Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt in einem neuen Bericht vor massiven Folgen lang anhaltender Hitzewellen und Dürren, die im Zuge der globalen Erwärmung immer häufiger auftreten könnten. „Fast 16.000 Menschen sind in Deutschland im Kontext der Hitzewellen dieses Sommers gestorben. Man kann mit Sicherheit sagen, dass das extreme Wettergeschehen ohne den Einfluss des Klimawandels nicht erklärbar ist“, sagte Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt beim DWD. In einem Faktenpapier, das der DWD zum Auftakt des Extremwetterkongresses in Hamburg veröffentlichte, sprechen die Autoren von nie dagewesenen Veränderungen.

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Laut Bericht war die Hitzewelle, die Mitte Juni in Deutschland begann, in den Wetteraufzeichnungen ohne Beispiel. „Ende Juni wurden Temperaturen von bis zu 41,8 Grad Celsius gemessen. An mehr als 95 Prozent der DWD-Stationen wurden im Laufe der drei Sommermonate neue Tages- oder Monatsrekorde registriert“, so der DWD. Viele kommende Sommer könnten jedoch noch heißer werden als 2026, warnt der DWD mit Blick auf die Erwärmungstrends: „Es ist gut möglich, dass wir in 30 Jahren zurückblicken und feststellen, dass der Sommer 2026 trotz seiner rekordverdächtigen Temperaturen noch einer der kühleren war.“
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Ökonomin Kemfert: Klimakrise verursacht Milliarden-Schäden
Auf dem Kongress in Hamburg diskutieren Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auch über die ökonomischen Folgen der Wetterextreme. Die volkswirtschaftlichen Schäden der Klimakrise und des Zögerns würden immer sichtbarer, sagte Prof. Claudia Kemfert, Leiterin Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Allein der Extremsommer 2026 hat in Deutschland nach einer aktuellen Studie volkswirtschaftliche Schäden von rund 36 bis 42 Milliarden Euro verursacht“, sagte Kemfert. Das entspreche etwa 0,8 bis 0,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Kemfert fordert höhere Investitionen in Klimaschutz und Anpassung. Am teuersten seien Produktivitäts- und Produktionsausfälle, Gesundheitsfolgen sowie Dürre und Niedrigwasser.. Die tatsächlichen Kosten dürften noch höher liegen, weil zahlreiche ökologische und indirekte Folgeschäden bislang nicht vollständig beziffert werden könnten, sagte sie. Laut Kemfert sind zwischen 2000 und 2021 in Deutschland mindestens 145 Milliarden Euro Klimaschäden entstanden, davon rund 80 Milliarden Euro allein seit 2018.
Ökonomisch ist die Botschaft eindeutig: Nicht Klimaschutz ist teuer – teuer ist das Nichthandeln.
Prof. Claudia Kemfert, Ökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
„Deutschland kostet das Zögern beim Klimaschutz somit jedes Jahr rund 11 Milliarden Euro“, so Kemfert. „Ökonomisch ist die Botschaft deshalb eindeutig: Nicht Klimaschutz ist teuer – teuer ist das Nichthandeln.“ Kemfert fordert von der Bundesregierung ein entschlosseneres Handeln vor allem im Bereich der Energiewende: Die Blockade beim Umbau hin zu günstiger Energie aus erneuerbaren Quellen für die Industrie treibe Deutschland nicht nur zurück in die energiepolitische Abhängigkeit, sondern gefährde auch den Wirtschaftsstandort durch zu hohe Energiekosten.
Klimawandel in NRW: Erderwärmung trifft das Bundesland besonders hart
Die Folgen des Klimawandels treffen NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland besonders hart, wie Daten des Landesamtes für Natur, Umwelt, Klima (LANUK) zeigen. NRW liegt inmitten Europas, das sich laut dem EU-Klimadienst Copernicus doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt. Ein Grund: Landflächen erhitzen sich schneller als Ozeane, weil diese viel mehr Wärme aufnehmen können.
Die Folgen der historischen Hitzewelle Ende Juni 2026 aber waren in NRW besonders stark zu spüren, sagte Ingo Wolff, Dezernent im Fachzentrum Klima des Landesamtes, der Redaktion. „Wir sind im Gegensatz zu Frankreich und erst recht den anderen Mittelmeerländern völlig unzureichend auf Hitze vorbereitet, vor allem, was den Gebäudebestand betrifft“, so Wolff. Im Vergleich zu anderen Ländern seien nur sehr wenige Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Pflegeheime mit genügend baulichem Hitzeschutz ausgestattet. „Auch dicht besiedelte Räume in NRW, im Rhein-Main-Gebiet und anderen Ballungsräumen am Oberrhein und um Berlin speichern Hitze besonders gut, was in den wärmsten Regionen in Deutschland doppelt schwer wiegt.“

Die im Sommer über Wochen anhaltenden Hitzewellen zeigten, wie sich die besonders stark versiegelten Bereiche in Städten und Gemeinden aufheizten. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts starben bis zum 28. Juni rund 1230 Menschen in NRW hitzebedingt, bundesweit rund 5100. Wie gefährdet die Ballungsräume in NRW sind, zeigt eine Analyse des LANUK. Rund 7,5 Millionen Menschen in NRW leben demnach derzeit in Wohnquartieren, in denen im Hinblick auf Hitzeschutz dringender Handlungsbedarf bestehe. Das entspreche knapp 42 Prozent der Landesbevölkerung.
„Wie unsere Kommunen auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind, entscheidet sich vor Ort, etwa an Gewässerläufen, in den Wohnvierteln, auf Grünflächen und Schulhöfen“, sagte LANUK-Präsidentin Elke Reichert. Klimaschutz und Klimafolgenanpassung seien zwei Seiten derselben Medaille und müssten gemeinsam gedacht werden. Nur so könne die Bevölkerung besser vor den Folgen von Hitze, Starkregen und anderen Klimarisiken geschützt werden.









