Es gibt Momente, die machen auch einen Montagmorgen erträglich. Ein pünktlicher Bus mit funktionierender Klimaanlage zum Beispiel, oder Ikkimel, die im ZDF Moma rappt. Die Berliner Rapperin, laut Moderator Andreas Wunn eine der „umstrittensten Stimmen in der deutschen Rap-Szene“, war zu Gast im Zollernhof Unter den Linden – und sorgte im Moma-Café mit ihrem Track „Fußballmänner“ für eine Stimmung, irgendwo zwischen peinlich berührt und perplex. Die WM 2026 macht’s möglich.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wer in der Redaktion die Idee hatte, Ikkimel einzuladen, dürfte ein Geheimnis bleiben. Die Person wird aber aus dem Grinsen kaum herausgekommen sein. Im knapp dreiminütigen Auftritt prallten zwei Welten aufeinander, die schlicht grundverschieden sind: Das bürgerliche Fernsehgarten-Milieu traf die splash!-Crowd, Kaffee und Kuchen trafen auf bauchfrei und sexuelle Selbstbestimmung.
Auch interessant
Ikkimel im ZDF-Moma: Bei diesem grotesken Auftritt muss sie selbst lachen
Die Moderatoren Wunn und Philip Wortmann waren durchaus bemüht, ihrer Zielgruppe vorab eine Einordnung zu liefern. Ikkimel stehe für „explizit provokative Texte“ (Wunn), werde als „große Feministin“ gefeiert (Wortmann) und, naja, von einigen würde ihr „vulgärer Männerhass“ unterstellt. Also, „bitte entspannt bleiben“ (Wunn), liebe Männer, und „fest anschnallen“.
Auch interessant
Der Song handelt freilich viel weniger von fußballschauenden Männern, „alles Penner“, als davon, ebendiese – satirisch – zu austauschbaren Lustobjekten zu degradieren. Die Rapperin dreht den Spieß um: Statt passives Anhängsel vom Typ „Spielerfrau“ ist sie dominante Jägerin, „schlau und wunderschön“, „reich und dünn“, auf der Suche nach dem Nächsten.
Sie bestimmt prollig die Richtung, wer nicht folgt, der bekommt den „Laufpass“ und selbst nach „einer schönen Nacht“ wird der Typ „ein Closed Case“. Fall abgeschlossen, Mama (so nennen die Fans ihr Idol) zieht weiter und kennt ohnehin „die ganze Mannschaft“.
Dazu räkelt sich Ikkimel stets knapp bekleidet auf der Bühne, und lässt auch im Moma zu Atzen-Techno-Beats die Hüften kreisen. Die Kamera zeigt dann abwechselnd die Rapperin, die zwischen zwei Textzeilen aus dem Kichern kaum herauskommt, jüngere Menschen im Publikum, die Fans sein könnten, und ältere Herrschaften, die jetzt stolz ihren Enkelinnen erzählen können, einmal live dabeigewesen zu sein.
„Männerhass“ oder „Hass auf System“?
Dazwischen immer wieder das Duo Wunn und Wortmann, das auf seinem Sofa so aussieht, als würden beide innerlich die Sekunden zählen und nach der Sendung erst mal Urlaub buchen, um entsetzte Zuschauerpost nicht beantworten zu müssen. Mit einem triumphierenden „Guten Morgen, Moma!“ und verhaltenem Applaus endet der Auftritt fast so schnell, wie er begonnen hat. So richtig sprang der Funke nicht über, selbst die Jüngeren im Publikum schienen leicht überfordert zu sein.
Lesen Sie auch
Wunn, dem wohl eingefallen war, dass er seine Urlaubstage alle schon verplant hat, schickt schnell noch die Bitte hinterher, nun „nicht beleidigt zu sein“, das sei „Kunst und Provokation“ und treffe gerade „so richtig den Nerv bei der Gen Z“. Schnell weiter zur nächsten Maz – aber: Ikkimel darf später noch mal auftreten.
Diesmal kommt vorab ein 30-Sekünder, der der ZDF-Zielgruppe eintrichtert, wie erfolgreich Melina Gaby Strauss, so heißt die 29-Jährige aus Berlin-Tempelhof, gerade die Charts stürmt. Die Rapperin kommt darin selbst zu Wort und darf den „Männerhass“-Vorwurf entkräften. Sie sieht in ihren Texten, ihrer Kunstfigur und sich selbst keine „Männerhasserin“, sondern: „Hass aufs System“. Systemkritik vor dem zweiten Kaffee – so subversiv war das Moma schon lange nicht mehr.









