Proben aus dem Mars-System“, schrieb Japans Regierungschefin Sanae Takaichi auf der Plattform X.
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„Idefix“ soll den Marsmond Phobos erforschen
Die Marsmonde Phobos und Deimos sind neben dem Erdmond die beiden einzigen Monde im inneren Sonnensystem mit seinen Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars. Sie sind viel kleiner als der Erdmond und nicht kugelförmig, sondern unregelmäßig geformt. Der Durchmesser von Phobos beträgt an der größten Stelle knapp 27 Kilometer, der von Deimos 15 Kilometer. Phobos umkreist den Mars in geringerer Entfernung als Deimos.
Die „MMX“-Mission zu Phobos soll unter die Frage klären helfen, wie die beiden Marsmonde entstanden sind – ob sie eingefangene Asteroiden sind oder aber durch einen Meteoriteneinschlag auf dem roten Planeten gebildet wurden.
Auch soll sie nach Angaben der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa Aufschluss über die Entstehung des Mars und des Sonnensystems geben sowie die Ursprünge des Lebens erforschen. Außerdem diene die „MMX“-Mission der Entwicklung von Technologien für künftige Erkundungsaktivitäten, erklärte Jaxa-Präsident Hiroshi Yamakawa nach dem Start auf einer Pressekonferenz.
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Rover so groß wie eine Getränkekiste: „Absolutes robotisches Neuland“

Die „MMX“-Raumsonde hat eine Höhe von etwa 5,3 Metern und ein Gewicht von etwas mehr als 4,4 Tonnen. Sie soll nach rund einjähriger Flugzeit 2027 in eine Umlaufbahn des Planeten Mars kommen. Für 2029 ist die Ankunft des Rovers „Idefix“ auf Phobos vorgesehen. Dann werde die Muttersonde ihn aus einer Höhe von etwa 40 bis 100 Metern auf den Mond herablassen, erklärte das DLR.
„Idefix“ hat vor dem Start laut DLR erfolgreich verschiedene Tests absolviert, darunter auch einen zur Beständigkeit bei extremen Temperaturen von minus 170 bis plus 70 Grad Celsius, wie sie auf Phobos herrschen.
Der Rover ist nach DLR-Angaben nur so groß wie eine Getränkekiste und wiegt etwa 25 Kilogramm. Aufgrund seines geringen Gewichts und der geringen Schwerkraft werde «Idefix» direkt auf Phobos landen können. Laut DLR ist noch nie ein Erkundungsfahrzeug mit Rädern auf einem Himmelskörper gefahren, der nur über weniger als ein Tausendstel der Erdanziehungskraft verfügt. „Auf Phobos zu landen und zu fahren ist absolutes robotisches Neuland“, sagte Markus Grebenstein, DLR-Projektleiter für „Idefix“.
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„Idefix“ wurde in Bremen entwickelt
Das Fahrwerk und die Tragstruktur wurde bei Airbus Bremen und am DLR-Standort in der Hansestadt entwickelt, gebaut und getestet. Einmal gelandet, soll sich „Idefix“ selbstständig aufrichten und dann einsatzbereit sein, um die Marsmond-Oberfläche 100 Tage lang zu erkunden. Zuständig für den Betrieb von «Idefix» sind ein Kontrollzentrum des DLR in Köln und ein Kontrollzentrum in Toulouse.
Die Vorerkundung der Oberfläche des Mondes durch den Rover hilft nach DLR-Angaben später auch dabei, die Muttersonde möglichst gut vorbereitet auf Phobos zur Probensammlung zu landen. Die Mission werde die Topographie, die Zusammensetzung sowie die Schwerkraft von Phobos untersuchen und mindestens zehn Gramm an Proben aus einer Tiefe von mindestens zwei Zentimetern zurückbringen, teilte Jaxa mit.
„MMX“ ist nicht die einzige Marsmission, die versucht, Proben zur Erde zurückzubringen. 2021 landete der Nasa-Rover „Perseverance“ auf dem Mars. Er hat seither mehr als 45 Kilometer zurückgelegt und damit eine längere Strecke auf der Oberfläche eines anderen Planeten als je ein menschengemachtes Fahrzeug zuvor, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa kürzlich mitteilte. Auch dieser Rover sammelt Proben. Noch mindestens bis Ende 2028 soll „Perseverance“ mit seinen sechs Rädern weiter über den roten Planeten rollen und ihn erforschen.
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Auch China will Mars-Proben zur Erde holen
Auch China landete 2021 mit „Tianwen 1“ einen Rover auf dem Mars. 2028 ist mit «Tianwen 3» der Start einer Mission zur Rückholung von Proben des Planeten geplant. Der Rücktransport der Proben zur Erde ist dabei um das Jahr 2031 geplant – möglicherweise früher als die Probenrückführung von Japans „MMX“.
Die japanische Mission zum Marsmond Phobos knüpft an die Vorgängermission „Hayabusa2“ an, bei der Jaxa 2014 eine Raumsonde zum Asteroiden Ryugu geschickt und nach sechs Jahren im All Proben zur Erde zurückgebracht hatte.
Auch an der „Hayabusa 2“-Mission hatte sich das DLR mit dem gemeinsam mit der französischen CNES entwickelten Lander „Mascot“ beteiligt. Der war im Oktober 2018 auf Ryugu gelandet und hatte den aus hochporösem Material bestehenden Asteroiden erkundet.
os/dpa







