Ein Forschungsteam verschiedener spanischer Einrichtungen untersucht ein ebenso makabres wie faszinierendes Relikt aus der Eisenzeit, das damals offenbar weit verbreitet war. Archäologen entdeckten an den Fundstätten Puig Castellar bei Barcelona und Ullastret in der Provinz Girona abgetrennte menschliche Schädel, die mit Eisennägeln durchbohrt und gut sichtbar an Wänden befestigt worden waren. Welche Bedeutung hatte dieses eindrucksvolle und zugleich verstörende Ritual?
Schädel an der Wand: Das unheimliche Ritual der iberischen Eisenzeit
Die Funde aus Puig Castellar und Ullastret standen im Mittelpunkt einer Studie der Universitat Autònoma de Barcelona, des Museu d‘Arqueologia de Catalunya und des Institut Català d‘Arqueologia Clàssica, über die „ZMEscience“ berichtet. Zusätzliche archäologische Entdeckungen in Olèrdola und Molí d’Espígol unterstreichen die Bedeutung dieser Untersuchungen und deuten darauf hin, dass das Ritual der abgetrennten menschlichen Schädel in der iberischen Eisenzeit wesentlich weiter verbreitet war, als die Forschung lange Zeit angenommen hatte.
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Um die Hintergründe dieser Praxis besser zu verstehen, untersuchten die Wissenschaftler die Schädel aus Puig Castellar und Ullastret mithilfe einer Isotopenanalyse, um die Herkunft der Verstorbenen zu bestimmen. Der Zahnschmelz bewahrt über viele Jahre hinweg chemische Merkmale der Region, in der ein Mensch aufgewachsen ist, und dient dadurch als geologische Zeitkapsel. Die Analysen zeigten, dass in Puig Castellar lediglich eine Person aus der näheren Umgebung stammte, während die drei übrigen Schädel auf Herkunftsregionen mit anderen geologischen Merkmalen schließen ließen.

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In Ullastret ergab sich ein differenzierteres Bild. Zwei der drei untersuchten Personen waren vermutlich in der Region aufgewachsen, während die dritte eine chemische Signatur aufwies, die auf eine Herkunft außerhalb des lokalen Umfelds hindeutet.
Rätselhafte Schädel: Kriegstrophäen oder Ahnenverehrung
Die Ergebnisse zeigen eine Mischung aus einheimischen und ortsfremden Personen, sodass sich bislang keine der beiden führenden Hypothesen eindeutig bestätigen lässt. Wären sämtliche Schädel Menschen aus anderen Regionen zuzuordnen, würde dies die Deutung als Kriegstrophäen stützen, die als Zeichen des Sieges öffentlich präsentiert wurden. Ebenso spricht die unterschiedliche Herkunft der Verstorbenen gegen die Annahme, dass ausschließlich ein Ahnenkult hinter dem Ritual stand.
Zusätzliche Hinweise liefert der Fundort der Schädel. In Puig Castellar lagen sie im Bereich der Siedlungsmauer und dürften ursprünglich an gut sichtbaren Stellen befestigt gewesen sein. Dies spricht für eine öffentliche Inszenierung, die der Demonstration von Macht oder der Abschreckung potenzieller Gegner gedient haben könnte. In Ullastret wurden die Schädel dagegen in Wohnbereichen entdeckt, wo sie vermutlich an Wänden oder Türrahmen benachbarter Häuser angebracht waren. Dieser Befund deutet auf einen engeren rituellen Zusammenhang hin.
Nach Ansicht der Forscher ist daher denkbar, dass die festgenagelten Schädel mehrere Funktionen zugleich erfüllten und sowohl der Einschüchterung von Feinden als auch der Verehrung bedeutender Vorfahren dienten.
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Aufwendige Bearbeitung der Schädel in der Eisenzeit
Weitere Hinweise auf die Bedeutung dieses Rituals liefern Funde aus Olèrdola, die im Rahmen einer ergänzenden Studie untersucht wurden. Archäologen entdeckten dort fünf Fragmente aus dem Gesichtsbereich und dem vorderen Teil eines Schädels, der einem jungen Menschen im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren zugeordnet werden konnte. Feine Schnittspuren im Bereich des Kiefers deuten darauf hin, dass Weichteile im Gesicht gezielt entfernt wurden. Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler Rückstände von Kiefernharz, Ölen, Wachsen sowie tierischen oder pflanzlichen Fetten. Diese Stoffe könnten zur Konservierung oder gezielten Vorbereitung des Schädels für eine öffentliche Präsentation verwendet worden sein.
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Auch die weiterführenden Analysen zur Herkunft des Jugendlichen liefern ein aufschlussreiches Ergebnis. Demnach stammte er nicht aus der Region von Olèrdola. Ob er bereits zu Lebzeiten dorthin gelangte oder sein Schädel erst nach seinem Tod als Trophäe an diesen Ort gebracht wurde, lässt sich mit den bislang verfügbaren Befunden jedoch nicht klären.









