Rund anderthalb Wochen nach ihrer gescheiterten Hinrichtung in Tennessee hat Christa Pike das Krankenhaus verlassen. Sie sei mittlerweile in das Gefängnis zurückgekehrt, in dem sie seit über 30 Jahren inhaftiert war, teilten ihre Anwälte mit. „Sie wird im Gefängnis weiterhin medizinisch versorgt, und wir werden ihren Genesungsverlauf weiterhin verfolgen.“

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Am Donnerstag war bereits bekannt geworden, dass die 50-Jährige sich erstmals in ihrem Krankenhauszimmer bewegt hatte. Pike war den früheren Angaben zufolge zu dem Zeitpunkt geistig weiterhin etwas benommen und verlor leicht den Faden. Zugleich waren ihre Arme demnach noch schwer verletzt und kaum einsetzbar. Ob bleibende Schäden zurückbleiben, ist bislang unklar.

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Hinrichtung in den USA: Medikament wirkt nicht wie vorgesehen

Der US-Amerikanerin waren nach Angaben der Behörden die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden. Dennoch lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten sie noch längere Zeit schwer atmen hören können. Einer ihrer Anwälte sagte später sogar, er habe Pike nach der ersten Medikamentengabe noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde sie mit einem Krankenwagen in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.

Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023.
Christa Pike am 12. Januar 2023. (Archivbild)© Uncredited/Tennessee Department of Correction/dpa

Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.

Juristisches Tauziehen verzögert Hinrichtung bis zur letzten Minute

Noch wenige Stunden vor dem Hinrichtungsversuch war unklar gewesen, ob die Todesstrafe überhaupt vollstreckt werden würde. Ein Bundesberufungsgericht hatte die Hinrichtung zunächst kurzfristig gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte erneut mit der Frage beschäftigen, ob schwere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit und psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil ausreichend berücksichtigt worden waren.

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Der Bundesstaat Tennessee wandte sich daraufhin an den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub noch am selben Tag wieder auf und machte damit den Weg für die Hinrichtung frei. Einen weiteren Antrag Pikes gegen die Vollstreckung hatte der Supreme Court bereits am Vortag abgelehnt.

Probleme bei Hinrichtung: Anwälte schildern Komplikationen mit Giftspritze

Die genaue Ursache für die gescheiterte Hinrichtung ist weiterhin unklar – und soll durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden. Pikes Anwälte berichteten von erheblichen Problemen beim Legen der Venenzugänge. Einer ihrer Arme habe sich während der Hinrichtung violett verfärbt, später habe es Blasen und Verbrennungen an Einstichstellen gegeben. Die Strafvollzugsbehörde erklärte dagegen, das Hinrichtungsprotokoll sei vollständig abgearbeitet worden. 

Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte. Der Fall hat damit auch die seit Jahren geführte Debatte über die Todesstrafe in den USA und insbesondere über die Zuverlässigkeit von Hinrichtungen mit der Giftspritze erneut in den Fokus gerückt.

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Todesstrafe in Tennessee: Pike hofft auf Umwandlung in Haftstrafe

Pikes Anwälte forderten nach der gescheiterten Hinrichtung, ihre Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln, und kündigten weitere rechtliche Schritte an. In ihrer neuen Stellungnahme bekräftigten sie nun die Forderung an Tennessees republikanischen Gouverneur, Bill Lee, dass Pike statt der Todesstrafe lebenslang in Haft sitzen solle – ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. 

Lee hatte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung vergangene Woche abgesagt. Bereits im Mai musste Tennessee die Hinrichtung von einem anderen verurteilten Straftäter abbrechen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. 

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Ob man in Tennessee zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, Pike hinzurichten, ist unklar. Die „New York Times“ weist darauf hin, dass wahrscheinlich ihr Gesundheitszustand dafür entscheidend sein werde. Der Oberste Gerichtshof der USA habe die Hinrichtung von Personen untersagt, die den Grund für diese Bestrafung nicht rational nachvollziehen könnten, hält die Zeitung fest. 

dpa