Es waren dystopische Bilder, die über Wochen die Berichterstattung prägten: Riesige Wald- und Grünflächen standen in Flammen, Hunderttausende Menschen flohen vor Rauch und Glut – in Südfrankreich, in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Deutschland, aber auch in Kanada und den USA. Von Jahr zu Jahr werden die Waldbrände verheerender und die Löscheinsätze schwieriger.

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Kanada und die Europäische Union wollen im Kampf gegen die Flammen nun gegensteuern und ihre Kräfte bündeln: Beim EU-Kanada-Gipfel Ende Oktober in Montreal wollen beide Seiten die gemeinsame Beschaffung von 50 neuen Löschflugzeugen des Typs De Havilland Canadair DHC-515 beschließen. Die Maschinen sollen ab 2030 in Kanada und Europa einsatzbereit sein.
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Hinter dem geplanten Großauftrag steht eine wachsende Herausforderung: Der Klimawandel erhöht weltweit das Risiko schwerer Waldbrände. Steigende Temperaturen, längere Dürreperioden und ausgetrocknete Böden schaffen Bedingungen, unter denen sich Feuer leichter ausbreiten können und schwerer eindämmen lassen. Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur dürfte die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr in weiten Teilen Europas weiter steigen – auch in Regionen, die bisher kaum betroffen waren.
Der geplante Schulterschluss zwischen Kanada und der EU zeigt vor allem eines: Die Staaten haben erkannt, dass sie ihre Fähigkeiten zur Waldbrandbekämpfung bündeln und besser koordinieren müssen. Die neuen Flugzeuge sind ein wichtiger Baustein.
Griechenland rüstet gegen Megafeuer auf
Die geplante Zusammenarbeit mit Kanada wäre nicht der erste Schritt Europas zu einer gemeinsamen Beschaffung. Bereits 2024 bestellten sechs EU-Mitgliedstaaten insgesamt 22 DHC-515. Das Programm wird mit rund 600 Millionen Euro aus EU-Mitteln unterstützt und ist Teil des europäischen Katastrophenschutzmechanismus rescEU. Zu den beteiligten Ländern gehört Griechenland, das sieben Maschinen vorgesehen hat. Auch Spanien hat sieben Flugzeuge bestellt; Frankreich, Kroatien, Italien und Portugal sind ebenfalls beteiligt.
Die ersten Auslieferungen werden für Ende 2027 erwartet. Die neue Initiative würde die europäische Beschaffung erheblich ausweiten. Sie soll zugleich die Zusammenarbeit mit Kanada stärken, das selbst mit verheerenden Waldbränden zu kämpfen hat.

Die Nachfrage nach Löschflugzeugen ist bereits jetzt so groß, dass neue Maschinen nicht kurzfristig verfügbar sind – obwohl der Hersteller De Havilland die Produktion hochfährt. Für Griechenland ist die Modernisierung besonders wichtig. Das Land wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von sogenannten Megafeuern heimgesucht, außergewöhnlich großen und intensiven Waldbränden, die man vom Boden kaum mehr bekämpfen kann. Die neuen Flugzeuge sollen die vorhandenen Löschkapazitäten verstärken und ältere Maschinen ersetzen.
Vom Meer zum Brandherd: Das Amphibienflugzeug tankt im Gleitflug
Die DHC-515 ist der modernisierte Nachfolger der schon legendären Canadair-„Wasserbomber“ der Typen CL-215 und CL-415. Das zweimotorige Amphibienflugzeug wurde speziell für die Brandbekämpfung aus der Luft entwickelt. Sein entscheidender Vorteil: Es kann Wasser direkt aus Seen oder dem Meer aufnehmen und muss dafür nicht zu einem Flugplatz zurückkehren.
Beim Gleitflug auf dem Meer kann die Maschine innerhalb von zwölf Sekunden ihren Tank mit 6100 Litern Wasser füllen. Anschließend fliegt sie zurück zum Brandherd und wirft die Ladung ab.
Die DHC-515 ist knapp 20 Meter lang, ihre Spannweite beträgt 28,6 Meter. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von rund 346 Kilometern pro Stunde und hat eine Reichweite von etwa 2300 Kilometern. Ein zusätzlicher Tank kann Löschschaum-Konzentrat aufnehmen.
Technik-Update macht Löschflugzeuge effizienter und wartungsfreundlicher
Gegenüber der Vorgängerin wurde vor allem die Technik modernisiert. Ein digitales Cockpit mit großen Bildschirmen verbessert die Übersicht der Piloten. Überarbeitete Systeme zur Steuerung des Wasserabwurfs sollen die Löschwirkung präziser machen. Auch Korrosionsschutz, Wartungsfreundlichkeit und Ergonomie wurden verbessert. Das ist wichtig, weil die Flugzeuge unter hoher Belastung arbeiten und häufig mit Salzwasser in Berührung kommen.
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Die kanadische DHC-515 spielt bisher allein in ihrer Klasse, könnte allerdings Konkurrenz aus Europa bekommen. Das französische Unternehmen Hynaero entwickelt mit Unterstützung von Airbus Defence and Space das Amphibienflugzeug Frégate F‑100. Es soll bis zu zehn Tonnen Wasser aufnehmen können – deutlich mehr als die DHC-515 – und mit 460 km/h auch erheblich schneller sein.
Noch ist die Frégate F-100 allerdings ein Entwicklungsprojekt. Nach Angaben von Hynaero sind erste Testflüge für Anfang 2031 und die ersten Auslieferungen für Ende 2032 vorgesehen. Ob das französische Flugzeug tatsächlich zum ernsthaften Wettbewerber wird, hängt davon ab, ob Entwicklung, Zulassung und Serienproduktion im Zeitplan bleiben. Der Bedarf ist jedenfalls groß: Die europäischen Länder müssen ihre alternden Flotten erneuern und zugleich zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Deutschland: Warum Löschflugzeuge nur bedingt helfen
Auch für Deutschland und andere nordeuropäische Staaten stellt sich die Frage, ob eigene Löschflugzeuge sinnvoll wären. Die Waldbrandgefahr nimmt durch heißere und trockenere Sommer zu. Doch große Amphibienflugzeuge wie die DHC-515 sind nicht überall die beste Lösung. In vielen deutschen Waldbrandgebieten fehlen geeignete größere Seen, aus denen sie schnell Wasser aufnehmen könnten. Hubschrauber, die auch an Land Wasser aufnehmen können, sind dort häufig flexibler einsetzbar.
Zudem sind Löschflugzeuge kein Ersatz für vorbeugende Maßnahmen, eine gute Ausstattung der Feuerwehren und eine bessere Waldpflege. Sie können Brände früh eindämmen und Einsatzkräfte am Boden unterstützen, sind bei starkem Wind, dichtem Rauch oder extremen Feuerbedingungen aber ebenfalls nur begrenzt einsetzbar.







