Von „Kommissar Rex“ bis zum „Jedermann“ – die Bandbreite von Tobias Morettis Rollen ist enorm. Jetzt fügt der 67-Jährige seinem Repertoire einen gescheiterten Unternehmer in der ZDF-Miniserie „München Beats“ (ab 7. August in der Mediathek, Ausstrahlung ab dem 26. August um 20.15 Uhr) hinzu. Und so vielfältig wie seine Schauspieleinsätze ist auch seine Gedankenwelt, ob er nun über Technomusik, Künstliche Intelligenz oder Landwirtschaft spricht.
Die Miniserie spielt in der Münchner Technoszene der 90er. Was haben Sie seinerzeit davon mitbekommen?
Tobias Moretti: Da war ich ja noch in München, an den Kammerspielen, und darum nah dran. Mich interessiert das ganze Spektrum der Musik, von der Klassik bis zum Pop. Und auch die Technoszene war ein Teil meiner jungen Jahre.
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Und wie ist es jetzt?
Wenn Techno mich ab und zu streift, ist es okay. Ich kann es nur nicht aushalten, wenn eine musikalische Phrase sich gar nicht mehr vorwärtsbewegt und sich von der Musik in einen Zustand verwandelt. Musik hat für mich immer auch etwas mit Drama zu tun, das gilt nicht nur für die Oper, sondern für jede Art von Musik. Wenn ich mit musikalischer Kunst aus dem Hier und Jetzt entfliehen will, dann muss ich beim Hören noch dranbleiben können.
Sie spielen in der Serie einen Unternehmer, der nicht so aufgeschlossen ist wie Sie und keine modernen Trends erkennen kann. Was hilft Ihnen persönlich, den Finger am Puls der Zeit zu haben?
Ich habe einen Beruf, der mich dazu zwingt, in einem Dialog mit der Zeit zu bleiben und ständig zu reflektieren. Diese Konfrontation mit der Welt kann manchmal sehr heftig sein. Aber woher sollte ich denn mein Material nehmen, wenn nicht aus dem Leben, das mich umgibt? Nur so kann ich mich beispielsweise in das Leben dieses Unternehmers hineindenken, der sich in der modernen Welt nicht mehr zurechtfindet. In den 90ern mit der New Economy haben die Leute angefangen, ihre Träume zu leben, wie das vorher nicht möglich war. Und das geschieht auch in seiner Familie.
Die New Economy hing ja mit der Digitalisierung zusammen, die längst die Welt erobert hatte. Inzwischen ist die Künstliche Intelligenz beinahe überall. Wie kommen Sie damit klar?
Offen gestanden kann ich mir diese ganze Situation gar nicht wirklich vorstellen. Seinerzeit konnte man sich den digitalen Möglichkeiten noch verweigern, aber inzwischen ist das fast ein Zwang geworden, weil vieles gar nicht mehr analog funktioniert. Alles hat sich weiterentwickelt, ohne dass wir es richtig gemerkt haben, und jetzt stehen wir da und können nicht mehr nachvollziehen, was innerhalb der KI wirklich passiert.

Tobias Moretti: „Manches macht mir persönlich Angst“
Wie ist generell Ihr Verhältnis zu der digitalen Welt?
Es gibt da schon auch manches, was mir persönlich Angst macht. Denn dieser Bereich hat eine unfassbare Dimension an manipulativer Kraft. Wenn jemand in seiner Persönlichkeit nicht so gefestigt und in seine Umgebung eingebettet ist, sondern alleingelassen wird, dann driftet er schnell in eine Parallelwelt ab, in der er sich ungebremst überhöht.
Sie selbst wurden vor vier Jahren brutal mit der realen Welt konfrontiert, als Ihre Frau vor Ihren Augen auf Ihrem Hof mit einem Quad 30 Meter in die Tiefe stürzte. Hat sie sich inzwischen ganz davon erholt?
Absolut.
Wie geht man danach an das Leben heran? Mit einer gestiegenen Dankbarkeit?
Selbstverständlich. Und mit noch größerer Bewusstheit.
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Ist denn Ihr Bauernhof so etwas wie ein Gegenpol zu der Hightech-Gesellschaft, in der wir leben?
Ich weiß nicht, ob man von einem Gegenpol sprechen kann, denn gerade wir arbeiten mit modernen technischen Mitteln. Ansonsten könnten wir gar nicht existieren. Aber es stimmt schon, es ist keine digitale, sondern eine wahre, wirkliche Welt.So wie ich in meiner Arbeit als Künstler auch mit der Wirklichkeit konfrontiert bin, sonst hätte sie keinen Sinn. Egal, ob man eine Arbeit mit den Händen oder im Kopf macht, es ist immer eine Arbeit. Und beides macht mich als Menschen aus. Es geht dabei immer um wahre Probleme von Menschen, über die ich mit allen Teilen reflektiere, aus denen ich gemacht bin.
In einem Interview sagten Sie einmal: „Lebe, liebe, lache gut und mache deine Sache gut.“ Inwieweit gilt das weiterhin?
Wir leben in Zeiten, in denen einem das Lachen schon mal im Halse stecken zu bleiben droht, wenn wir auf globale und gesellschaftliche Entwicklungen schauen und beobachten müssen, wie unsere Gesellschaften in alle möglichen Extreme jenseits jeder Kultur rutschen. Aber gerade darum darf man wohl den Optimismus nicht verlieren. Ein guter – nicht zynischer – Humor, der auch etwas mit vernünftiger Distanz zu sich selber zu tun hat, wäre da manchmal hilfreich.






