Erneute Sorge um Königin Mette-Marit von Norwegen: Anders als geplant, kann die 53-Jährige am heutigen Freitag (2. Oktober) nicht an der feierlichen Parlamentseröffnung im Storting, wie das norwegische Parlament genannt wird, teilnehmen. Grund für das Fernbleiben Mette-Marits bei der Zeremonie soll eine Atemwegsinfektion sein, wie mehrere norwegische Medien berichten. Das norwegische Königshaus bestätigt die Absage gegenüber dem Boulevardblatt „Se og Hør“: „Ihre Majestät die Königin kann heute, am Freitag, dem 2. Oktober, aufgrund einer Atemwegsinfektion leider nicht an der Eröffnung des Storting teilnehmen.“

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die neue Königin musste in letzter Zeit bereits mehrfach öffentliche Termine aus gesundheitlichen Gründen absagen. Unter anderem bei der Trauerfeier des verstorbenen König Harald am 9. September sowie am 1. September, als ihr Ehemann seinen Eid auf die Verfassung im Parlament ablegte. Allerdings ist jede Infektion ein Risiko für Mette-Marit, nachdem sie im Juni aufgrund ihrer schweren Lungenfibrose eine lebensrettende Lungentransplantation erhalten hatte.

Mette-Marit fehlt bei Parlamentseröffnung: Infektion schwächt neue Königin

Bei der für Freitag um 13 Uhr angesetzten feierlichen Parlamentseröffnung im Storting sollte Mette-Marit an der Seite ihres Ehemanns König Haakon (53) dabei sein, der die Zeremonie leitet. Die Atemwegsinfektion der Königin macht der Königsfamilie nun einen Strich durch die Rechnung.

Haakon führt die in Norwegen äußerst bedeutende Zeremonie erstmals als Staatsoberhaupt durch. Der König verliest dabei die von der Regierung verfasste Eröffnungsrede. An seiner Seite, auf dem historischen und erst 2023 restaurierten „Königinnen-Stuhl“, nimmt anstelle von Mette-Marit nun Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) Platz.

Auch interessant

Mette-Marit: Nach der OP sollte sie sich schonen

Eigentlich sollte doch alles besser werden. Mette-Marit ging es vor der Lungentransplantation im Juni extrem schlecht. Sie konnte keine öffentlichen Auftritte mehr wahrnehmen. Ihre Lungenfibrose war so weit fortgeschritten, dass die Sauerstoffversorgung des Blutes massiv verringert war. Schon bei kleinsten Anstrengungen war die damalige Kronprinzessin von Norwegen außer Atem und erschöpft. Die Lungentransplantation also sollte eine Erlösung sein. Damit sie zu Kräften kommen kann, sei aber laut ihrer Ärzte eins ganz besonders wichtig: Ruhe.

Und genau von dieser Ruhe kann nicht die Rede sein, in Zeiten, in denen sich Norwegens Monarchie neu aufstellt. Ihr Mann wird König, sie wird Königin. Eine gewaltige Aufgabe. Nach wie vor gibt es die strenge Anweisung ihrer Ärzte, sich zu schonen.

Königshaus Norwegen - Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit
Selbst ihren 25. Hochzeitstag am 25. August haben Haakon und Mette-Marit nicht richtig feiern können. Hier verlassen sie am Tag der Silberhochzeit das Rikshospitalet, wo König Harald V. behandelt wurde.© Ole Berg-Rusten/NTB/dpa | Ole Berg-Rusten

Lungenfacharzt: Diese Komplikationen sind besonders häufig

Nach einer Lungentransplantation, die als eine der anspruchsvollsten Operationen in der modernen Medizin gilt, benötige der Körper unbedingte Ruhe und Erholung. Der Organismus müsse das alles erstmal verkraften, erklärt Dr. Markus Kamler, Leiter der Abteilung für thorakale Transplantation am westdeutschen Zentrum für Organtransplantation des Universitätsklinikums Essen. Auch könne es, wie bei Mette-Marit Anfang September bekannt wurde, durchaus zu Komplikationen kommen.

Zu den häufigsten Problemen gehörten Infektionen – vor allem in den ersten drei Monaten. Das hat etwas mit der Therapie zu tun: Um die gefürchtete Abstoßung des körperfremden Organs zu verhindern, sei das Immunsystem mit Medikamenten, den sogenannten Immunsuppressiva, zum Teil „abgeschaltet“. Das hat Folgen: Das körpereigene Abwehrsystem könne dann auch nicht gegen Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze einschreiten. Wie sehr man das Immunsystem herunterfährt, sei ein „Balanceakt“, es müsse genau abgewogen werden. Dafür gebe es kein Patentrezept, sondern das „ist bei jedem Patienten anders“, so Kamler.

Physiotherapie, Ernährung: Darauf muss Mette-Marit jetzt achten

Die Infektionen ließen sich jedoch „in der Regel recht gut behandeln“, erklärt Dr. Markus Kamler. Bei bakteriellen Infekten stehe zum Beispiel eine antibiotische Therapie zur Verfügung. Zudem würden die Ärzte dann häufig dazu übergehen, vorübergehend die Dosis der immunsuppressiven Medikamente zu reduzieren. Allerdings gebe es auch komplexere Verläufe: „Wenn die Infektion zu einer sogenannten Sepsis, also zu einem schwersten Infekt, führt, ist die Behandlung erschwert“, so Kamler, und oft ein langer Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich. Auch könnte es zu Komplikationen wie Bronchusheilungsstörungen oder Wundheilungsstörungen kommen. „Das Erste ist schwer zu behandeln, das Letztere gut.“

Als häufiges Problem, das nach einer Transplantation auftritt, gilt auch die chronische Lungentransplantat-Dysfunktion, kurz CLAD genannt. Dabei verschlechtert sich die Funktion der transplantierten Lunge nach und nach. Dies sei aber im „Frühverlauf in der Regel nicht relevant“, sagt Kamler, sondern könne „bei etwa dreißig bis fünfzig Prozent der Betroffenen nach drei bis fünf Jahren oder später eintreten“.

Um sich grundsätzlich nach einer Schwäche wieder zu erholen, seien die Lebensumstände enorm hilfreich. Dr. Markus Kamler empfiehlt: „Physiotherapie und besonders Atemtherapie, gesunde Ernährung und Unterstützung durch Freunde und Familie“. Was Mette-Marit angeht, so wird es einer Königin an einer optimalen Versorgung nicht mangeln. Und Unterstützung durch die Familie ist auf jeden Fall gegeben.