Von der ESC-Moderation über die Eberhofer-Krimis bis zu „Ein Krimi aus Passau“ (neue Folgen ab 10. September um 20.15 Uhr in der ARD) – der Österreicher Michael Ostrowski ist in der deutschsprachigen Medienlandschaft ein Mann für alle Fälle. Als Ausgleich für seine zahlreichen Aktivitäten genießt der 53‑Jährige das Landleben und guten Kaffee. Im Interview erklärt er, ob er den Song Contest wieder moderieren würde, was ihn mit dem Norden Deutschlands verbindet und was der schwerste Abschied seines Lebens war.

In der Folge „Verlorene Seelen“ hat es Ihre Figur mit vermeintlich übersinnlichen Erscheinungen zu tun. In einem Interview meinten Sie, Sie seien für solche Phänomene aufgeschlossen.

Michael Ostrowski: Mich befreit das von der rein materialistischen Sicht der Welt. Als Kind waren solche Erzählungen für mich immer normal. Später habe ich mir mehr Gedanken darüber gemacht. Das liegt zum einen daran, dass eine vehemente Gegnerschaft diese Dinge abstreitet, weil sie wissenschaftlich nicht oder bis jetzt nicht erklärbar sind, und zum anderen daran, dass eine große Anzahl von New-Age-Scharlatanen das Ganze esoterisch ausschlachtet. Ich glaube jedenfalls sagen zu können, dass ich – zumindest immer wieder mal – fest mit beiden Beinen auf der Erde stehe und kein Esoterik-Fuzzi bin.

„Es dauert, bis man meine Sprache und meinen Humor versteht“

Manche Menschen haben ja Rituale, die man als abergläubisch empfinden könnte. Wie ist das bei Ihnen?

Das habe ich nicht, aber vor Bühnenauftritten sage ich immer: „Toi, toi, toi“. Das habe ich auch vor jeder Show beim Eurovision Song Contest dem ganzen Team gewünscht.

Würden Sie eigentlich erneut die Moderation des ESC übernehmen, wenn Österreich wieder gewinnen sollte?

Ich würde es jederzeit wieder machen. Das Publikum in der Wiener Stadthalle war sensationell. Wir sind so warmherzig empfangen und auch verabschiedet worden, das war überwältigend. Insgesamt haben wir zwölf Shows moderiert, neunmal 10.000 Menschen. Es war eine extrem fordernde Zeit. Aber das Team rund um den ESC war unglaublich motiviert und gut. So etwas einmal gemacht zu haben, kann dir keiner mehr nehmen. 

Sie sind aber nicht einfach nur Moderator, sondern auch preisgekrönter Drehbuchautor und Regisseur. Haben Sie mit Ihren Vorlieben in die festen Strukturen des ESC gepasst?

Ich bin normalerweise beim Moderieren mehr Autonomie gewohnt. Beim ESC kannst du nicht den ganzen Text selbst schreiben, es gibt viele Vorgaben. Das habe ich gewusst, und es war okay so. Ich glaube, ein Teil des Publikums hat die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie hinter meiner Haltung nicht immer verstanden, aber damit kann ich gut leben. So ist es mir auch in Österreich am Anfang gegangen. Es hat auch gedauert, bis man in Deutschland meine Sprache und meinen Humor so halbwegs verstanden hat. 

Bis auf den Knochen. Ein Krimi aus Passau
Seit 2020 spielt Michael Ostrowski die Rolle des Ferdinand Zankl in der ARD-Reihe „Ein Krimi aus Passau“ und steht gemeinsam mit Schauspielkollegin Marie Leuenberger vor der Kamera.© BR/ARD Degeto Film | Hager Moss Film GmbH/Bernd Schuller

Michael Ostrowski: Zwischen harter Arbeit und Lässigkeit

So manche Ihrer Formate wie der Passau-Krimi, „Trost und Rath“ oder auch die Eberhofer-Filme sind in Österreich und Bayern angesiedelt. Wie ist Ihr Verhältnis zu den nördlicheren Gefilden Deutschlands?

Ich habe viele Freunde und Wegbegleiter aus dem hohen Norden, die ich sehr schätze. Mit Detlef Buck habe ich einige Filme gedreht und Sven Regener hat die Premierenlesung meines Romans „Der Onkel“ in Wien mit mir gemacht. Mein Verlag Rowohlt sitzt in Hamburg, also fühle ich mich auch vielen Deutschen aus dem Norden sehr nahe. Genauso wie Anke Engelke, mit der ich gerade wieder in Köln drehe. 

Sie und Ihre Lebensgefährtin und Kollegin Hilde Dalik scheinen auch eine Vorliebe für die Provinz zu haben. Während Sie in Passau drehen, spielt sie im „Bergdoktor“.

Ich bin in der sogenannten Provinz aufgewachsen, in der Obersteiermark. Mir hat es an nichts gefehlt. Das war für mich später dann eher von Vorteil, weil ich mich mehr geerdet gefühlt habe als viele Kolleginnen und Kollegen aus der Stadt. Ich brauche beides zum Leben, Stadt und Land. Nur eines wäre fad. Meine Tendenz ist aber eher hin zum Land.

Mehr Promi-News

Und Sie brauchen offenbar auch Bewegung. Ihr Freund Helmut Köpping, mit dem Sie viel zusammengearbeitet haben, hat Sie in einem Interview als „Streuner“ beschrieben.

Helmut Köpping ist ja selbst ein großer Streuner, deswegen sagt er das. Wir streunen gerne, weil es eine Art ist, das Leben mit einer gewissen Lässigkeit zu beobachten und sich daran zu erfreuen. Und man sollte auch ein wenig herumstreunen, weil man da viele interessante Menschen kennenlernen kann. Und das fließt dann wiederum in die Arbeit ein. Ich bin eine Art Streuner-Streber. Streunen im Leben, Streben in der Arbeit.

Schauspieler über Abschiede: „Er war mein Freund und Kompagnon“

Wer streunt, der muss sich aber auch verabschieden können. Wie gut sind Sie darin? 

Generell kann ich schon Abschied nehmen. Nach dem einen Projekt kommt das nächste, und das ist gut so. Aber Filme, an denen ich jahrelang geschrieben habe, strahlen natürlich immer auch ins Jetzt aus. Ich glaube, man sollte beides machen: sich an die guten Dinge erinnern und trotzdem loslassen, um Neues zu erkunden. Ich habe sehr viele Jahre viel Theater gespielt, und das mache ich seit Langem nicht mehr. Und dieser Abschied war leicht, weil ich mich einfach mehr aufs Filmemachen konzentrieren wollte.

Mein schwerster Abschied war von Michael Glawogger, der mein Freund und Kompagnon war. Mit ihm habe ich begonnen, Filme zu schreiben und zu drehen. Er ist 2014 in Afrika gestorben, als er einen Dokumentarfilm gedreht hat. Bitte schaut seine Filme an, die sind großartig!

Vermutlich sind Sie nicht nur auf diese Filme, sondern auch auf die „Krimis aus Passau“ stolz.

Es ist da wirklich was entstanden, ich merke das an den Reaktionen der Leute. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir in den Entstehungsprozess der Drehbücher eingebunden sind. Wir versuchen, unsere Figuren immer ernst zu nehmen und deren innerer Logik zu folgen, ohne den Humor zu verlieren.

Wenn Sie sich noch eine andere Stadt für eine Krimi-Reihe wünschen könnten, welche wäre das?

Da nehme ich Triest. Nah an Graz, direkt am Meer und mit sehr gutem Kaffee.