Als sich das Fenster des Apostolischen Palastes, hoch über dem Petersplatz in Rom, am Sonntag (18.) um 12 Uhr öffnet und Papst Leo XIV. den dicht gedrängt stehenden Menschen auf dem Platz zuwinkt, ist der Jubel riesig. Dass der Pontifex nur wenige Tage nach seiner Krebsoperation mit dem allsonntäglichen Angelus-Gebet schon wieder, nun ja, „business as usual“ machen kann – man mag es kaum glauben.

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Leo dankt seinen Ärzten und Pflegern und dem gesamten Personal der Gemelli-Klinik und „allen, die in diesen Tagen für mich gebetet haben. Ich habe wirklich eure Unterstützung fühlen können“. Die Krebsdiagnose, die 90-minütige Operation mit der Entfernung eines Teils der Lunge, die Genesung – der Papst nennt es „diese Erfahrung“. Sie habe ihn „in besonderer Weise die Nähe all jener spüren lassen, die Krankheit und Leiden erfahren“. Jetzt werde er seine Aktivitäten wieder aufnehmen. Dann wünscht er den Menschen noch einen „schönen Sonntag“.
Schon in den Tagen zuvor schien es, als wolle Leo keine Sekunde länger als nötig warten, um sein Amt wieder auszufüllen. Im Krankenzimmer empfing er Besucher, feierte dort einen Gottesdienst für die Bediensteten, ließ sich Unterlagen für die nächsten Termine bringen. Am Freitag telefonierte Leo vom Krankenhaus aus mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Papst fordert Waffenstillstand für humanitäre Hilfe in Oleshky
„Es war der Heilige Vater, der die Initiative ergriffen hat“, betonte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Dem Pontifex sei es dabei insbesondere um humanitäre Maßnahmen für die Stadt Oleshky in der Südukraine gegangen. Die seit Monaten abgeriegelte Kleinstadt liegt im russisch besetzten Gebiet. Nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2000 Menschen fest, die kaum das Nötigste zum Leben haben.
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Hilfsorganisationen beklagen seit Langem die dramatische Situation der Menschen in Oleshky. Beim Telefonat mit dem Kreml-Chef habe der Papst „seine tiefe Besorgnis über die ernste humanitäre Lage in der Stadt zum Ausdruck“ gebracht und einen Waffenstillstand gefordert, „um die Ankunft von Nahrungsmittel- und medizinischer Hilfe sowie die freiwillige und sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen“, hieß es aus dem Vatikan.
Papst-Chirurg lobt Leo XIV.: „Ein idealer Patient“
Die Lage in der Ukraine liegt dem Papst seit Langem auf dem Herzen, schon mehrfach hatte Leo gefordert, die Waffen in dem geschundenen Land schweigen zu lassen. Deshalb dürfte eine Begegnung am Tag seiner Entlassung aus dem Gemelli-Krankenhaus in Rom den Pontifex auch besonders berührt haben. Als er das Hospital am Samstag verlässt, kommt es zu einem Treffen mit einer 13-jährigen Ukrainerin.
Die aus Berdjansk stammende Varvara, die nach einer schweren Krebserkrankung heute als geheilt gilt, wartet vor der Klinik auf das Kirchenoberhaupt, um ihm für die Ermutigung vor ihrer eigenen Operation zu danken. Das Mädchen lebt in der Nähe von Turin und ist zusammen mit den Eltern nach Rom gereist. Die Familie war nach Kriegsausbruch aus der Ukraine geflohen und fand in Italien ein neues Zuhause. In Turin wurde Varvara im Krankenhaus Regina Margherita in Turin behandelt. Nach aktuellen Untersuchungsergebnissen bestätigt sich die vollständige Genesung der 13-Jährigen.

Auch um die Gesundheit des 71-jährigen Leo steht es aus ärztlicher Sicht offenbar wenige Tage nach seiner Tumoroperation den Umständen entsprechend sehr gut. „Zum Zeitpunkt seiner Entlassung aus dem Krankenhaus befand sich Papst Leo in einem absolut zufriedenstellenden klinischen Zustand“, erklärte Papst-Chirurg Stefano Margaritora am Wochenende in einem Interview der „Vatican News“. „Seine Blutwerte waren völlig normal, und die Herzfunktion war in Ordnung. Die Wiederausdehnung der Lunge nach der Operation verläuft im normalen Zeitrahmen.“
Der anstrengenden Südamerikareise steht wohl nichts im Wege
Margaritora lobte den Papst als „idealen Patienten“: Er habe sich für seine Genesung nach der OP „mit Leib und Seele eingesetzt, wie es die motiviertesten Menschen nach solchen Operationen tun. Daher war unsere Unterstützung für ihn wirklich minimal, denn sein Wille, sich sehr schnell zu erholen, ist in jeder Hinsicht sehr wirkungsvoll“.
Macht Leos Rekonvaleszenz auch in den nächsten Wochen solch zügige Fortschritte wie in den ersten Tagen nach dem Eingriff, dürfte auch einem Herzensanliegen des Papstes nichts im Wege stehen. Vom 6. bis 17. November ist eine anstrengende Südamerikareise geplant. Die Tour soll den Papst nach Argentinien, Uruguay und Peru führen. Vorgesehen sind mehrere Flüge und rund zehn öffentliche Auftritte Leos – ein Mammutprogramm.
Aber besonders die Visite in Peru ist für Leo ein ganz besonderer Besuch. Denn vor seiner Zeit als Papst wirkte Robert Francis Prevost, so Leos bürgerlicher Name, rund 20 Jahre lang in dem Land – zunächst als Missionar, dann als Bischof von Chiclayo. Er hat neben der US-amerikanischen und der vatikanischen Staatsbürgerschaft seit 2015 auch einen peruanischen Pass.
Papst-Chirurg Margaritora ist optimistisch und sieht kaum Probleme für den elftägigen Papst-Trip: „Ich würde sagen, dass es keine medizinischen Gründe gibt, warum diese Reise nicht stattfinden sollte.“ Es sieht also so aus, als könnte Leo XIV. weiter aufs Tempo drücken.







