83 Jahre lang existierte LS6 nur als Aktenvermerk in einem Verlustbericht der Kriegsmarine, in den Tiefen des Militärarchivs Freiburg. Das „Leichte Schnellboot 6“ war im September 1943 nach einem alliierten Luftangriff im Ionischen Meer gesunken. Die Nazi-Marine hatte noch versucht, das Boot in Sicherheit zu schleppen, doch die Schäden waren zu groß. Der Rumpf von LS6 lief voll, das Boot sank auf rund 96 Meter Tiefe.

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Erst im Jahr 2013 leitete der Marinehistoriker Peter Schenk einen Hinweis an griechische Kollegen weiter. Er war im Archiv auf ein ungewöhnliches Fahrzeug der Kriegsmarine gestoßen. Es begann eine 13 Jahre lange Suche. Der Historiker Giorgos Karelas und ein Tauchteam von AeganTec werteten Dokumente, historische Berichte und Karten aus, um den Ort des Untergangs von LS6 eingrenzen zu können. Am 1. August 2026 endete ihre Suche, als in der Tiefe die Schemen eines Bootes auftauchten. Nahezu intakt hatte LS6 acht Jahrzehnte lang im Dunkeln gelegen.

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Taucher fanden entscheidenden Hinweis am Bug

Im Lauf der Untersuchung des Wracks verdichteten sich die Hinweise stetig. Die Länge von 12,5 Metern stimmte mit der des Schnellbootes überein. Der Rumpf war aus Aluminium gefertigt, was den guten Erhaltungszustand erklärt. Im Bericht der Expedition heißt es: „Vor uns tauchte die perfekt erhaltene Silhouette eines kleinen, schnellen Bootes auf, das aufrecht im Meeresboden stand, als wäre es bereit, zu seiner nächsten Mission aufzubrechen.“ Die Form des Rumpfes passte ebenfalls zu einem leichten Schnellboot.

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Mit einer Kamera betrachteten die Taucher das Innere des Wracks und konnten zwei Jumo-Flugzeugmotoren erkennen – die Zweitakt-Dieselmotoren brachten unter anderem Flugboote von Dornier und Blohm & Voss zum Fliegen. Am Heck zeigte sich eine Anlage zum Abwurf von Wasserbomben. Den ausschlaggebenden Beweis für den Fund von LS6 aber fanden die Taucher am Bug: Reste eines Taus, mit dem das Schnellboot abgeschleppt worden war, ließen jeden Zweifel schwinden.

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Schnellboot bleibt in der Tiefe

LS6 war zusammen mit seinem Schwesterschiff LS5 nach Griechenland gebracht worden und sollte für Einsätze der deutschen Kriegsmarine genutzt werden, teilten die griechischen Forscher mit. Die Boote waren ursprünglich mit Torpedos bewaffnet, dann aber für die U-Jagd umgebaut worden. Diesem Zweck dienten LS5 und LS6 nie. Das benötigte Sonar war im Einsatz im Schwarzen Meer. So fiel den Schnellbooten wohl die Rolle schneller Aufklärer zu, bevor sie 1943 nacheinander bei Luftangriffen zerstört beziehungsweise beschädigt wurden.

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Die genaue Position des Wracks bleibt ein Geheimnis. Eine Bergung ist ausgeschlossen. Das Aluminium würde nach so langer Zeit im Salzwasser den Kontakt mit Sauerstoff nicht gut vertragen, was eine Erhaltung aufwendig und teuer machen würde. Dazu unterliegt LS6 als Unterwasser-Kulturerbe besonderem Schutz. Stattdessen soll aus Tausenden Fotografien des Wracks ein maßstabsgetreues 3D-Modell entstehen.