In „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ (Ausstrahlung am 30. August um 20.15 Uhr im ZDF, ab 21. August ab 10 Uhr in der Mediathek) dreht sich alles ums Beziehungsleben. Damit hat auch Dominic Raacke viele Erfahrungen gesammelt, sodass er jetzt mit 67 gelassener an Liebesthemen herangeht, wie er im Interview gesteht. Die gleiche Entspanntheit zeigt er nach unzähligen Film- und Fernseheinsätzen, unter anderem als Berliner „Tatort“-Kommissar, bei seinem Job, obwohl er damit nach eigenem Bekunden „selten zufrieden“ ist.

Im Zentrum des Films steht eine Wingwoman, also eine Dating-Beraterin. Wären Sie denn selbst ein guter Wingman?

Dominic Raacke: Ich glaube, ja. Nicht, dass ich das schon getan hätte, aber ich habe durchaus das Talent, Situationen einzuschätzen und jemandem beizustehen. Die Liebe kann ja im Kopf konfus machen, und da hilft es, einen Ansprechpartner zu haben.

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Und das haben Sie bislang noch nie gemacht?

Ich habe eine Tochter, und da ging es schon mal um Liebesthemen, zu denen man sich besprochen hat. Aber ich habe sie nicht durchgehend bis hin zu einer Beziehung betreut. 

Haben Sie Menschen, bei denen Sie in der Hinsicht um Rat fragen können?

Ja, sowohl in meiner Familie als auch im Freundeskreis.

Das Balzverhalten von Männern ist ja teilweise sehr grotesk, wie auch im Film zu sehen ist. Wie sind Ihre Erfahrungen in dieser Hinsicht?

Ich habe mich schon gelegentlich an den Kopf gegriffen – nach dem Motto: „Was machst du da?“ In der Phase des Verliebtseins denkt man eben nicht klar. Aber das gilt für beide Seiten.

Gab es Situationen in Ihrem Dating-Leben, die Sie bereut haben?

Definitiv ja. Da hätte ich ein wenig bedächtiger und ruhiger sein müssen. Aber da treiben einen nun mal die Hormone an. 

Eine Wingwoman verliebt sich nicht
Dominic Raacke verkörpert in „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ den Assistenten Heiner, Seite an Seite mit Chiara Schoras (r.), die die Wingwoman Caro spielt, und Sarah Bauerett in der Rolle der Anya.© ZDF und Gordon Muehle | Gordon Muehle

Männer beklagen ja, dass sie Frauen nicht verstehen können. Sehen Sie das auch so?

Ich denke schon, dass ich dazu ansatzweise imstande bin. Ich bin mit einer Mutter und einer Schwester aufgewachsen. Ich habe viel mitbekommen, wie sie sich miteinander auseinandergesetzt haben, selbst wenn ich da eher der Beobachter war. Es macht auch das Ding für Männer und Frauen so interessant, dass wir uns nicht komplett verstehen. Da gibt es die Sehnsucht nach etwas Unbekanntem, das man besser begreifen will, was dann wiederum für die gegenseitige Anziehung sorgt. 

Dominic Raacke: Mit dieser Rolle war er besonders zufrieden

Aber jetzt gehen Sie an das Thema Beziehungen entspannter heran als früher?

Ja, denn im reiferen Alter ist man nicht mehr so aufgeheizt und geht das Ganze mit klareren Gedanken an. Man will jemanden finden, mit dem man ein schönes Leben führen kann, und braucht nicht mehr dieses Abenteuer. Deshalb lässt man sich auch fürs Kennenlernen mehr Zeit. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu prüfen und das Ganze eine Zeit lang auszuprobieren. 

Sehen Sie sich eigentlich privat romantische Komödien an?

Wenn es etwas zu lachen gibt, dann bin ich schon dabei, aber es muss keine Liebesgeschichte sein. Romantische Komödien sind nicht mein Fachgebiet.

Im Film sind Sie als Onkel der weiblichen Hauptfigur besetzt. Hätten Sie lieber das männliche Objekt der Begierde gespielt?

Die Liebhaberrollen habe ich oft gespielt, aber in meinem Alter ist es so, dass man eben als Vater, Onkel oder Opa besetzt wird. 

Und damit sind Sie zufrieden?

Ich bin selten zufrieden. Man ist immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Angeboten – besonders den Hauptrollen. Aber in anderen Projekten spielen auch noch die Alten Liebhaber.

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Mit welchen Rollen waren Sie denn rundum zufrieden?

Zum Beispiel mit dem Kommissar Till Ritter, den ich im „Tatort“ bis 2014 gespielt habe. Das war eine Hauptrolle, und da gab es immer etwas zu entdecken. Und auch in „Um die 30“, von dem wir dann 2021 noch eine Fortsetzung gedreht haben, habe ich mich in jeder Hinsicht gesehen. 

Vitalität und Gesundheit: So fit fühlt sich der Schauspieler mit fast 70

Sie haben viel deutsche Film- und Fernsehgeschichte miterlebt. Was sind aus Ihrer Sicht die gravierendsten Veränderungen?

Durch die Streamer gibt es andere Erzählweisen. Da will man nicht einfach ein Zielpublikum bedienen, und dadurch ist das Spektrum größer geworden. Man kann da Geschichten erzählen, die etwas radikaler oder witziger sind. Und ich arbeite jetzt öfter mit jungen Teams zusammen – auch vielen jüngeren Regisseurinnen. Da findet sich unheimlich viel Talent, weil die Ausbildung besser geworden ist. So gesehen bin ich guter Dinge, was die nächste Generation von Filmschaffenden angeht. 

Und der Nachwuchs zeigt Ihnen gegenüber als Alterfahrenem genügend Respekt?

Man soll mir gegenüber nicht respektlos sein, aber ich brauche jetzt nicht speziell Respekt. Ich will einfach mit Leuten gut und vertrauensvoll im Team arbeiten. 

Es gibt ältere Kolleginnen, die bei Rollenangeboten eine Altersdiskriminierung kritisieren. Wie erleben Sie das?

Für meinen Teil sehe ich das nicht. Natürlich werden große Liebesgeschichten meistens mit Leuten zwischen 30 und 50 besetzt. Das ist die Kerngruppe. Aber schon bei Shakespeare sind die Protagonisten eher jung. Ich empfinde es als normal, dass man ab einem bestimmten Alter in ein anderes Rollenfach kommt.

In gut zwei Jahren erreichen Sie schon die 70. Wie surreal kommt Ihnen diese Zahl vor?

Wenn ich die Zahl sehe, denke ich mir „Wow“. Das kann man sich kaum vorstellen. Mit 70 habe ich eher das Alter meiner Großeltern verbunden. Aber eigentlich beschäftigt mich das nicht. Ich spüre das auch körperlich nicht. Natürlich habe ich ein paar Wehwehchen, aber ich fühle mich relativ fit und denke nicht: „Oh Gott, es geht zu Ende.“

Sprechen wir lieber über Anfänge. Können Sie denn nach über 50 Jahren Schauspielerei noch sagen, warum Sie diesen Beruf gewählt haben?

Weil ich den Wunsch hatte, mich zu zeigen. Es gibt so zwei Typen von Schauspielern. Die einen sind die Pausenclowns, die schon immer im Mittelpunkt stehen wollten. Die anderen stehen eher im Hintergrund und beobachten, aber sie trauen sich das nicht so richtig, selbst wenn sie den Wunsch haben, das zu tun. Und zu den Letzteren gehöre ich. Es war ein Drang in mir, und dem bin ich gefolgt.